Gegen die Zerrbilder des Glaubens: Mehr als eine Mahnwache


coexistReligiöse Bildung verringert die Gefahr von Terrorismus. Wir brauchen nicht weniger öffentliche Debatten über Religion, sondern mehr.


Von Markus Dröge|DER TAGESSPIEGEL

Nach dem Terrorakt in Paris standen die Vertreter dreier Religionen nebeneinander auf der Bühne am Brandenburger Tor: Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime, Abraham Lehrer vom Zentralrat der Juden, der katholische Weihbischof Matthias Heinrich und ich. Wir haben gezeigt: Alle drei monotheistischen Religionen distanzieren sich von jeglicher Funktionalisierung ihres Glaubens für Gewalt: „Nicht in unserem Namen“.

Wann wird eine Religion zum Segen? Wann zum Fluch? In Thora, Bibel und Koran finden sich gleichermaßen martialische Aufrufe, den eigenen Glauben mit Gewalt durchzusetzen.

Der verstorbene jüdische Theologe Pinchas Lapide hat es einmal so formuliert: „Man kann die Bibel ernst nehmen – oder wörtlich.“ Beides zusammen verträgt sich schlecht. Nur mit einem solchen aufgeklärten Verständnis einer Heiligen Schrift kann die lebensbejahende Kraft der Religion gefördert und der Dialog der Religionen ernsthaft gepflegt werden.

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