Evangelikale Sekte „The Family“: Sexueller Missbrauch


Natacha Tormey, Jahrgang 1983, wuchs in der evangelikalen Sekte „The Familiy“ auf, die sich auch „Family of Love“ und in den Anfangsjahren „Children of God“ nannte. Die Sekte wurde 1968 von David Berg in Kalifornien gegründet, zog anfangs vor allem Hippies an und wuchs auf mehrere Zehntausend Mitglieder mit Kommunen in Asien, Ostafrika und Europa.

Zum Konzept gehörte freie Liebe. Das bedeutete, dass die Frauen mehren Männern zu Diensten sein mussten, dass sie durch Sex Geld oder neue Mitglieder für die Sekte beschaffen sollten. Das beutete den angeordneten sexuellen Missbrauch von Kindern ab zwölf Jahren. Und tatsächlich von jüngeren. Wie von Natacha eines Tages von Sektenmitglied „Onkel Clay“ in einer Dusche der Kommune in Thailand:

Von Natacha Tormey|Huffington Post

Am Tag darauf gelang es mir, ein paar Minuten mit meiner Mutter allein zu sein. Während einer Pause saß sie im Garten und fütterte eines der Babys. Man hatte sie mit einer Arbeit oder einem »Dienst« – wie man das hier nannte – im Kinderhort betraut. Ich rannte zu ihr hinüber und brach in Tränen aus. Sie umarmte mich und flüsterte: »Warum weinst du, Natacha? Was ist denn mit dir los, chérie?«

Ich krampfte die Finger um ihr langes blondes Haar. In mir war ein so dringender Wunsch, ihr mitzuteilen, was geschehen war – aber ich fand einfach keine Sprache, keine Worte dafür, egal wie heftig ich mir auch wünschte, ihr mütterlicher Instinkt würde einfach so verstehen, sie würde mich ansehen und wüsste es irgendwie.

Stattdessen wischte sie mir die Tränen ab und lächelte. »Ah, chérie. Hol dir den Sieg! Sollen wir miteinander beten, damit Jesus dir hilft und du dich wieder besser fühlst?«

Ich nickte. »Hol dir den Sieg« sagten die Erwachsenen andauernd. Fielen wir etwa hin und schlugen uns ein Knie auf, so wurden wir nicht getröstet, sondern dazu gedrängt, »uns den Sieg zu holen«. Und wenn es uns schwerfiel, unsere Bibeltexte auswendig zu lernen, bekamen wir dieselbe Mahnung erteilt. Egal, was uns bedrückte, stets bläute man uns ein, dass nur Jesus oder Gebete die Sache verbessern konnten.

Als ich eines Tages mit Fieber erwachte, erwartete ich daher nicht viel Mitleid vonseiten der Erwachsenen. Die ganze Nacht hatte ich gezittert und geschwitzt, in einem Moment war mir eiskalt, im nächsten siedend heiß. Beim Frühstück konnte ich meinen Porridge kaum anrühren. Tante Mary, die Aufsicht hatte, legte mir die Hand auf die Stirn und sagte besorgt: »Du fühlst dich aber heiß an, hm?«

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