Professx Hornscheidt: Sexismus in der Sprache


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Sich angesprochen fühlen: Professx Lann Hornscheidt spricht über die Notwendigkeit, Sprache auch an sich in Frage zu stellen, über Benennungen als politische Handlungsform und über reduzierte Bilder im Kopf.


Von Sonja Eismann|Frankfurter Rundschau

Lann Hornscheidt, wie wird der von Ihnen vorgeschlagene geschlechtsneutrale Titel „Professx“ korrekt ausgesprochen?

Machen Sie es am besten so, wie Sie es selbst für richtig halten! Es ist ja eigentlich ganz einfach, denn das x wird im Deutschen stets „iks“ ausgesprochen. Ich würde „Professiks“ oder „Mitarbeitiks“ sagen. Darüber hinaus ist es spannend zu sehen, dass es ähnliche Diskussionen auch beim so genannten Binnen-I gab. Diese Laute sind ja nicht wirklich schwer zu artikulieren. Ich glaube, dass sich da eine gewisse Abwehr gegenüber sprachlichen Veränderungen allgemein zeigt.

Funktioniert es, gewisse Benennungen und Anreden qua Verordnung auszutauschen?

Das ist ja nichts, was mit der Brechstange passiert. Es ergibt sich im Gegenteil aus einem langen Prozess des Hinhörens zu Menschen, die sich von den gängigen Sprachformen nicht angesprochen fühlen. Es ist schmerzhaft, sich damit auseinanderzusetzen, dass in das, was wir als Normen kennen, die Diskriminierungen schon strukturell eingeschrieben sind. Ich als Person mit sprachwissenschaftlicher Ausbildung sehe Sprache als Handlung. Zu behaupten, dass es eine Grammatik gibt, die einfach da ist, ist eine sehr machtvolle Handlung. Diese Natürlichkeitsvorstellung von einer unverrückbaren deutschen Grammatik, einem eindeutig „korrekten“ Sprechen und Schreiben, hängt sehr eng mit Nationalismusvorstellungen zusammen. Das wird in vielen Kommentaren deutlich, die sich dagegen verwehren, dass unsere Sprache an sich in Frage gestellt wird. Das ist spannend, weil es ignoriert, dass Diskriminierungen wie Sexismus und Rassismus unserer Sprache bereits eingeschrieben sind, also damit auch Teil dieser so hochgehaltenen deutschen Kultur.

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2 Comments

  1. Mit

    === schnipp ===
    Ich erkläre es meinen Studierenden manchmal so: Wenn mir eine Person sagt, das Wort Blume traumatisiert mich, aus welchem Grund auch immer, dann höre ich auf, das Wort zu benutzen.
    === schnapp ===

    kann ich mich durchaus anfreunden. Wenn mir das eine Person sagt, dann halte ich es dieser Person gegenüber so. Aber nur dieser Person gegenüber.

    Sonst kommt noch jemand daher und sagt ‚Professx‘ traumatisiert mich, ich kriege eine Gänsehaut und Fieber, wenn eine Person sich nicht entscheiden kann, ob sie Mann oder Frau sein will, und ich möchte doch bitte nicht mit solchen Problemen belästigt werden …

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