Vom Schwulen-Aktivist zum Pastor

James Franco (l.) und Zachary Quinto als schwules Paar im Film „I am Michael“ Foto: Cara Howe
Michael Glatze gründete sein eigenes Schwulenmagazin und lebte zehn Jahre mit einem Mann zusammen. Dann wurde er Christ und heiratete eine Frau. Die Berlinale hat nun einen Film über seine Lebenswende gezeigt.


Von Anna Lutz|pro Medienmagazin

Über zehn Jahre lang hat Michael Glatze jungen Männern dabei geholfen, als Schwule selbstbewusst ihren Lebensweg zu gehen. Zehn Jahre lang teilte er selbst Wohnung und Bett mit einem Mann. Er war Chefredakteur eines Homosexuellen-Magazins in San Francisco, bevor er seine eigene Redaktion gründete und sich so für die Rechte der LSBT-Gemeinschaft einsetze.

Heute lebt Glatze in Colorado, ist mit einer Frau verheiratet und hat seine eigene Kirchengemeinde gegründet. Seine ehemaligen Mitstreiter werfen ihm vor, er säe Hass gegen Homosexuelle. Schwul zu sein, bezeichnet er heute als „abnormal“, „schädlich“ und „sündhaft“. Der Film „I am Michael“, gedreht vom selbst schwulen Regisseur Justin Kelly, erzählt Glatzes Geschichte.

weiterlesen

Plastik-Luther von Playmobil nach 72 Stunden ausverkauft

Bild: mdr.de
Bild: mdr.de
Reformation im Kinderzimmer. Playmobil hat den Wittenberger Mönch seit Freitag als Spielfigur in seinem Programm. Sie war innerhalb von 72 Stunden ausverkauft.


Frankfurter Allgemeine

Martin Luther schlägt alle Rekorde: Die Playmobil-Figur, die für das Reformationsjubiläum 2017 werben soll, ist vergriffen. Die 7,5 Zentimeter kleine Figur war bereits nach 72 Stunden ausverkauft, wie der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Nürnberger Congress- und Tourismuszentrale, Wolfram Zilk, am Mittwoch dem epd bestätigte. Der Playmobil-Luther war am Freitag offiziell vorgestellt worden. Am Montag war er schon nicht mehr zu haben. Der Playmobil-Luther ist in einer Auflage von 34.000 Stück hergestellt worden.

weiterlesen

Das Cannabis-Eigenanbau-Verhinderungsgesetz

Bild: wikimedia.org/CC-BY-3.0
In den letzten 15 Jahren gab es bei den Verbesserungen beim Zugang zu Cannabis für medizinische Zwecke eine Konstante. Alle Bundesregierungen haben nur das umgesetzt, was unvermeidbar war.


Von Dr. Franjo Grotenhermen|The Huffington Post

2007 erhielt erstmals eine Patientin eine Ausnahmeerlaubnis zur Verwendung von Cannabis, weil die Bundesregierung durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts dazu gezwungen worden war. 2011 wurde Sativex für die Behandlung der mittelschweren bis schweren Spastik bei Erwachsenen mit multipler Sklerose, die auf andere Medikamente nicht ausreichend ansprechen, zugelassen, weil es schwer vermittelbar gewesen wäre, den Zulassungsantrag abzulehnen.

Auch diesmal plant die Bundesregierung, nur das umzusetzen, was aus ihrer Sicht unvermeidbar ist – und versucht erneut, einen weiteren, von den Patienten hart erkämpften Schritt in die richtige Richtung als einen großen Wurf der Politik zu verkaufen.

Die Angst vor dem Eigenanbau bringt die Bundesregierung in Zugzwang

Die Bundesregierung möchte den Zugang zu Cannabis als Medizin erleichtern, sagt die Bundesregierung. Die genauen Pläne sind bisher nicht bekannt. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) stellte bereits in seinem Interview mit Der Welt klar, dass die Regelung nur für „schwerkranke Menschen, denen nur durch Medizinhanf geholfen werden kann“ gilt.

weiterlesen

„Auch im Journalismus gibt es Herrschende und Beherrschte“

Bild: wikimedia.org/CC-2.5/MarkusAngermeier
Bild: wikimedia.org/CC-2.5/MarkusAngermeier
Welchen Nutzen hat die Arbeit des 2002 verstorbenen französischen Soziologen Pierre Bourdieu für die Kommunikationswissenschaft? Thomas Wiedemann vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität in München, erklärt im Telepolis-Interview, warum sich die Soziologie Bourdieus gut zur Erforschung der Medien eignet und zeigt auf, was es bei der Dekonstruierung des journalistischen Feldes zu beachten gilt. Pierre Bourdieu, der als Vertreter einer offensiven Soziologie bekannt wurde und seine Disziplin als eine Art Kampfsport betrachtete, der es erlaubt, gegen die verborgenen Mechanismen der Macht vorzugehen, hat auch die Medien, insbesondere das Fernsehen, einer kritischen Betrachtung unterzogen.


