Gott ist ein Kind und Moses ein Superheld


Bild: Twentieth Century Fox
„Batman“ wird „Moses“ – Christian Bale spielt die Hauptrolle in Exodus, der die wohlbekannte Geschichte aus dem Alten Testament zu einem Beispiel modernen Spektakelkinos macht: „Cleopatra“ trifft „Gladiator“. Regie führt der Brite Ridley Scott, der nach Alien und Blade Runner in den letzten Jahren sein Herz für Kostümfilme entdeckt hat und auch diesmal alles zeigt: In Exodus verbindet Ridley Scott Spektakelkino mit Hollywoods Bibelfilmtradition. Mit deutlicher Gewichtung auf spektakulären Bildern, Effekten. Stellenweise wirkt alles wie ein Kriegsdrama, dann wie ein Katastrophenfilm, dann überraschend altmodisch, „old school“ gewissermaßen.


Von Rüdiger Suchsland|TELEPOLIS

Tief ist der Brunnen der Vergangenheit: Ägypten – das ist im Hollywoodkino seit jeher das Reich der süßesten Träume: Ein Reich der Sinnlichkeit, des Exzesses, der archaischen Werte und der spektakulären Kulissen. Dieser fiktive Orient wurde am monumentalsten in Szene gesetzt vor 50 Jahren in Joseph Mankiewiczs Epos Cleopatra und zuvor in den zwei Versionen der The Ten Commandments, die Cecil B. De Mille zunächst (1923) als Stummfilm inszenierte und 1956 dann mit Charlton Heston als Moses und Yul Brynner als dessen anfänglicher Freund, der Pharao Ramses, der zum brutalen Gegenspieler wird.

An diese Filme schließt der britische Hollywood-Veteran Ridley Scott in Exodus nun an, mit den Mitteln modernster Technik. Diskret aber unverkennbar zitiert Scott diese großen Vorbilder, neben De Milles Monumentalschinken auch Ben Hur und seinen eigenen Gladiator. Exodus ist ein moderner Blick auf das Alte Testament und auf Bibelverfilmungen, vermischt mit Elementen von Monumentalkino und Sandalenfilm.

Wie schon im Kreuzzugsdrama Königreich des Himmels und in Robin Hood versucht sich Scott nun einmal mehr auch an der Wiederauferstehung eines ausgestorben geglaubten Typus von Kino, des Inszenierungsstils eines Goldenen Filmzeitalters.

Das Ägypten, wie es Scott zeigt, entspricht unserem heutigen, befremdet-faszinierten Blick auf andere Imperien jenseits des Westens: Es ist zivilisiert, technisch hochgerüstet und von fortwährenden großen Baumaßnahmen geprägt – so wie es sich historisch zur Zeit von Ramses „dem Großen“ tatsächlich zutrug. Und sie besitzt doch alle Klischees des Orientalismus à la Hollywood: Tierfelle auf dem Boden und kryptisch-grell gemusterte Stoffe an der Wand, Schlangen als Haustiere und hübsche Sklavinnen als Spielzeug der Despoten.

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