Was versteht der Islam eigentlich unter Märtyrern?


Schon die Kämpfer, die zu Lebzeiten des Propheten für seine Botschaft in den Krieg zogen, galten als „Schahid“, Zeugen, die für den Glauben ihr Leben verloren und dafür mit höchsten Stellen im Paradies belohnt wurden. Bild: DIE WELT
Heilige Begriffsverwirrung: Die Attentäter auf das Magazin „Charlie Hebdo“ behaupten, sie seien Märtyrer. Mit der christlichen Auffassung von „Blutzeugenschaft“ hat das ganz und gar nichts zu tun.


Von Sven Felix Kellerhoff|DIE WELT

Als „Märtyrer“ wollten die beiden „Charlie Hebdo“-Attentäter sterben, sagte Yves Albarello laut dem TV-Sender Itelé. Nun ist zwar nicht klar, woher der konservative Abgeordnete der französischen Nationalversammlung das genau wissen will. Aber ebenso wenig steht fest, was denn die in Paris geborenen Brüder mit algerischen Wurzeln genau gesagt haben: „martyr“ auf Französisch? Oder „chahid“, im Deutschen meist „Schahid“ transkribiert, auf Arabisch?

Der Unterschied ist gewaltig, und er hat zu tun mit den ganz unterschiedlichen Traditionen der Stiftung der beiden großen monotheistischen Religionen Christentum und Islam. Dabei bedeuten der ursprünglich altgriechische Begriff „martys“ und das klassisch-arabische Wort „sahid“ rein technisch das Gleiche: einfach „Zeuge“. Im übertragenen Sinne, nämlich als „Zeuge des Glaubens“, kommen beide Begriffe vielfach in den Schriften der beiden Religionen vor, im Neuen Testament und im Koran.

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