Auschwitz: Gedenken von Enkel des Lagerkommandanten gestört


Würdige Gedenkfeier in Auschwitz mit Überlebenden und Würdenträgern zum 70. Jahrestag der Befreiung des Lagers durch sowjetische Soldaten Foto: Getty Images
70 Jahre danach: Die Welt gedenkt der Toten in Auschwitz. Es sollte vor allem eine würdige Feier der Überlebenden sein. Doch ein Enkel des KZ-Kommandanten Rudolf Höß stört die Trauerfeier.


Von Gerhard Gnauck|DIE WELT

Frühstück in Auschwitz. Ein paar Scheiben Tomate, ein paar Scheiben Gurke, Orangensaft, Kaffee. Zofia Posmysz, eine der Überlebenden des Lagers, mag diese Art zu frühstücken. „Ach, ich habe mein Medikament vergessen“, sagt sie, geht schnell auf ihr Zimmer und ist schon wieder da. 91 Jahre alt, aber nicht müde und gebeugt, im Gegenteil: rank und schlank und quicklebendig.

Die Schriftstellerin Posmysz lebt seit dem Krieg in Warschau, seit einem halben Jahrhundert in einer kleinen Wohnung am Rande der Altstadt. Aber sie ist oft und gern zu Gast in Auschwitz – wie heute. In dem Speisesaal der Internationalen Jugendbegegnungsstätte ist im Hintergrund eine lärmende deutsche Schulklasse zu hören. Eine pensionierte Lehrerin aus Mannheim ist als Einzelreisende gekommen, ebenso wie eine Schauspielerin vom „Amateurtheater Seniora“ aus Dresden. Daneben eine Gruppe Künstler aus New York. Deutsch ist, so könnte man sagen, die Amtssprache, gefolgt von amerikanischem Englisch. Es herrscht die Atmosphäre einer Jugendherberge, auch die Anlage, die schlicht eingerichteten Zimmer mit Nasszelle in zweistöckigen Häuschen erinnern daran.

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