Atheist, Mönch und Großinquisitor: Dostojewski und sein Verständnis des Christentums


 Fjodor Michailowitsch Dostojewski
Fjodor Michailowitsch Dostojewski
Der russische Schriftsteller Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821-1881) fühlte sich besonders der Tradition des christlichen Mönchstums nahe, wie er es auch aus der orthodoxen Kirche seiner Heimat kannte. Die Zukunft des Christentums sah er nicht in kirchlichen Institutionen, sondern das Christentum war für ihn eine innere Haltung.


Von Manuel Gogos|Deutschlandfunk

Dostojewski war ins sibirische Ostrog deportiert worden. Auf dem Weg dorthin schenkt ihm eine politische Mitgefangene eine Bibel – er wird sie sein Leben bei sich führen.

In der Verbannung lebt Dostojewski unter Säufern, Wüstlingen und Mördern. Und nie zuvor ist er auch einfachen russischen Menschen so nahe gewesen.

Anfangs ist es die Hölle für ihn. Durch diese Begegnungen lernt er die Welt noch einmal ganz neu kennen. Und an einem Ostermorgen erinnert er sich an ein Ereignis seiner Kindheit.

Eugen Drewermann:

„Er erinnert sich an den Bauern Marai, ein Kindheitserlebnis, er ist voller Angst, gelaufen durch ein Sonnenblumenfeld, weil er gehört hat, dass ein Wolf käme, und er rennt um sein Leben in die Arme des Bauern Marai, und der mit seinen erdverschmierten Fingern, malt ein Kreuz auf die Stirn des kleinen Dostojewski.“

Dostojewski als christlicher Schriftsteller

Es ist dieses Erlebnis, das nach Eugen Drewermann als die eigentliche Geburtsstunde von Dostojewski als Schriftsteller bezeichnet werden muss, auch wenn er bereits vor seiner Zeit in der Verbannung publizistisch tätig gewesen war.

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