Leben ist wertvoller als Würde


Kindeswohl

Ian Mc Ewan beschreibt in seinem neuen Roman Kindeswohl die Welt zwischen Recht, Gerechtigkeit und Richtigkeit


Von Andrea Schurian|derStandard.at

Glaube, Liebe, Hoffnung, Recht und Religion, kirchliche und staatliche Autorität, ethische Werte, menschliche Würde, die Grenzen von Macht und Medizin, Moral und Gesetz – es sind existenzielle Themen, die Ian McEwan in seinem jüngst auf deutsch erschienenen Roman Kindeswohl aufwirft. Fiona Maye, 59, kinderlos, ist Familienrichterin am High Court. Ihr Eheleben geht den Bach hinunter, und während sie das Ansinnen ihres Mannes Jack, sie möge seinen geplanten Seitensprung doch bitte als – zugegeben extravagantes – Eheaufputschmittel genehmigen, wortkarg abschmettert und mit dem Austauschen der Türschlösser quittiert, vermag sie ihre juristisch schwerwiegenden Entscheidungen zum Wohl des Kindes eloquent zu untermauern. Nur in Ausnahmefällen, so heißt es im Gesetz, nur wenn das seelische oder körperliche Kindeswohl gefährdet ist, darf der Staat in des Erziehungsrecht der Eltern eingreifen. Doch wann genau ist das? Schließlich wollen Väter und Mütter meist das Beste für ihre Kinder. Wann aber ist das Beste schlicht nicht gut?

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