Katholiken gehen auf Distanz zum Papst

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Papst Franziskus irritiert mit einer Bemerkung über das Schlagen von Kindern. Deutsche Katholiken widersprechen ihm.


Von Friederike Haupt|Frankfurter Allgemeine

Nach der umstrittenen Äußerung von Papst Franziskus zur Kindererziehung distanzieren sich katholische Verbände in Deutschland von Gewalt gegen Kinder. Die Vorsitzende der Katholischen Elternschaft Deutschlands, Marie-Theres Kastner, sagte der F.A.S.: „Schlagen und jede andere körperliche Bestrafung ist kein Mittel der Wahl.“ Sie glaube auch nicht, dass man „würdevoll schlagen“ könne. Der Papst hatte am Mittwoch einen Vater als vorbildlich dargestellt, der seine Kinder schlage, aber nicht ins Gesicht, da dies ihre Würde verletze. Mit Blick darauf äußerte Kastner: „Der Papst muss nicht zu allen Dingen etwas sagen.“

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Freiheit hat ihren Preis

Der Alhambra-Palast in Andalusien ist ein Beispiel für den früheren muslimischen Einfluss in Südspanien. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0
Selbstkritik und göttlicher Auftrag: Der alte Konflikt zwischen Islam und Christentum darf nicht verniedlicht werden.


Von Ulrich Greiner|ZEIT ONLINE

Nachdem die Islamkritik lange Zeit mit dem Vorwurf der „Islamophobie“ belegt wurde, scheint sie neuerdings in Maßen erlaubt. Kurz nach dem Massaker in Paris hatte der Bundesinnenminister behauptet, der Terror habe mit dem Islam nichts zu tun. Eine Woche später, in einem Interview mit der FAZ, war die Kanzlerin etwas vorsichtiger: „Die Menschen fragen, wie man dem so oft gehörten Satz noch folgen kann, dass Mörder, die sich für ihre Taten auf den Islam berufen, nichts mit dem Islam zu tun haben sollen.“ Gleichwohl wiederholte sie die These des seinerzeitigen Bundespräsidenten, der Islam gehöre zu Deutschland – eine unglückliche Formulierung insofern, als die Deutschen muslimischen Glaubens selbstverständlich „zu Deutschland gehören“, der Islam jedoch als eine Religion, die nicht zwischen öffentlichem Recht und privatem Glauben unterscheidet, sicherlich nicht, jedenfalls noch nicht.

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Saudi-Arabien: Papp-König mit echten Händen

Saudi-Arabiens neuer König Salman bin Abdulasis. Foto: AFP
Saudi-Arabiens neuer König Salman hat seit der Amtsübernahme alle Hände voll zu tun hat. Damit ihm seine Untertanen trotzdem zur Amtsübernahme gratulieren können, haben sich die Saudis etwas ganz Besonderes einfallen lassen.


Berliner Zeitung

Saudi-Arabiens neuer König Salman bin Abdulasis ist ein geschäftiger Mann. Damit trotzdem jeder seiner Untertanen zur Amtsübernehme gratulieren kann, haben die Saudis einfach Pappfiguren mit dem Konterfei des Königs und seiner Führungsriege aufstellen lassen. Immerhin: Die zu schüttelnden Hände sind echt. Hinter den Papp-Figuren sitzen Hand-Doubles.

Bundesinnenminister De Maizière: „Missbrauch des Kirchenasyls“

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (dpa / picture-alliance / Bernd von Jutrczenka)
Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat seine Kritik am Kirchenasyl verstärkt und Vergleiche zur Scharia gezogen. Keine Institution könne ihr Recht über das deutsche Gesetz stellen, weder die christlichen Kirchen noch die Muslime, sagte er im DLF. Als Christ habe er jedoch Verständnis, wenn Kirchen in Einzelfällen Gnade vor Recht ergingen ließen.


Thomas de Maizière im Gespräch mit Gudula Geuther|Deutschlandfunk

Gudula Geuther: Herr de Maizière, Deutschland gedenkt des Altbundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Die meisten, die sich in diesen Tagen geäußert haben, haben besonders seine Rede vom 8. Mai 1985 hervorgehoben. Was ist für Sie das Prägendste, was er hinterlässt?

