Saudi-Arabien: Eine Anklage – Schluss mit lustig


Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier besichtigt die Altstadt von Dschidda, Saudi Arabien (Archivbild vom 13.10.2014). | © saudi-arabien
Da kippt was. Öffentliche Auspeitschungen und Enthauptungen, ein intoleranter und fanatischer Islam, Frauenunterdrückung, Lohnsklaverei, Terrorexport und Ölpreistrickserei: Wie lange eigentlich sollen die Saudis noch unsere Verbündeten sein?

Von Andrea Böhm, Michael Thumann und Bernd Ulrich|ZEIT ONLINE

Die Welt kann so furchtbar ungerecht sein. Da macht man einfach nur das, was man seit Jahrzehnten macht – und plötzlich regen sich alle auf. Und dann versteht man die Welt nicht mehr.

Am 11. Januar dieses Jahres lief Seine Exzellenz Dr. Nizar Bin Obaid Madani, seines Zeichens Vize-Außenminister von Saudi-Arabien, wie Dutzende andere Diplomaten und Staatschefs durch Paris. Auch er wollte seine Solidarität mit den ermordeten Zeichnern von Charlie Hebdo zum Ausdruck bringen, Pressefreiheit, da geht halt nichts drüber. Zwei Tage zuvor allerdings hatte man im heimischen Dschidda damit begonnen, den Blogger und Regimekritiker Raif Badawi auszupeitschen, die ersten fünfzig Schläge von tausend, nebst einer Gefängnisstrafe von zehn Jahren. Badawi hatte keine Mohammed-Karikaturen veröffentlicht, sondern nur Kritik am saudischen Regime geübt und ein wenig über die „Moralwächter“ gespottet. Dennoch wurde er zu einer zwanzigwöchigen, öffentlich zelebrierten Folter verurteilt. Vielleicht ein Todesurteil.

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