Religionsanthologie: Massaker gehören gewiss zum religiösen Leben


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Jack Miles, der eine viel beachtete Biografie Gottes geschrieben hat, gibt nun die „Norton Anthology of World Religions“ heraus. Im Gespräch erklärt er, warum Religionen immer noch wichtig sind.


Von Hannes Stein|DIE WELT

1996 erschien auf Deutsch „Gott, eine Biografie“ von Jack Miles. Dieses Buch, in dem der Gott der hebräischen Bibel so beschrieben wurde, als sei er eine Romanfigur, trug Jack Miles den Pulitzer-Preis ein. Es wurde in mehrere Sprachen übersetzt und galt als Sensation. Dieser Tage erschien in Amerika die „Norton Anthology of World Religions“ – zwei klobige Bände, in denen einige der wichtigsten Texte von drei östlichen und drei monotheistischen Religionen versammelt sind: Buddhismus, Hinduismus, Taoismus; Judentum, Christentum und Islam. Miles, 72, lehrt Religion an der University of California in Irvine. Hannes Stein hat mit ihm gesprochen.

Die Welt: Wie würden Sie einem eingefleischten Atheisten vom Schlage eines Richard Dawkins oder Christopher Hitchens die Lektüre Ihrer Religionsanthologie schmackhaft machen?

Jack Miles: Zunächst möchte ich gern zwischen Richard Dawkins und Christopher Hitchens unterscheiden. Wissen Sie, was Dawkins´ Lieblingsmusikstück ist? „Mache dich, mein Herze, rein, ich will Jesus selbst begraben“ aus der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach. Er hat einmal gesagt, dass er gegen Religion als bloßes Brauchtum keine Einwände hat, die unüberwindlich wären. Er feiert Weihnachten, er findet nichts Schlimmes an Weihnachtsliedern. Einem Atheisten, der so offen ist, würde ich sagen, dass in der „Norton Anthology“ Religion als Praxis betont wird, nicht Religion als Glaubenssystem. Es geht um Rituale, die mit Spielen verwandt sind. Religion steht oder fällt gewiss nicht mit einer bestimmten Kosmologie. Der interessanteste Berührungspunkt zwischen Religion und Wissenschaft ist im Moment die Evolutionsbiologie: Religion ist eine spezifisch menschliche Verhaltensweise – zumindest in dieser entwickelten Form ist sie bei einem Tier ohne unsere Intelligenz nicht bekannt. Atheisten bekennen sich meistens deshalb zu ihrer Glaubenslosigkeit, weil sie auf der Seite der Wahrheit und der Fakten stehen wollen. Fiktionen sollen in ihrem Leben keinen Raum haben. Solche Leute möchte ich immer fragen: Lesen Sie nie einen Roman? Gehen Sie nie ins Kino?

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5 Comments

  1. Hallo, kennt jemand von euch ein Buch (oder webpage) indem alle Gewalttaten der Bibel und / oder der Christenheit aufgezaehlt sind? Bin fuer jeden Tipp dankbar!

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  2. Atheisten bekennen sich meistens deshalb zu ihrer Glaubenslosigkeit, weil sie auf der Seite der Wahrheit und der Fakten stehen wollen. Fiktionen sollen in ihrem Leben keinen Raum haben. Solche Leute möchte ich immer fragen: Lesen Sie nie einen Roman? Gehen Sie nie ins Kino?

    Der Einwand Roman/Kino ist arg dümmlich!

    Religionen wollen die Welt erklären und beanspruchen für sich eine „tiefere Wahrheit“ zu vermitteln. Jede Religion behauptet, die eine, wahre Religion zu sein und den einen wahren Gott (oder die eine wahre Göttergesellschaft) zu verehren. Apostaten werden verfolgt (ist im Christentum auch noch nicht lange her) und mit schweren Strafen bedroht, zumindest haben sie mit sozialer Ausgrenzung zu kämpfen. Gegen solche Welterklärungsfiktionen ohne jeden Zusammenhang mit der Realität wenden sich Atheisten, wenn sie sich auf wissenschaftlich überprüfbare Wahrheit und Fakten berufen.

    Romane und Filme sind per se Fiktion. Sie beanspruchen nicht, das wahre Bild der Welt zu entwerfen oder eine tiefere Seiensebene der Welt zu beschreiben. Sie wollen zuallererst unterhalten. Ich kenne keinen Atheisten, der sich solcher Fiktion (den guten Produkten jedenfalls) völlig verwehrte. Warum auch? Solche Fiktionen dürfen in unserem Leben durchaus Raum haben!

    Wenn man Miles Einwand ernst nehmen soll, kann man das nur, wenn Miles Religionen für ein einem Roman oder Film vergleichbares, reines Unterhaltungsobjekt hielte. Dies würde jedoch religiösem Selbstverständnis und Anspruch diametral gegenüber stehen, was hieße, er verstünde nicht, was Religionen sind bzw. sein wollen… Was soll ich aber dann mit dem Erguss eines solchen Autors? Schneller kann man kaum Desinteresse induzieren.

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  3. „Religion“ ist so lange wichtig, bis die Evolution den Menschen die Naivität aberzogen hat. Bis dahin brauchen sich die diversen Nutznieser dieser vielfältigen Einkommensvorlage allerdings kein großes Kopfzerbrechen über ihre finanzielle Entwicklung zu machen. 😉

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  4. Auch nicht gerade neu

    Das Konzil von Nicäa (Iznik) verdammt 325 n.C. den heiligen Geist als Irrtum. Bischof Athanasius erklärt ihn 390 n.C als verbindlich für die Vulgata (Bibel). Der Heilige Geist reist 600 Jahre in der Zeit zurück und diktiert die ewige Wahrheit Zombies mit 35 Mio. Morden mit 539 Fällen krasser Inkompetenz, 1035 Absurditäten, 377 Widersprüchen, 1094 Ungerechtigkeiten und 854 Gräueltaten.

    Kaiser Constantin (285-337 n.C macht das Christentum zu Staatsreligion, er verstößt seine 1.te Frau Minervina, ermordet den Sohn Crispus und die Frau Fausta, vergiftet die Mutter Helena und seinen Schwiegervater. Die Christen erobern die Macht mit Brutalität, Andersdenkende werden verfolgt und vernichtet gemäss Kaiser Theodosius I im Thessaloniki Edikt von 380 n.C.:
    „Wir befehlen, dass diejenigen, welche dies Gesetz befolgen, den Namen ‚katholische Christen‘ annehmen sollen; die übrigen dagegen, welche wir für toll und wahnsinnig erklären, haben die Schande zu tragen, Ketzer zu heißen. Ihre Zusammenkünfte dürfen sich nicht als Kirchen bezeichnen. Sie müssen zuerst von der göttlichen Rache getroffen werden, sodann auch von der Strafe unseres Zornes, wozu wir die Vollmacht dem himmlischen Urteil entlehnen.“

    Im RKK Dogma No.381 ist Fasten, Almosen und der Kriegsdienst unverzichtbar um Gottes ewige Gnade zu erlangen, Kritik an gerechten Kriegen wird sofort als Frevel mit grauenhafter Höllenpein bestraft.

    Ein guter Christ im Sinne der Gründer der Religion muss ein brutaler Schlagtot sein, sonst ist sein Platz im Paradies verwirkt

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  5. Massaker gehören dazu doch entspricht diese Leere genau dem Gegenteil,religiös,zu den Grundwerten die ausgerufen sind d.h. sie sxchneiden das wofür sie eigentlich leben von ihrem Sinn ab und sagen wir leben falsch!

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