Thomas De Maizière: Richard von Weizsäcker war mein erster Chef nach Abschluss meiner Ausbildung. Da war meine erste Funktion Redenschreiber bei ihm, und deswegen habe ich jahrelang mit ihm zusammengearbeitet – bin dann nicht mit nach Bonn gegangen, weil ich mich in meine Frau verliebt hatte. Aber prägend war für mich seine unglaubliche Fähigkeit, sich auf Menschen einstellen zu können und sie in seinen Bann zu schlagen.

Geuther: Von Ihnen hört man ja häufig das Wort „Haltung“, wenn es drum geht, was Ihnen an Menschen wichtig ist. Richard von Weizsäcker war konservativ, aber mit eigenem Kopf. Er hat sich oft gegen seine und damit auch Ihre Partei gestellt, zum Beispiel in seiner Position zu den Ostverträgen der Brand-Scheel-Regierung Anfang der 70er-Jahre. Ist das auch, was Sie positiv mit „Haltung“ verbinden?

De Maizière: Ja, er war aber ein Konservativ-Liberaler. Er war ein großer liberaler Denker mit konservativer Grundhaltung und Benehmen – auch ein schönes Wort, was man häufig dann vielleicht noch mal verwenden sollte. Und es gibt auch so eine Haltung, die dann in, sagen wir mal, Sturheit umschlägt oder so. Das war bei ihm nicht der Fall, sondern es war schon dann eine Überzeugung, die er dann auch elegant und gekonnt vertreten hat. Aber er war nicht jemand, wie es auch manche gibt, die einfach aus Prinzip immer mal dagegen sind, sondern in ein, zwei Punkten hat er gesagt: „Hier müssen wir einen Schritt weiter gehen, als meine Partei das im Moment bereit ist zu tun.“

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Leben ist wertvoller als Würde

Kindeswohl

Ian Mc Ewan beschreibt in seinem neuen Roman Kindeswohl die Welt zwischen Recht, Gerechtigkeit und Richtigkeit


Von Andrea Schurian|derStandard.at

Glaube, Liebe, Hoffnung, Recht und Religion, kirchliche und staatliche Autorität, ethische Werte, menschliche Würde, die Grenzen von Macht und Medizin, Moral und Gesetz – es sind existenzielle Themen, die Ian McEwan in seinem jüngst auf deutsch erschienenen Roman Kindeswohl aufwirft. Fiona Maye, 59, kinderlos, ist Familienrichterin am High Court. Ihr Eheleben geht den Bach hinunter, und während sie das Ansinnen ihres Mannes Jack, sie möge seinen geplanten Seitensprung doch bitte als – zugegeben extravagantes – Eheaufputschmittel genehmigen, wortkarg abschmettert und mit dem Austauschen der Türschlösser quittiert, vermag sie ihre juristisch schwerwiegenden Entscheidungen zum Wohl des Kindes eloquent zu untermauern. Nur in Ausnahmefällen, so heißt es im Gesetz, nur wenn das seelische oder körperliche Kindeswohl gefährdet ist, darf der Staat in des Erziehungsrecht der Eltern eingreifen. Doch wann genau ist das? Schließlich wollen Väter und Mütter meist das Beste für ihre Kinder. Wann aber ist das Beste schlicht nicht gut?

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ARD-Reporter Fröhder geht auf ARD und Kollegen los

Logo des ARD-Hauptstadtstudios, Bild: wikimedia.org/PD
Ungeprüfte Fakten, handwerkliche Peinlichkeiten, Machtspielchen: ARD-Reporter Christoph Maria Fröhder greift seinen Arbeitgeber scharf an. Vor allem auf zwei Sendungen hat er es abgesehen.


DIE WELT

Es ist eine knallharte, wütende Abrechnung mit seinem Arbeitgeber, der ARD, mit Vorgesetzten und Kollegen.

