Atheisten: Die neuen Staatsfeinde Ägyptens


boese_atheistenNicht an Gott glauben und das auch noch öffentlich machen? In Ägypten kann das schwerwiegende Folgen haben, die angeblich säkulare Regierung macht Atheisten mehr als je zuvor zu Feinden. Vor allem in Sozialen Netzwerke können Bekenntnisse gefährlich werden.


Von Jürgen Stryjak|Deutschlandfunk

Bis zum Volksaufstand von 2011, der zum Sturz Hosni Mubaraks führte, fühlten sich viele Ägypter von den Verhältnissen eingeschüchtert. Mit dem Sturz Mubaraks änderte sich das schlagartig. Plötzlich wurden politische Ideen und die verschiedensten Weltanschauungen debattiert. Das ermutigte auch die Atheisten im Land dazu, ins Licht der Öffentlichkeit zu treten.

Unterstützt wurde diese Entwicklung durch die Existenz der sozialen Medien, sagt Amr Abdulrahman von der Ägyptischen Initiative für Persönlichkeitsrechte:

„Wer in den 80er-Jahren in Ägypten Atheist war, der hat tunlichst darauf verzichtet, dass dies jemand erfährt. Aber jetzt hatte jeder ein Facebook- und ein Twitter-Profil. Die Leute möchten öffentlich ihre Gesinnung kundtun.“

Doch der kurze freizügige Frühling endete mit der Machtergreifung durch das Militär im Sommer 2013. Die Behörden und das religiöse Establishment machen verstärkt Stimmung gegen Atheisten.

Die Verfassung und die Gesetze würden auf dem Papier zwar die Meinungsfreiheit auch in diesem Punkt sichern, sagt Amr Abdulrahman, aber die Strafverfolger besäßen eine Hintertür:

„Es gibt einen Paragrafen im ägyptischen Strafgesetzbuch, der gegen Atheisten angewendet wird. Das ist Artikel 98. Dieser Artikel stellt die Diffamierung von Religion unter Strafe.“

weiterlesen