Der biblische Stern, der kein echter war


Bild: heise.de
Nach Ansicht vieler Wissenschaftler sind die biblisch verklärten drei Weisen aus dem Morgenland reine Fiktion. Doch der Stern von Bethlehem lässt sich mit einem historisch nachweisbaren astronomischen Phänomen gut erklären.


Von Harald Zaun|TELEPOLIS

Was sich dereinst real in Bethlehem abgespielt hat, bleibt aus wissenschaftlicher Perspektive reine Spekulation, weil keine einzige historische Quelle vorliegt, in denen die Anwesenheit der drei Magier aus dem Orient in Judäa Bestätigung erführe. Dennoch besteht eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass damals tatsächlich babylonische Priester aus astrologischen Motiven in das Jordanland gezogen sind, um einen König zu huldigen. Dabei könnte sie zudem ein astronomisches Phänomen inspiriert haben, das um 7 v. Chr. zu sehen war. Es existiert sogar eine historische Quelle, die dokumentiert, dass die Erscheinung von den Astronomen aus dem Zweistromland tatsächlich beobachtet wurde. Trotzdem hat die Geschichte um den Stern von Bethlehem nur Legendencharakter.

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Bethlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. (…) Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.

Jeder gläubige Christ oder halbwegs bibelfeste oder auch nur interessierte Leser dieser zur Weihnachtsgeschichte verklärten Episode aus dem Matthäus-Evangelium (Mt 2,1) kann sich in seiner Fantasie ausmalen, wie vor mehr als 2000 Jahren die Heiligen Drei Könige einem hellen neuen Stern folgten, der sie schnurstracks nach Bethlehem zur Krippe leitete, wo sich die Geburt Jesu zugetragen haben soll. Oder auch nicht. Denn Forschungen zufolge könnte Jesu wohl eher in Nazareth das Licht der Welt erblickt, die Inthronisierung des neuen Königs der Juden fernab von Bethlehem stattgefunden haben, sofern sie denn überhaupt stattgefunden hat.

weiterlesen