Christoph Maria Fröhder (72), ARD-Journalist und Krisenreporter, attackiert in einem Interview mit dem „Spiegel“ die „Tagesschau“ und die „Tagesthemen“. „Das ist kein journalistisches Umfeld mehr für mich. Ich stoße da auf Leute, denen die Administration wichtiger ist als guter Journalismus“, sagt der Reporter. Und weiter: „Diese Strukturagenten ersticken den Journalismus.“

Im Gespräch mit dem Magazin kritisiert der Journalist vor allem die „Kleinstaaterei der einzelnen Anstalten“. „Oft genug musste ich den Korrespondenten vor Ort um Zustimmung fragen, ob ich sein Gebiet im Namen der ARD überhaupt betreten darf – und oft genug wurde mir die Zustimmung verweigert.“ Er habe gegen die Redaktionen, „gegen die ewigen Besitzstandswahrer“ ankämpfen müssen. Es gehe nicht um Journalismus oder Qualität, „es geht bloß um Macht“.

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Slowakei: Niederlage für Gegner von Homo-Ehe

Anton Chromik, Vertreter der katholischen „Allianz für die Familie“. / Bild: (c) APA/EPA/JAKUB GAVLAK (JAKUB GAVLAK)
Nur 21 Prozent nahmen an der Volksabstimmung gegen die Homo-Ehe und die Adoption durch Homosexuelle teil. Es hätte 50 Prozent gebraucht, damit das Referendum gültig gewesen wäre.


Die Presse.com

In der Slowakei haben die katholischen Gegner von Homosexuellen-Rechten am Samstag eine klare Referendumsniederlage hinnehmen müssen. Wie die Wahlkommission in der Nacht auf Sonntag mitteilte, nahmen nur 21,4 Prozent der Stimmberechtigten an der Volksabstimmung gegen die Homo-Ehe und die Adoption von Kindern durch Homosexuelle teil. Damit wurde das Quorum von 50 Prozent klar verfehlt.

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Kommunen müssen weiter Kirchturmkosten mittragen

Bild: tilly
Bild: tilly
Nach der VGH-Entscheidung musste die Kommune Gingen ein Drittel der Kosten zahlen, weil sie «mit der ortsbildprägenden Wirkung des Kirchturms für sich wirbt und den Kirchturm im Gemeindewappen führt».


kath.net

Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg müssen sich weiter an den Kosten für Kirchtürme, Kirchenuhren und Kirchenglocken beteiligen. Der baden-Württembergische Staatsgerichtshof bestätigt am Dienstag in Stuttgart ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofs (VGH). Die Richter entschieden auch, dass die vom VGH vorgenommene Kürzung des Anteils für Kommunen nicht der Landesverfassung widerspricht. Grundlage der Regelung ist das Württembergische Kirchengemeindegesetz von 1887. (1 VB 48/14)

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Religiöse Menschen sind nicht automatisch toleranter

In Templin in Brandenburg wirbt die „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland“ für seine „Nudelmesse“. Der Verein will mit der satirischen Aktion auf die… – Foto: pastafari.eu/dpa-Bildfunk
Religiöse Ungebundenheit führe zum Verfall ethischer Werte, ist immer wieder zu hören. Eine steile These, findet unser Gastautor, der Humanist Bruno Osuch. Er meint: Die Lage ist komplexer.


Von Bruno Osuch|DER TAGESSPIEGEL

Islamistischer Terror, Pegida-Demos und latenter bis offener Antisemitismus haben eine heftige Diskussion über die Frage ausgelöst, was man im Bereich kultureller und ethischer Bildung tun kann, um sich besser gegen diese in die Mitte der Gesellschaft drängenden Randerscheinungen zu wappnen. Dabei taucht immer wieder die These auf, dass religiöse Ungebundenheit zum Verfall ethischer Werte, zu Intoleranz und Vorurteilen führe. Andersherum hieße das, dass eine fundierte religiöse Bildung und Erziehung eine gute Grundlage für Toleranz und Respekt seien. Dies ist eine steile These, in der zudem eine gehörige Portion Überheblichkeit gegenüber Konfessionsfreien steckt.

Stellen wir sie dennoch einmal auf die Probe.

