Manfred Lütz: Dodo des Monats Dezember 2014


Dodo des Monats Dezember 2014
Dodo des Monats Dezember 2014


Manfred_LützIn Deutschland, wo fast alles geregelt wird, sollte man die Erkennungspflicht der religiösen Weltsicht für Ärzte einführen. So wie auf Lebensmittelverpackungen der Hinweis zu lesen ist, dass z.B. Nüsse enthalten sind, sollte auf dem Arztschild die religiöse Zugehörigkeit desselben erkennbar sein. Dem Patienten wird so eine Auswahlmöglichkeit gegeben zu entscheiden ob man einen kompetenten Mediziner aussucht oder einen religiösen Scharlatan.

Sterbehilfe in Deutschland. Ein Thema welches die Gemüter anheizt, weniger die Befindlichkeiten der Betroffenen, mehr die Ansichten von Politik, Theologen und anderen Bescheidwissern. Die ganz Schlimmen darunter holen die Nazi-Keule aus dem Sack und versuchen so, jedwede rationale Diskussion zu erschlagen. Manfred Lütz ist so ein gut-katholisches Exemplar, der den Euphemismus der Nazis in die Jetzt-Zeit überträgt. Euthanasie gleich Lizenz zum Töten. Genau das ist Euthanasie eben nicht. Der Begriff wurde von den Nazis verwendet um Massenmorde zu umschreiben, Euphemismus par exellance. Euthanasie im nazistischen Sprachgebrauch war die Umschreibung für das systematische Morden als Teil der nationalsozialistischen Rassenhygiene.

Im antiken Griechenland wurden zwei Arten des Todes unterschieden. Einem Tod, der temporär war, wie etwa der Schlaf, und einem vorzeitigen Tod, der den Menschen aus dem Leben reißt. Der Begriff der Euthanasie bezog sich auf den temporären Tod und tauchte erstmals beim griechischen Dichter Kratinos, der ihn um 500 – 420 v.u.Z. zur Bezeichnung eines „guten Todes“, in Abgrenzung zu einem schweren Sterben gebraucht, auf. Der Tod ohne lange vorhergehende Krankheit, der „gute Tod“. Um nichts anderes geht es.

Es geht nicht um systematisches Morden und es geht nicht um Rassenhygiene. Es geht um den mündigen Bürger. Es geht nicht um Jux und Dallerei, sondern um die schwerwiegende Entscheidung, bei schwerer Erkrankung, zu erkennen, dass das eigene Leben nicht mehr individueller Kontrolle gehorcht. Für areligiöse Menschen eine sehr schwere, wenn nicht die schwerste Entscheidung überhaupt, wissend, dass es kein Leben nach dem Tod gibt, keine Reinkarnation, keine in den Orkus entschwindende Seele. Rational selbstbestimmt. Ich will nicht leiden, nicht an irgendwelchen Maschinen hängen, künstlich ernährt und entsorgt, sediert, ohne Bewusstsein dahin dämmernd, auf Gedeih und Verderb anderen ausgeliefert. Es gibt keine Institution auf dieser Welt, die die Entscheidung eines Menschen sterben zu wollen in Frage stellen kann. Der imaginäre Freund des Manfred Lütz ohnehin nicht. Lässt er doch genug Leid und Siechtum an seiner unperfekten Schöpfung zu.

Dann kommen diese religiösen Bescheidwisser, die dummschwätzend einer Mehrheit ihre Weltsicht aufs Auge drücken wollen, ob nun Lütz, Gröhe, Marx usw. All diese Vertreter eines imaginären Freundes, den sie Gott nennen versuchen nun den Menschen zu entmündigen. Die Lösung des Problems bieten sie an, Hospiz. Bis der Arsch kalt wird, wird am Kranken verdient. Diesem wird nun ein schlechtes Gewissen eingeredet und obwohl man sonst durchaus den materiellen Wert des Menschen beziffert, sagt man nun, es ginge nicht um die Finanzen. Dreiste Lüge.

Die Würde des Menschen ist unantastbar, korrekt, auch der Wille in Würde sterben zu wollen, den Zeitpunkt zu bestimmen. Diese Würde können Lütz und Co niemanden nehmen und sie können auch nicht die Verantwortung dafür übernehmen, gut so.