Von Marcus Klöckner|TELEPOLIS

Herr Wiedemann, in einem Aufsatz haben Sie geschrieben, dass es eine Ausdehnung des journalistischen Feldes gibt. Was meinen Sie damit?

Thomas Wiedemann: Das Internet hat eine Fülle neuer Publikationsmöglichkeiten eröffnet und dazu geführt, dass der einseitige Kommunikationsfluss vom Journalisten zum Rezipienten zumindest teilweise der Vergangenheit angehört. An die Stelle des passiven Nachrichtenkonsumenten ist ein transnationaler und vernetzter Akteur getreten, der sich selbst beteiligt und den etablierten Journalismus mit nicht institutionalisierten Massenmedien und neuen Produktformen wie etwa Blogs herausfordert.

Was genau bedeutet das für die traditionelle Medien?

Thomas Wiedemann: Lassen wir die Umwälzungen auf dem Anzeigenmarkt einmal beiseite und beschränken uns auf den Output: Ob bei der überregionalen Presse oder im Boulevard – überall ist die Auseinandersetzung mit der neuen Konkurrenz zu spüren, überall werden journalistische Regeln neu ausgehandelt, und das schlägt sich dann auf die Inhalte nieder. Eine ähnliche Entwicklung gab es auch schon Mitte der 1980er Jahre, als mit der Einführung des privaten Rundfunks ein neuer Journalismus aus der Taufe gehoben wurde. Das Gleiche erleben wir in noch stärkerem Ausmaß auch heute, mit einer Potenzierung von Medienakteuren im Kampf um Aufmerksamkeit. Und das wirkt sich natürlich auf die klassischen Funktionen der Medien im Meinungs- und Willensbildungsprozess aus.

weiterlesen

Bremen: Olaf Latzel, Abtreibungen und der Holocaust

Pastor Latzel fühlt sich missverstanden. Foto: dpa
Die Affäre um den strenggläubigen evangelischen Pastor Olaf Latzel, der in einer Predigt andere Glaubensrichtungen beschimpft hatte, weitet sich aus: Nach Darstellung von Eltern soll der Bremer bereits vor Jahren auf einem Kindergartenfest Abtreibung als Mord hingestellt haben.


Von Eckhard Stengel|Frankfurter Rundschau

Publik wurde der frühere Vorfall durch einen Leserbrief, den ein Vater jetzt in der Bremen-Ausgabe der „tageszeitung“ (taz) veröffentlichte. Auf Nachfrage der FR sagte der 49-jährige Physikprofessor, bei einem Kindergartenfest einer christlichen Elterninitiative habe Latzel über Abtreibung gesprochen, und zwar in dem Sinne, dass es sich dabei um Mord handele. Die rund 50 Kinder hätten diese Aussage nachsprechen sollen, damit auch ihre anwesenden Eltern es noch einmal aus ihrem Mund zu hören bekämen.

Die Mutter eines anderen Kindes bestätigte diesen Vorwurf weitgehend. Sie könne zwar nicht beschwören, dass Latzel das Wort „Mord“ verwendet habe, sagte die 47-jährige Beamtin aus der Bremer Senatsverwaltung zur FR – „aber etwas in der Art“. Mehrfach habe er die Kinder aufgefordert, dies wie eine Art Refrain zu wiederholen.

Der Pastor selbst sagte der FR, er habe vor den Eltern und Kindern davon gesprochen, „dass Abtreibung nicht in Ordnung ist“. Er lasse auch gerne Kinder etwas nachsprechen, aber er schließe aus, dass die Kleinen damals Aussagen zur Abtreibung wiederholen sollten.

weiterlesen

Moderne und Aberglaube: Die Dummheit blüht

UFO
UFO
Wir leben in einer aufgeklärten Welt und sind begeistert von den Möglichkeiten moderner Technologie. Doch gleichzeitig wächst der irrationale Glaube an weltumspannende konspirative Kräfte. Woher rührt diese Entwicklung?


