Ägypten: Arzt wegen Genitalverstümmelung verurteilt


Bild:kindernothilfe.at
Ein ägyptisches Berufungsgericht hat den Arzt Raslan H. Zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Zwei Jahre erhielt er wegen mittelbarer Tötung, drei Monate wegen Genitalverstümmelung. Außerdem befand das Gericht eine einjährige Klinikschließung für rechtens.


Von Peter Mühlbauer|TELEPOLIS

Anlass für den Strafprozess war der Tod der dreizehnjährigen Einser-Schülerin Suhair al-B., an der H. im Juni 2013 auf Wunsch des Vaters des Mädchens eine Beschneidung des Schambereichs durchgeführt haben soll, an der es später starb. Der Arzt behauptete, er habe das Mädchen nicht rituell beschnitten, sondern lediglich wegen Genitalwarzen behandelt. Dem schenkte das Berufungsgericht unter anderem deshalb keinen Glauben, weil H.s Klinik allgemein als Anbieter von Beschneidungen bekannt war. Der Vater von Suhair al-B. wurde vom Berufungsgericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Die erste Instanz hatte vorher beide Beschuldigte freigesprochen.

Genitalbeschneidung bei Frauen und Mädchen ist in Ägypten seit 2008 offiziell verboten. Weil dieser Brauch allerdings alles andere als ausgerottet ist und weil dafür bis gestern keine Ärzte verurteilt wurden, feiert Suad Abu-Dayyeh eine Sprecherin der Frauenrechtsgruppe Equality Now die (für eine schwere Körperverletzung mit Todesfolge eher gering anmutende) Strafe als „monumentalen Sieg“. Ihr zufolge hat das Land damit gezeigt, dass es das Mädchenbeschneidungsverbot auch durchsetzt – und sie hofft, dass das der Anfang vom endgültigen Ende dieser „extremen Form von Gewalt gegen Frauen“ sein wird.

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