So viel Bibel steckt in der deutschen Sprache


Innerhalb der von Luther begründeten Kirche entstand dann auch die letzte große christliche Bewegung, die die deutsche Sprache entscheidend prägte: der Pietismus Foto: Infografik Die Welt
Warum heißt es „Peitsche“ und nicht „Geißel“? Und woher kommt das Wort „gemütlich“? Ohne Jesus und seine Nachfolger, die Mönche, Mystiker und Gottsucher, wäre unser Deutsch ein anderes.


Von Matthias Heine|DIE WELT

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott. Aber das Wort blieb nicht bei Gott, sondern wurde zu Wörtern. Auch zu deutschen Wörtern. Die deutsche Sprache wäre eine ganz andere, wenn nicht vor etwa 2000 Jahren der jüdische Wanderrabbi, dessen Geburtstag wir Weihnachten feiern, in Galiläa gewirkt hätte und in Jerusalem gekreuzigt worden wäre.

Alles beginnt mit dem Namen dessen, bei dem im Anfang das Wort war. Als germanische Söldner im römischen Heer und Krämer oder Bauern, die mit den Römern handelten, zum ersten Mal von jenem neuartigen einzigen Schöpferwesen hörten, an das viele ihrer lateinisch oder griechisch redenden Gesprächspartner glaubten, standen sie vor dem Problem, wie man deus übersetzen kann. Sie entschieden sich für ein altes germanisches Wort, das wohl in dieser Frühzeit noch gudam hieß. Es bezeichnete eine überirdische Daseinsform, die auch im Plural auftreten konnte, und es war ein Neutrum. Erst als christliche Gottesvorstellungen sich weiter verbreiten, verbindet sich mit dem Wort die Idee eines persönlichen und einzigen Schöpfers, und Gott wird männlich.

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2 Comments

  1. Bei totalem Analphabetismus bis vor 6.000 Jahren gehen Tausende Sprachen verloren, weitaus mehr als heute existieren. Die Religioten belegen mit
    „Im Anfang war das Wort“ biblische Ahnunglosigkeit.

    Fast alle biologischen Arten sind Millionen Jahre Augentiere, sie sehen Bilder, bewerten sie und handeln. Heute können Gedanken in Bildern bereits von Computern als Simulation gedeutet werden. Hominide schaffen vor 500.000 Jahren durch Verlagerung des Kehlkopfes die erste gezielte Lautbildung und lernen erste Sprachen zu abstrahieren. Im Gehirn entsteht ein Sprachzentrum, vor 50.000 Jahren folgen erste Sprachen mit einer festen Struktur.

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