In den USA sind die meisten Intellektuellen säkular orientiert

Ein Großteil der Intellektuellen in den USA, der Wissenschaftler, Schriftsteller und Künstler ist eindeutig säkular beziehungsweise humanistisch orientiert. Ähnliches gilt auch für England oder Frankreich. Aber niemand käme auf die Idee, religiös unmusikalischen Menschen wie Philip Roth oder Jonathan Franzen, Audrey Tautou und John Cleese, Stephen Hawkins oder Jürgen Habermas mangelnde ethische Wertefestigkeit oder fehlende Toleranz oder Liberalität vorzuwerfen.

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Islamischer Geldtransfer: Milliardenströme ohne Kontrolle

Geldhändler in Kandahar: Szene aus Afghanistan im Jahr 2012 (Foto: REUTERS)
  • In muslimischen Ländern ist das Hawala-System sehr beliebt.
  • Das arabische Wort bedeutet so viel wie Wechsel oder Überweisung. Es ist eine rein auf Vertrauen basierende Art der Geldübermittlung.
  • Weil Kontrollen so gut wie unmöglich sind, nutzen auch Terroristen und Kriminelle das System.


Von Federico Varese|Süddeutsche.de

Wer zu den Terroranschlägen vom 7. Januar in Paris ermittelt, muss sich um eines kümmern: das Geld. Wie konnten die Terroristen Waffen kaufen, reisen und ihren Unterhalt bestreiten mit ihren armseligen Teilzeitjobs?

Das Geld, das den internationalen Terror befeuert, kommt nicht per Banküberweisung. Es reist in den Koffern von Unterstützern der Dschihadisten oder bewegt sich über ein informelles Transfersystem, das die Kontrollen der Zentralbanken umgeht. Ein wesentlicher Teil des Geldes für den islamistischen Terror läuft also nicht über das offizielle Bankwesen. Chérif Kouachi, der mit seinem Bruder bei Charlie Hebdo mordete, gab zu, dass er Geld von der Al-Qaida-Zelle in Jemen bekam. Ein Führer der Terrorgruppe bestätigte, er habe „die Operation finanziert“. Laut amerikanischen und britischen Ermittlerkreisen erhielten die Attentäter-Brüder zuletzt mindestens 20 000 Dollar.

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Kriegsverbrechen: Ermittlungen gegen deutsche IS-Dschihadisten

Bild: nationalreview.com
Bild: nationalreview.com
Deutsche begehen Gräueltaten im Namen des Islamischen Staats. Nun werden IS-Kämpfer nach ihrer Rückkehr womöglich wegen Kriegsverbrechen angeklagt. Auch Ex-Rapper Deso Dogg steht im Verdacht.


Von Florian Flade|DIE WELT

Der Angriff begann am Abend des 16. Juli 2014. Hunderte Kämpfer der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) attackierten das von syrischen Regierungstruppen bewachte Al-Shaer-Gasfeld in der Provinz Homs. Das Ergebnis des Überfalls dokumentieren die wackeligen, von Handkamera aufgezeichneten Videos, die IS-Dschihadisten später ins Internet stellten:

Zu sehen sind darin unzählige blutüberströmte Leichen von syrischen Soldaten und Mitarbeitern der Gas-Förderanlagen. Wie viele Menschen bei dem IS-Angriff ermordet wurden, ist bis heute unklar. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte spricht von bis zu 270 Toten.

Ein Video, das offenbar kurz nach dem Überfall entstand, zeigt einen deutschen IS-Terroristen, der über einem Berg von Leichen trohnt. „Wie ihr sehen könnt, haben wir diese Tiere geschlachtet“, prahlt der Dschihadist. „Wir haben gekämpft. Und Allah hat uns den Sieg gewährt!“

Der Mann, der sich mit der Ermordung wohl Hunderter Menschen brüstet, heißt Fared S., ist 25 Jahre alt und kommt aus Bonn. Er ist einer von rund 600 Islamisten aus Deutschland, die sich dem Islamischen Staat nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden angeschlossen haben.

Es sind unter anderem schockierende Aufzeichnungen wie jene, die derzeit für ein Umdenken in der deutschen Justiz sorgen. Nach Informationen der „Welt am Sonntag“ werden deutsche IS-Kämpfer nach ihrer Rückkehr womöglich wegen Kriegsverbrechen angeklagt.