Dienst am Menschen, dass ist die Rolle der Ärzte, ihre weltanschaulichen Präferenzen interessieren eine Dreck, wenn diese mit dem Menschendienst nicht in Übereinstimmung gebracht werden kann sollten sie den Beruf wechseln. Für Manfred Lütz ließe dich doch bestimmt ein einträgliches Pöstchen in der katholischen Hierarchie finden, schließlich gibt es genug alte Männer im römischen Kreml.

Herzlichen Glückwunsch zum 2. Dodo.

5 Comments

  1. Danke für diese klaren Worte. Noch ein anderes könnte lehrreich sein, wenn man diesen Herrn einschätzen möchte. Herr Lütz verbreitet sich ja auch gerne über die „Gesundheitsreligion“.

    Es gibt zweifellos etliche Übertreibungen in dem Glauben, mit einem bestimmten Verhalten auf individueller Ebene schützende Wirkungen auf die Gesundheit zu entfalten, die doch allenfalls im Mittel statistisch belegbar sind. Andererseits gibt es keine Zweifel an der konkreten Schädlichkeit von bestimmten Verhaltensweisen. Dazu gehört sicher das Rauchen, das für eine Vielzahl von Erkrankungen wesentlich mitverantwortlich ist. Im Mittel gesehen sterben Raucher 5-10 Jahre früher als Nichtraucher, das ist nicht mehr statistisch marginal. Es geht wohlgemerkt nicht darum, Raucher zu verteufeln, sondern die Situation realistisch einzuschätzen und sich nicht in die Tasche zu lügen.

    Herr Lütz sagt dazu seit Jahren etwa Folgendes (siehe zum Beispiel die Interviews mit Profil und Kurier): „Zünden Sie sich in einer Runde eine Zigarette an und sagen Sie: „Warum soll eigentlich meine Lunge älter werden als ich?“ Die Leute werden entsetzt sein: Sie müssen mit Reaktionen wie im Mittelalter bei Gotteslästerung rechnen.“

    Das ist erhellend. Vor allem diejenigen, die etwas von der Sache verstehen, sind nämlich nicht aus „gesundheitsreligiösen“ Gründen entsetzt. Sie erwarten nicht, dass ein Arzt eine derart eindeutig schädliche Verhaltensweise mit einem kleinen dummen Witz verharmlost. Da hilft keine Rede von „satirischer Überspitzung“. Man kann sich mancherlei Beispiele suchen, aber dieses ist angesichts der Dimensionen, um die es geht, zynisch.

    Doch anderes ist noch erhellender. Die medizinische Forschung der letzten 10-15 Jahre hat ergeben, dass viele chronische Erkrankungen mit einem vorzeitigen Altern der jeweiligen Organe und/oder des Gesamtorganismus einhergehen. Dieses vorzeitige Altern kann durch äußere Einflüsse ausgelöst und angetrieben werden. Speziell das Rauchen gehört dazu. Dass die Lunge durch das Rauchen besonders altert, kann man an der Lungenfunktion erkennen. Ärzte verwenden heute die Messung der Lungenfunktion, um beispielsweise einem Raucher zu erklären, dass seine Lunge „9 Jahre älter ist“ als sie der Zahl der Lebensjahre nach sein sollte. Man kann auch in Zellen, vor allem solchen der Lunge, dieses vorzeitige Altern direkt nachweisen. Da Krebs hauptsächlich eine Erkrankung des Alters ist, gehört ebenfalls in dieses Bild, dass Lungenkrebs, eine an sich (solange nicht geraucht wurde) relativ seltene Erkrankung, heute eine relativ häufige Erkrankung ist.

    Das alles ist gut bekannt, selbst auf den Zigarettenpackungen steht, dass Rauchen altern lässt. Jedoch scheint der Kelch dieses Wissens an Herrn Lütz vorübergegangen zu sein. Ich denke, es sollte einem wissenschaftlich informierten Mediziner widerstehen, einen so offensichtlich irreführenden Satz zu bringen. Der Bekannte des Herrn Lütz, der diesen Satz angeblich zu äußern pflegt, verdient nicht zitiert, sondern auf Tatsachen hingewiesen zu werden. Korrekt muss es nämlich heißen: „ Warum soll ich eigentlich älter werden als meine Lunge?“ Es ist klar, dass sich der Satz in dieser Form nicht mehr für eine dümmliche Bemerkung eignet, mit der man die Leute zu frappieren gedenkt.

