Das muss man sogar zeichnen dürfen!


Von Kurt Westergaard
Von Kurt Westergaard
Kritik am Satireverständnis durch die deutsche Brille? Eine Erwiderung zur Debatte über „Je suis Charlie“


Von Ralf Streck|TELEPOLIS

In seinem Meinungsbeitrag Das wird man doch wohl noch zeichnen dürfen! greift der Autor Harald Neuber meiner Auffassung nach zu kurz. Er fährt Argumente der „political correctness“ auf und gerät damit sogar in ziemlich gefährliches Fahrwasser: „Denn gerade die Islam-Karikaturen waren in mehr als einem Fall nichts weiter als rassistischer Schund.“

Das legt aus meiner Sicht die Vermutung nahe, dass er die Zeitschrift nicht wirklich kennt. Was zum Fehler führt, sie mit einem verkürzten Blick aus seinem deutschen Kulturkreis heraus zu verurteilen; auch wird das Wesen von Satire falsch eingeschätzt. Das Schema wiederholt sich zum Teil auch im Artikel von Selma Mahlknecht Ich bin nicht Charlie!, wo sie bemerkt, dass sie noch nie eine Ausgabe von Charlie Hebdo in der Hand gehalten hat, wofür ihr „Französisch zu schlecht“ sei. Doch auch sie zielt auf eine Qualitätsdebatte, sie hält die „Witze und Vignetten“ für zu plump.

Doch in Frankreich ist Satire (und Charlie Hebdo legt sich heftig mit allen Religionen an) deutlich bissiger, als es in Deutschland üblich ist (und das ist meiner Meinung nach auch gut so). Das müsste bei der Betrachtung einbezogen werden, was aber nicht geschieht. Damit haben es vor allem mit Betrachtungen durch die deutsche Brille zu tun, leider.

Andere Kritiken im Text von Neuber sind allerdings zutreffend. Es ist natürlich unerträglich, wie sich viele nun plötzlich als die vehementen Verteidiger der Pressefreiheit aufschwingen.

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