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Spaniens Polizei: Bis zu 100.000 „Jihad-Touristen“ aus EU

Bild: APA/EPA/ICELANDIC COAST GUARD /
Bei der Rückkehr der Jihadisten werden Schleuserbanden in Anspruch genommen.


Die Presse.com

Die Zahl der Jihadisten aus der Europäischen Union (EU), die sich im irakisch-syrischen Kriegsgebiet Terrorgruppen angeschlossen haben, liegt nach einer Schätzung der spanischen Polizei mit 30.000 bis 100.000 weit höher als bisher vermutet.

Bei der Rückkehr der radikalen Islamisten nach Europa werde häufig die Hilfe von Schleuserbanden in Anspruch genommen, wie es in einer Studie der „Policia Nacional“ heißt, die am Samstag in Auszügen von der Zeitung „El Pais“ veröffentlicht wurde.

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Papst will mehr Raum für Frauen in der Kirche

Lilith.
Lilith.
Frauen sollen nach Ansicht von Papst Franziskus eine größere Rolle in der Kirche spielen. Dies betreffe sowohl die pastorale Arbeit als auch die theologische Reflexion.

kath.net

Frauen sollen nach Ansicht von Papst Franziskus eine größere Rolle in der Kirche spielen. Dies betreffe sowohl die pastorale Arbeit als auch die theologische Reflexion, sagte er am Samstag im Vatikan vor der Vollversammlung des päpstlichen Kulturrats. «Ich bin von der Notwendigkeit überzeugt, Frauen mehr Raum in der Kirche zu bieten», so Franziskus wörtlich. Er äußerte sich zum Abschluss einer Tagung des päpstlichen Rates zu dem Thema: «Die Kultur der Frau – Gleichheit und Unterschied».

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„Wir werden gewaltige Ungleichheiten erleben“

Yuval Harari lehrt an der Universität Jerusalem. Sein Buch „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ erschien 2013 als Hardcover auf deutsch und kommt im Februar 2015 als Taschenbuch-Ausgabe. (Foto: Verlag)
Leben wir bald in einer Welt, in der reiche Menschen sich mit Hilfe moderner Medizin unsterblich machen und Maschinen den Großteil der Bevölkerung ohne Job und Aufgabe zurücklassen? Der israelische Universalhistoriker Yuval Harari behauptet das. Ein Gespräch.


Von Johannes Kuhn|Süddeutsche.de

Der israelische Universalhistoriker Yuval Harari scheut keine großen Themen: In seinem Buch „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ schrieb er über den Werdegang des Homo Sapiens von der Frühzeit bis in die Gegenwart. Es hielt sich drei Jahre lang in der israelischen Sachbuch-Bestsellerliste und wurde in 38 Sprachen übersetzt. In wenigen Monaten erscheint sein neues Werk, zunächst auf Hebräisch. Darin wirft er einen Blick in die Zukunft, in der Menschen mit Technologie verschmelzen, um sich unsterblich zu machen. Ein Gespräch über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unserer Spezies.

Süddeutsche.de: Sie haben in ihrem Buch „Sapiens“ die Geschichte der Menschheit von den Anfängen bis heute nachgezeichnet. Wo stehen wir heute, im Jahr 2015?

Yuval Harari: Es ist zum ersten Mal fast unmöglich zu sagen, wie die Welt in 30 Jahren aussehen wird. Wenn im Laufe der Geschichte ein Zehnjähriger gefragt hat, in welcher Welt er mit 40 leben wird, konnten ihm seine Eltern ihm eine ziemlich gute Prognose geben. Natürlich könnte immer ein neuer König kommen, ein Krieg ausbrechen – aber die sozialen Umstände, die Familienstruktur, die Wirtschaft, war über solche Zeiträume immer recht stabil. Jetzt blicken wir 30 Jahre nach vorne und niemand weiß irgendwas. Das Einzige, was wir dem Zehnjährigen sagen können, ist: Die Welt wird komplett anders sein.

