„Das Abendland ist ein Mythos“


Bild: pegida/FB, Screenshot:BB
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„Pegida“ hat den Begriff des Abendlandes aus tiefer Versenkung geholt. Was bedeutet dieser Begriff? Wofür wurde er benutzt? Was die beiden Berliner Historiker Wolfgang Benz und Heinrich August Winkler dazu sagen.


DER TAGESSPIEGEL

Für den Berliner Historiker und Antisemitismusforscher Wolfgang Benz ist das „Abendland“ ein Begriff, in den man „ganz viel eintüten kann“. Seit Jahrzehnten spielte er in der politischen Debatte kaum noch eine Rolle. Jetzt hat ihn die Bewegung „Pegida“ („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) aus dem Schlummer geholt – und knüpft damit an Jahrhunderte alte Ängste vor dem Islam und Überfremdung an.
„Das Abendland ist ein Mythos, der vor allem im 17. und 18. Jahrhundert Hochkonjunktur hatte: Er steht für eine Wertegemeinschaft, die griechisch-römische Philosophie mit christlichem Denken verbindet und den Eindruck erweckt, als habe sich die Antike im Christentum vollendet“, sagte Benz am Montag im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Dabei sei die Rede vom Abendland immer eine Kampf- oder Abgrenzungsparole gewesen, die sich – je nach historischer Situation – gegen die orthodoxe Kirche, den Islam oder den Bolschewismus gerichtet habe.
Nach den Worten des Berliner Historikers Heinrich August Winkler tauchte die Vorstellung vom Abendland schon im klassischen Altertum auf: Die Griechen hätten nach den Perserkriegen im 5. Jahrhundert vor Christus mit diesem Begriff ihre eigene Identität gegenüber den „Barbaren“, also den Fremden im Osten, ausdrücken wollen.

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