Über die Sinnhaftigkeit liberaler Religionskritik


napoleon_religionRobert Treichler über die Sinnhaftigkeit liberaler Religionskritik am Beispiel des profil-Covers der vergangenen Woche und der Empörung darüber.


Von Robert Treichler|profil.at

Wenn profil Religionskritik übt, geht das üblicherweise schief – jedenfalls aus Sicht des betreffenden Allmächtigen und seiner irdischen Heerscharen. Das muss so sein, denn ein Magazin, das sich als aufklärerisch versteht, ist der natürliche Feind der ewigen Wahrheiten und des Gehorsams. Und so wird unsere Religionsberichterstattung seit jeher verlässlich von Zorn begleitet und profil mal als Hetzblatt im Stil des nationalsozialistischen „Stürmer“, mal als Ansammlung „kryptobolschewistischer Henkersknechte“ bezeichnet. Anlass für die wüsten Reaktionen waren in der Vergangenheit meist Storys über die katholische Kirche, denn deren Wirken hinterließ in unserem Kulturkreis jahrhundertelang die kritikwürdigsten Spuren.

Vergangene Woche wiederholte sich die Geschichte – aber mit neuen Akteuren. Das profil-Cover über die Attentate von Paris zeigte ein Foto einer Anschlagsszene, dazu die Titelzeile: „Was den Islam gefährlich macht“. Es hagelte Empörung. In den sozialen Netzwerken wurde erwogen, profil wegen Paragraf 283 StGB (Verhetzung; Aufruf zu Gewalt gegen eine Kirche oder Religionsgesellschaft) anzuzeigen – profil habe Muslime und Attentäter gleichgesetzt.

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