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„Ehrenmorde sind nur die Spitze des Eisbergs“

Gedenkstein In der Oberlandstraße in Tempelhof wird an Hatun Sürücü erinnert, dpa
Vor genau zehn Jahren wurde die Deutsch-Kurdin Hatun Sürücü in Tempelhof von ihrem Bruder erschossen. Der Psychologe Ahmad Mansour berät das Landeskriminalamt in Fällen sogenannter „Ehrenmorde“.


Von Ulrich Kraetzer|Berliner Morgenpost

Der Mord an Hatun Sürücü hatte eine Debatte über Integration und Parallelgesellschaften ausgelöst. Es wurden Projekte gegründet, die sich den Ursachen widmen und Präventionsarbeit machen sollten. Eines ist das Projekt „Heroes“ (Helden). Der Psychologe Ahmad Mansour ist dort Gruppenleiter. Außerdem berät der in Israel geborene Araber das Berliner Landeskriminalamt in Fällen, in denen es um Gewalt im Namen der Ehre geht. Mit der Berliner Morgenpost sprach er über die Ursachen für sogenannte „Ehrenmorde“, seine Arbeit bei „Heroes“ und die Frage, was Gewalt und Unterdrückung von Frauen mit dem Islam zu tun haben.

Berliner Morgenpost: Wie haben Sie den Tod von Hatun Sürücü wahrgenommen?

Ahmad Mansour: Es war ein Schock. Ich war damals erst etwa ein Jahr in Deutschland und hatte schon gesehen, dass es in manchen Familien patriarchale Strukturen gibt, die solche Taten begünstigen. Ich kannte das aus Palästina und wollte es hinter mir lassen. In Berlin habe ich es aber manchmal sogar in einer noch radikaleren Form wieder erlebt. Diese Erlebnisse und auch der Mord an Hatun Sürücü haben mich motiviert, in diesem Bereich zu arbeiten.

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Dodo des Monats Januar 2015: Festkomitee Kölner Karneval

Dodo des Monats Januar 2015
Dodo des Monats Januar 2015


FestkomiteeDem französischen Satiremagazin Charlie Hebdo muss man eines zugutehalten, die Konsequenz in Sachen Religionskritik. Niemand wurde vergessen und niemand verschont. Solche Satire ist ehrlich und wird von den Lesern auch anerkannt. Der Terroranschlag auf die Redaktion, die Opfer;  ließen viele spontan Solidarität bekunden.
Das Festkomitee des Kölner Karnevals ließ es sich nicht nehmen, aus solidarischen Beweggründen heraus einen Charlie Hebdo-Persiflage-Wagen, für den Rosenmontags-Zug, zu organisieren. Entwürfe für den Wagen wurden erstellt und man ließ im Internet abstimmen. Ganz großes Kino.

(Foto: Festkomitee Kölner Karneval)
(Foto: Festkomitee Kölner Karneval)

Keine Mohammed Darstellung, eigentlich nichts, was den Islam satirisch „herabwürdigen“ würde. Ein Terrorist, dem die Knarre mittels Zeichenstift aufgespleißt wird.
Nach dem großen Kino, der fragwürdige Rückzug. Vielleicht störten den Kölner Katholizismus die durchaus heftigen Karikaturen, die römische Spukgestalt und seine Kirche betreffend. Wir wissen es nicht und wir werden es wohl auch nicht erfahren.

In der Stellungnahme des Festkomitee-Präsidenten Markus Ritterbach liest sich das wie folgt:

„Als Festkomitee des Kölner Karnevals tragen wir und vor allem ich persönlich die Verantwortung, die Geschicke des Kölner Karnevals und damit auch die grundsätzlichen Entscheidungen zum Kölner Rosenmontagszug umzusetzen. Mit der Entscheidung, den „Charlie-Hebdo-Wagen“ zurückzuziehen, haben wir es uns wirklich nicht leicht gemacht.
Ganz sicher ist in der Vorbereitung des Persiflagewagens zur Meinungsfreiheit von uns nicht alles richtig gemacht worden. Doch die Situation ist sehr komplex. Vielleicht hätten wir auf die absolut öffentliche und transparente Abstimmung des Motivs verzichten sollen. Doch anders als in anderen Regionen legen wir Wert auf die Anregung der Diskussion, die unsere Persiflage-Entwürfe in der Öffentlichkeit auslösen. Diesen Bogen haben wir in der Öffentlichkeit vielleicht überspannt.