Von Jürgen Kaube|Frankfurter Allgemeine

Die Geschichte der Welt, in der wir leben, wird gern als Fortschrittsgeschichte erzählt. Das Neue an der Neuzeit war so gesehen eine weite Gesellschaftsbereiche erfassende Rationalität. Staatliches Gewaltmonopol, industrialisierte Wirtschaft, Fachbeamtentum, allgemeine Schulbildung, wissenschaftlich kontrollierter Erkenntnisgewinn und so weiter – die Liste der modernen Errungenschaften ist lang.

Die Liste der enttäuschten Fortschrittserwartungen auch. Vor allem das zwanzigste Jahrhundert bot mit seinen Varianten vollelektrifizierter Barbarei Anlass, von einer „Dialektik der Aufklärung“ zu sprechen. Gemeint war, dass Technik und spezialisiertes Wissen nicht nur vom Naturzwang befreien. Sie sind genauso verlässliche Mittel zur Durchsetzung von Ideologien. Ja, in ihren Idealen der Berechenbarkeit und Kontrolle von Natur und Gesellschaft, so die Diagnose, stecke bereits der Umschlag ins Irrationale. Berechenbarkeit und Technisierung der Mittel sagen noch nichts über die Vernunft der Zwecke. Das Mobiltelefon und die Drohnentechnik dienen auch Leuten, denen als Ideal eine Gesellschaft vorschwebt, die solche Technologien nie hervorgebracht hätte.

weiterlesen

Vermutlich mehr als 300 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken

Brand auf einem Flüchtlingsschiff vor den Küsten Europas © Szene aus "Report Mainz"
Brand auf einem Flüchtlingsschiff vor den Küsten Europas © Szene aus „Report Mainz“
Bei der jüngsten Flüchtlingstragödie im Mittelmeer sind vermutlich mehr als 300 Menschen ums Leben gekommen.


evangelisch.de

Überlebende berichteten nach Angaben des UN-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) vom Mittwoch von Hunderten Vermissten, deren Schlauchboote bereits am Montag bei hohem Wellengang gekentert seien. Insgesamt vier Boote sollen am Samstag gemeinsam von der libyschen Küste gestartet sein.

Die italienische Küstenwache hatte zu Wochenbeginn aufgrund eines Hilferufs per Satellitentelefon zunächst nur ein Boot entdeckt. 29 Flüchtlinge darauf waren bereits vor Eintreffen der Rettungskräfte erfroren oder starben beim Transport nach Lampedusa an Unterkühlung.

weiterlesen

Saudi-Arabien: Der männlichen Dummheit eine Gasse

Ein saudi-arabischer Historiker hat versucht, das Autofahr-Verbot für Frauen in seiner Heimat zu rechtfertigen. Seine Argumentation ist ebenso abenteuerlich wie menschenverachtend.


Von Ed Mazza|The Huffington Post

Laut einer Übersetzung sagte Saleh al-Saadoon in einem TV-Interview mit „Rotana Khalijiyya TV“: Wenn ein Auto liegenbleibe, könnten Frauen vergewaltigt werden. Anders als andere Staaten schütze Saudi-Arabien seine Frauen vor diesem Risiko, indem es ihnen verbiete, Auto zu fahren.

Frauen aus dem Westen ist eine Vergewaltigung angeblich egal

Frauen in anderen Staaten wie den USA würde es nichts ausmachen, vergewaltigt zu werden. Die Moderatorin geht dazwischen. „Moment. Wer hat Ihnen gesagt, dass es den Frauen nichts ausmache, am Straßenrand vergewaltigt zu werden?“, fragte sie.

weiterlesen

Germanische Neue Medizin: Rohkost statt Insulin – Kind tot

Bild: psiram
Bild: psiram
Obskure Heilslehre: Ein Ehepaar aus der Rechtsradikalenszene soll versucht haben, seine zuckerkranke Tochter vom Insulin zu entwöhnen. Die Vierjährige starb. Jetzt stehen die Eltern vor Gericht.


DIE WELT

Musste ein kleines Mädchen sterben, weil ihre Eltern an die Heilsvorstellungen der „Germanischen Neuen Medizin“ glaubten? Diesen Vorwurf untersucht derzeit das Landgericht Hannover. Angeklagt sind der 32-jährige Baldur B. und seine vier Jahre jüngere Frau Antje. Die beiden werden beschuldigt, ihrer kleinen Tochter Sieghild absichtlich das Insulin verweigert zu haben. Der Prozess wird neu aufgerollt, nachdem ein neuer Zeuge aufgetaucht ist.