    Mir scheint, gerade das Beispiel des Rauchens, das Herr Lütz immer wieder bringt, beleuchtet sowohl den fachlich-wissenschaftlichen Kenntnisstand als auch das präventivmedizinische Ethos dieses Herrn. Man mag sich mancherlei Vorlagen für Witzlein suchen, aber eher nicht das Rauchen. Sollte der Herr die vorstehenden Bemerkungen ebenfalls als Ausdruck des Gesundheitswahns oder als „mangelnden Sinn für Humor“ werten wollen, wird ihm auch ein Kollege nicht mehr helfen können.

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    1. Ein Aspekt der Demenz bei alten Menschen geht hier vollkommen unter, obwohl gerade der für die Angehörigen am schwersten zu verkraften ist. Das ist langsame aber gravierende Veränderung der Persönlichkeit. Dazu gibt es keine bekannte Forschung, ich kann es nur an Beispielen über 6 Jahre deutlich machen. Ein Arzt der den Patienten an einem Tag beobachtet hat, der hätte 6 Monate später ein vollkommen anderen Zustand angetroffen. Ein Therapie wäre immer nur für einige Monate richtig

      Die Schwiegermutter war eine selbstständige Geschäftsfrau mit einem Laden in Berlin mit Imbiss. Sie war das Arbeitspferd, hat den Einkauf, das Warenangebot, die Kassenabrechnung usw. souverän geführt. Davor hatte sie in Durban viel Jahre eine Geschäft für Elektroartikel.

      Mit der Demenz kam ging die Entscheidungsfähigkeit verloren. Sie ist im Supermarkt 5 bis 6 Mal um das Regal gelaufen, hat den Artikel immer wieder in die Hand genommen und dann doch nicht gekauft. Auf dem Heimweg gut 10 km entfernt meinte sie dann „Können wir noch einmal zurückfahren, ich sollte das Ding doch besser kaufen“

      Obwohl sie früher die Kasse geführt und eingekauft hat, wurde sie unfähig einen Bankauszug mit 4 fast identischen Buchungen im Monat zu lesen, 3 Eingänge und 1 Ausgang. Nach 3 Tagen rumrechnen und 3 DINA4 Blättern kam sie immer wieder zu dem Schluß „Die haben mir mein Geld bestohlen“

      Dazu kam die Unsicherheit über den eigenen Zustand, sie hat jeder Werbung für Medikament in TV und bunten Blättern geklaubt, hatte die Krankheit deren Wirkung sie nicht beschreiben konnte und ,musste die Tabletten habe, Sie hat das Zeug gegessen wie andere Popcorn, bis und die Risken von Kombinationswirkungen zu groß wurden und wir nach Absprache mit dem Sozialdienst den Einkauf verhindert haben. Dann ist sie nachts über den Zaun klettern und wollte 1500 km nach Amsterdam trampen, um bei ihrer Schwägerin zu wohnen, einer Blinden von 90 Jahren

      Zuletzt kam die Unverträglichkeit des neuen Charakters. Sobald man begründet nein gesagt hat, ist so ausgerastet und hart wie Rambo mit der Stahlkrücke auf ihr Tochter eingeschlagen. Mir fehlte 6 Monate ein Daumennagel,. Nur mit täglicher Dosis an Neuroleptika konnte man sie ohne Risiko mit anderen Menschen zusammen lassen

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  2. Der Kommentar ist gut geschrieben und trifft vieles auf den Punkt. Ich bin mit 77 selber Betroffener, um uns herum gehen in wenigen Jahren überall die „Lichter“ aus wie Bruder, Neffe, Schwester, Mutter, Schwiegerwavter, Schwiegermutter, 2 Schwägerinnen. Den letzten Bruder mit Frau beide um die 90 Jahre trifft es wohl auch bald. Da wird die Sichtweise des Problems etwas extremer, nachdem man das erschütternde Elend der Menschen beim Dahinsiechen über mehrere Jahre miterleben musste. Ich hoffe für mich man kann sich ab einem gewissen Punkt mittels einer Pille verabschieden.

    Dispute mit intolleranten Religioten sind sinnlos, ihnen gilt das Siechtum als Altern in Würde. Dabei war noch keiner der Typen zu Besuch in einem Pflegeheim, Die RKK nennt das Elend der Sterbenden eine „unverzichtbare Solidarität mit den Qualen des allerliebsten Jesulein“. Wenn ich noch könnte würde ich kotzen

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  3. Was sein Vorschlag zur „Erkennungspflicht der religiotischen Weltsicht der Ärzte“ betrifft, da wäre auf einem breiten Scheitel ja genügend Platz um ein Wort einzutätowieren das mit A anfängt und mit h aufhört. 😉

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