Religionsfreiheit und Drogenfreiheit


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Von Hans Cousto|taz.de

Michael Kleim ist evangelischer Theologe und Seelsorger. Nach seinem Studium der Theologie auf der kirchlichen Hochschule Naumburg war er in der politischen und kulturellen Opposition in der DDR aktiv und veröffentlichte illegale Publikationen im Samisdat unter anderem zu Menschenrechtsfragen. Nach der Wende arbeitete er weiter an Drogenfragen, insbesonderen mit den Schwerpunkten kulturelle, religionsgeschichtliche und spirituelle Aspekte von Drogengebrauch sowie Menschenrechte und Drogenprohibition. Er ist Mitautor der Ausstellung und CD „Drogenkultur – Kulturdrogen“ der Heinrich- Böll- Stiftung Thüringen. Am 24. November 2014 hielt Michael Kleim zum 25-jährigen Jubiläum des Palette e.V. in Hamburg, das unter dem Motto „Ohne Legalisierung geht es nicht – Legal lebt es sich besser“ stattfand, einen erhellenden und bewegenden Vortrag. Sein Vortrag ist auf YouTube (ab Minute 4:30) zu sehen und zu hören. Passend zu Weihnachten sind hier Auszüge aus seinem Vortrag wiedergegeben. Die Zwischentitel wurden bei der redaktionellen Überarbeitung zur besseren Übersicht eingefügt und sind nicht Teil des Vortrags gewesen.

Religionsfreiheit

Es gab eine Zeit, als die Obrigkeit im Auftrag der Kirchen meinte, sie müsse durchsetzen, was Menschen glauben dürften und was nicht. Andersgläubigkeit oder gar Nichtgläubigkeit wurde kriminalisiert und verfolgt. Es gab Sondergesetze, Sonderermittlungsbehörden und Sondergerichte. Die Gewalt des Staates in Sachen Religion nahm Formen des Terrors an. Dann weichte die Sache schrittweise auf und es galt: „Cuius regio, eius religio“ (wessen Gebiet, dessen Religion) – wobei der jeweilige Landesherr bestimmte, welche Religion den Menschen zugestanden wurde. So gab es eben protestantische, katholische, sunnitische und schiitische Gebiete. Dagegen entstand eine zivile Oppositionsbewegung, die sich für eine umfassende Gewissensentscheidung jedes Einzelnen und jeder Einzelnen einsetzte. Die Niederlande unter Wilhelm I von Oranien (Willem van Oranje) waren übrigens eines der ersten Länder, in denen sich einstige Ketzer, Täufer als auch Juden ohne Angst vor Verfolgung niederlassen konnten. Die Religionsfreiheit wurde unter großen Anstrengungen den Herrschenden abgerungen und sie stellt eine bedeutende zivilisatorische Errungenschaft dar. Jeder Mensch entscheidet frei und selbst, welchen Glauben er wählen oder ob er keiner Religion angehören will. Die Religionsfreiheit wurde in den Kanon der Menschenrechte aufgenommen und ist in jeder demokratischen Verfassung verankert.

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