Unsere geradlinige Haltung zur Meinungsfreiheit hat sich nicht geändert. Sie ist die Basis der Narrenfreiheit des Karnevalisten. Doch Meinungsfreiheit bedeutet auch, dass sich eine Meinung oder eine Haltung ändern kann, wenn sich Rahmenbedingungen ändern.

Gut katholischer Euphemismus pur. So reden sich Pfaffen aus der Affaire. Die Meinungsfreiheit wird betont, wie dumm muss man sein, solches auch noch zu äußern, und abgeschafft.
Düsseldorfer Alt soll Mundfäule verursachen, Kölsch scheint das Gehirn zu reduzieren, auf alle Fälle aber den Charakter. Es ist einfacher Bunga-Bunga Titten-bandend durch die Straßen zu ziehen als konkret für ein Genre, nämlich die Satire, einzutreten. Statt aller Welt zu zeigen, wir lassen unsere Rechte nicht einschränken, zieht man den karnevalistischen Schwanz ein und steckt tief im Arsch des Islamismus. Dort kann man nicht mehr leuchten, egal welche schönen Worte bemüht werden. Die Unehrlichkeit des Rosenmontagzugs in Köln wird für die Zukunft festgeschrieben und bewiesen, nämlich dann, wenn man sich über religiöse Themen, gut christlich natürlich, auslässt. Unter welchen Prämissen will denn das Festkomitee zukünftig religionskritisch in Erscheinung treten, ohne sich den Vorwurf der Bigotterie, des Arschkriechens und der Charakterlosigkeit auszusetzen?

Nach Aussagen der Polizei gab es keine Hinweise auf eine mögliche Gefährdung. Einzelheiten wollte man nicht bekanntgeben, verständlich. Die Polizei war bereit den Wagen mit getarnten Spezialkräften zu begleiten.

Vorauseilender Gehorsam, grund-und vor allem planlos.

Bild: Heiko Sakurai
Bild: Heiko Sakurai

Zum Abschluss ein kräftiges Kölle Allah, herzlichen Glückwunsch zum Dodo, und die Narrenkappen von anhaftender Scheiße befreien, macht sich besser.

Herzog: Netanyahu must cancel his speech to Congress

Screengrab Times of Israel
Screengrab Times of Israel
Labor leader warns PM ‘throwing Israel’s security under the bus‘; Jewish Republicans threaten to ‘shame’ politicians who boycott address


By Itamar Sharon and AP|The Times of Israel

Political bickering over Prime Minister Benjamin Netanyahu’s planned speech to the two houses of Congress on March 3 continued on Saturday, both in Israel and the United States.

In Israel, Netanyahu’s chief rival in the March 17 general elections, Labor chief and Zionist Camp leader Isaac Herzog, said the premier must cancel his trip to the US due to the antagonism his address — which was coordinated with House Majority Leader John Boehner without involving the White House — has caused in Washington.

“The time has come when Bibi (Netanyahu) must announce the cancellation of his visit to Congress,” Herzog said in a speech at an international security conference in Munich. “In conversations I’ve held with many European and US leaders, it is clear there is great anger over Netanyahu diverting the discussion on Iran’s nuclear program for political gain, and turning it into a confrontation with the president of the United States.”

“This speech that was born in sin, as an electioneering ‘production,’ endangers the security of Israel’s citizens and the special relationship between Israel and the US,” Herzog charged.

“With all due respect to Bibi’s campaign, this is the moment when you must act as an Israeli patriot and not throw Israeli security under the bus.”

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“Zionistisches” Urteil in Essen, ein rechtsstaatliches dagegen in Wuppertal

welthumanistentag

Wenn Palästinenser oder Muslime vor deutschen Gerichten angeklagt werden, hängt das Urteil oft vom Einfluss gewisser Lobbyisten ab. Die Amtsrichterin in Essen hat mit ihrem Urteil gegen Taylan C. zu Beginn des Jahres 2015 mitnichten bewiesen, dass sie Zivilcourage Courage besitzt, sondern lediglich, dass sie von der zionistischen Propaganda solcher Zionisten wie Nathan Gelbart vermutlich beeinflusst wurde und offensichtlich einer massive Gehirnwäsche unterzogen worden ist.


