Unter Blasphemie-Verdacht: Der Mann am Kreuz will uns etwas sagen


Kriegsopfer oder Kriegstreiber? George Grosz zeichnete seinen Christus mit Gasmaske gleich mehrfach, bevor ihm 1928 der Prozess gemacht wurde
Kriegsopfer oder Kriegstreiber? George Grosz zeichnete seinen Christus mit Gasmaske gleich mehrfach, bevor ihm 1928 der Prozess gemacht wurde
Der Maler George Grosz hat in den zwanziger Jahren einen Jesus gezeichnet, an den sich ähnliche Fragen heften wie an die Mohammed-Karikaturen von „Charlie Hebdo“. Der Fall landete vor Gericht.


Von Ursula Scheer|Frankfurter Allgemeine

Als „Charlie Hebdo“ in seiner ersten Ausgabe nach dem Attentat titelte: „Tout est pardonné“, begann das Rätselraten der Kommentatoren. „Alles ist vergeben“ – wer sagt das eigentlich? Der weinende Prophet Mohammed, der unter diesen Worten zu sehen ist? In den Händen hält er ein Schild mit dem Slogan „Je suis Charlie“, den sich seit dem Tag, an dem Islamisten zwölf Mitarbeiter des Satireblatts töteten, zahllose Sympathisanten zu eigen gemacht haben. Oder sollte das bedeuten, Mohammed habe den Karikaturisten verziehen? Verzeihen die überlebenden Karikaturisten den Attentätern? Oder verzeihen sie Mohammed, nach dem Motto: Er kann ja nichts dafür, dass Mörder ihre Taten mit seiner Lehre legitimieren? Was war das also, eine Geste der Versöhnung oder abermals ein Affront gegen Muslime, also Blasphemie?

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