Winston Churchill und die Erfindung des Iraks


Soldaten um 1916 in der irakischen Wüste | © Central Press/Getty Images
Aus der Konkursmasse des Osmanischen Reichs ging vor rund 100 Jahren auch der Krisenstaat im Zweistromland hervor. Maßgeblich daran beteiligt war der spätere britische Premier Winston Churchill.


Von Georg Brunold|ZEIT ONLINE

Der Irak war einmal weiter nichts als ein westiranisches Berggebiet zwischen den Städten Ghom und Kermanschah. „Irak, a province of Persia“, entnimmt man der 11. Ausgabe der Encyclopædia Britannica von 1910/11. Noch ahnt niemand, dass zehn Jahre später ein Staatsgebilde dieses Namens aus drei ganz ungleichen Provinzen des Osmanischen Reichs hervorgehen soll – und dies auf eine Art und Weise, die dem Land bis heute zusetzt und es nicht zur Ruhe kommen lässt.

Der Vielvölkerstaat, gegründet 1299 von Osman I. auf einem Gebiet, so groß wie die Schweiz, mit der Hauptstadt Bursa südlich des Marmarameers, erstreckt sich im Jahr vor dem Ersten Weltkrieg noch immer im Osten bis zur Golfküste Arabiens und im Süden bis hinunter nach Jemen. Am 29. Oktober 1914 läutet der Kriegseintritt Konstantinopels an der Seite der Mittelmächte Deutschland und Österreich seinen Untergang ein. Mit diesem Jahrhundertlapsus, eingeflüstert durch alte Ängste vor Russlands Expansionsbestrebungen in Richtung Südmeer, beginnt über dem Vorderen Orient die Moderne zu dämmern.

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