Von Abi Melzer|DER SEMIT

Zu behaupten, dass “Zionist” nur ein Codewort für “Jude” sei, wie im Urteil behauptet und wie es auf Wikipedia vorgegeben zu lesen ist, zeigt, wie weit die Unabhängigkeit der Justiz in Deutschland in Sachen von Gräueltaten der israelischen Besatzungsmacht schon erodiert ist, wenn es gegen Muslime geht. Der Anwalt des Beschuldigten sollte schon aufgrund dieser Tatsache Einspruch gegen dieses Urteil einlegen.  

Dass Zionismus ein Synonym für Judaismus sei, ist so absurd wie dumm. Solche Theorien und Thesen kann man heute im Internet bei der manipulierten Website Wikipedia und anderen fragwürdigen zionistischen Blogs finden. Die rechtsextreme israelische Regierung hat über 10 000 Personen engagiert, die das Internet manipulieren und sich auf Blogs tummeln sollen, um die zionistische Sichtweise zu verbreiten. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass irgend ein Verschwörungstheoretiker, ein fanatischer Zionist oder ein gläubiger jüdischer Siedler, dieser naiven und offensichtlich weltfremden und überforderten Richterin diesen Unsinn ins Ohr geflüstert hat, oder ihr sogar ins Urteil “diktiert” haben könnte.

Es gibt Millionen Juden, die keine Zionisten sind, und es gibt Millionen Zionisten, die keine Juden sind. Mehr braucht man dazu nicht sagen. Aber dies scheint deutsche Juristengehirne zu überfordern. Man macht es sich bequem und schreibt bei Wikipedia ab oder lässt es sich von der zionistischen Lobby ins Urteil schreiben, um keinen “neuen” Antisemitismus-Skandal zu riskieren. Der Zionist Gelbart sagt in seinem Pamphlet selber: Im deutschen Strafprozessrecht ticken die Uhren anders als in der Antisemitismus-Forschung. Was dort evident sein mag, muss hingegen im Prozess dem Angeklagten nachgewiesen werden. Taylan C. hatte sich vor dem Amtsgericht dahingehend eingelassen, er hasse zwar “Zionisten”, habe aber nichts gegen “Juden”. Damit könnte er vor einem formalistisch argumentierenden Gericht Erfolg haben; aber nicht in Deutschland, könnte man hinzufügen. Es scheint, als habe ein Palästinenser oder Muslim in einem Rechtsstreit, in dem es nur um einen Protest oder Demonstration gegen Israel und seine Verbrechenspolitik geht, keine Chance.

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Was Obama right about the Crusades and Islamic extremism?

us_flagge_bibel_kreuzThe conservative Twitterverse is all riled up because at Thursday’s (Feb. 5) National Prayer Breakfast (an event founded and run by the secretive Christian organization known as The Fellowship), President Obama said that Christians, as well as Muslims, have at times committed atrocities. His words:


By Jay Michaelson|The Washington Post

“Humanity has been grappling with these questions throughout human history. And lest we get on our high horse and think this is unique to some other place, remember that during the Crusades and the Inquisition, people committed terrible deeds in the name of Christ. In our home country, slavery and Jim Crow all too often was justified in the name of Christ.”

This would seem to be Religious History 101, but it was nonetheless met with shock and awe.

“Hey, American Christians_Obama just threw you under the bus in order to defend Islam,” wrote shock jock Michael Graham. Rep. Marlin Stutzman, R-Ind., called the comments “dangerously irresponsible.” The Catholic League’s Bill Donohue said: “Obama’s ignorance is astounding and his comparison is pernicious. The Crusades were a defensive Christian reaction against Muslim madmen of the Middle Ages.”

More thoughtfully, Russell Moore, president of the Southern Baptist Ethics and Religious Liberty Commission, called Obama’s comments about Christianity “an unfortunate attempt at a wrongheaded moral comparison. … The evil actions that he mentioned were clearly outside the moral parameters of Christianity itself and were met with overwhelming moral opposition from Christians.”

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