Islamischer Staat zeigt Elemente einer Popkultur


Bild: nationalreview.com
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Die Islamwissenschaftlerin Gudrun Krämer spricht im Interview über simple Interpretationen des Koran-Textes, gewaltnahe Popkultur und die Problematik eines „Umerziehungsprogramms“.


Von Michael Hesse|Frankfurter Rundschau

Frau Krämer, Abdelwahab Meddeb sprach von der Krankheit des Islam nach den Anschlägen 2001 in New York. Wie viel Gewalt steckt im Koran?
Meine wichtigste Botschaft lautet, dass der Koran, wie die heiligen Schriften anderer Religionen, kein einheitlicher, glatter Text ist, sondern dass er zu einzelnen Themen durchaus unterschiedliche und gelegentlich sogar widersprüchliche Aussagen macht. Man sollte daher nicht argumentieren, der Islam sei ausschließlich eine Religion des Friedens oder ausschließlich eine Religion der Gewalt, sondern darauf achten, welche Passagen herangezogen werden, um das eigene Handeln zu rechtfertigen. Gleiches gilt im Übrigen für die Prophetentradition und auch für die Verweise auf die islamische Geschichte.

Man sollte also nicht den Schluss ziehen, wenn ein Muslim Gewalt ausübt, dann handelt er so, weil der Koran ihm das vorschreibt?
Richtig. Stattdessen sollte man fragen, wie er bestimmte Aussagen im Koran interpretiert, damit sie seine, in diesem Fall gewalttätigen Handlungen legitimieren. Immer ist Koran-Exegese Auswahl, immer bedeutet sie Gewichtung, nie kann sie allen Aussagen gerecht werden, und das gilt für die friedfertige ebenso wie für die gewaltbetonte Koran-Lektüre.

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