Laut Anklage sollen die Eltern ab Juni 2009 bewusst und gewollt die Insulindosis ihrer Tochter reduziert haben, weil sie an die Heilsvorstellungen der „Germanischen Neuen Medizin“ glaubten. Dahinter steht der mehrfach verurteilte ehemalige Arzt Ryke Geerd Hamer, mit dem die Mutter in Kontakt stand. Hamers alternative Heilmethoden gelten als gefährlich und antisemitisch. Er war schon vor 20 Jahren wegen umstrittener Heilmethoden für Krebspatienten in die Schlagzeilen geraten.

weiterlesen

Jüdische Wissenschaftler kritisieren Expertenkreis Antisemitismus

Bild: brightsblog
Bild: brightsblog
Gründung alternativer Kommission angekündigt


DIE WELT

Jüdische Wissenschaftler und weitere Experten haben die Zusammensetzung des Expertenkreises Antisemitismus beim Bundesinnenministerium kritisiert. In einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung wurde zugleich die Bildung einer alternativen Expertenkommission angekündigt. Die Wissenschaftler bemängelten in dem Text vor allem, dass keiner der vom Bundesinnenministerium benannten Experten jüdischer Herkunft sei.

Darf man Jesus den Kopf abbeissen?

Eine Confiserie in New York verkauft kleine Schokolade-Figuren mit religiösen Formen. Diese Figur des Elefantengottes Ganesh war Anfang Februar 2015 einer Hindu-Gemeinde in den USA zu weit gegangen. Für Prediger Rajan Zed ist dies «eine Beleidigung für alle Hindus.» Bild: bondstchocolate.com/divine_collection
Eine Confiserie in New York verkauft religiöse Schoggi-Figuren – und löst damit eine hitzige Debatte aus.


20min online

Ein kleiner Laden in New York verkauft seit fünf Jahren religiöse Figuren aus Schokolade. «Bond Street Chocolate» bietet im Sortiment essbare Skulpturen von Jesus Christus, der Jungfrau von Guadalupe, Buddha, Moses und der hinduistischen Gottheit Ganesh, dem Gott mit dem Elefantenkopf.

Bis jetzt lief alles ganz gut, doch vor einigen Tagen meldete sich der Hindu-Prediger Rajan Zed beim hippen Laden in Manhattans East Village. Er forderte, dass die Ganesh-Figuren aus dem Verkauf gezogen werden. «Lord Ganesh, Beseitiger von Hindernissen, wird im Hinduismus sehr verehrt», schreibt Zed in einer Medienmitteilung. «Er sollte in Tempeln gehuldigt und nicht einfach so gegessen werden». Die Schoggi-Figuren seien «eine Beleidigung für alle Hindus.»

weiterlesen

Gehört der Islam zu Deutschland? Ja, wie der Faschismus

pierre_vogel_IS

Es ist nicht wichtig, ob der Islam zu Deutschland gehört. Wichtiger ist, dass er zur offenen Gesellschaft passt. Bisher sind die Anzeichen dafür nicht besonders groß. Wann begreifen die Muslime das?


Von Jacques Schuster|DIE WELT

Die Tränen waren kaum getrocknet, da suchten schon die ersten Franzosen bei einem ihrer Philosophen Trost. Nur wenige Tage nach den Anschlägen von Paris schnellte die Nachfrage nach Voltaires „Abhandlung über die Toleranz“ in die Höhe. Gegenwärtig steht die 250 Jahre alte Kampfschrift gegen den religiösen Fanatismus auf den ersten Plätzen sämtlicher Leselisten – von Amazon über Fnac bis zur Buchhandelskette Gibert Joseph.

Es ist, als ob sich Frankreich in der Stunde der Not, der Trübsal und der Verwirrung seiner selbst vergewissern will. Hinzu kommt offenbar ein Gefühl, an der Misere nicht ganz unschuldig zu sein. Allerdings würden nur wenige Zeitgenossen so weit gehen wie Pascal Bruckner.

weiterlesen

Ernährungsdebatte: „Mich stört der Gestus moralischer Überlegenheit“

Bild: Wikimedia Commons/alfa88papa (CC-BY-SA 3.0)
Bild: Wikimedia Commons/alfa88papa (CC-BY-SA 3.0)
Die Gesundheitspsychologin Hanni Rützler kritisiert Menschen, die Ernährung ernst nehmen wie eine Religion. In einem Buch fragt sie, wer dem guten Leben mehr schadet: die Ernährungsindustrie oder die Ernährungsfundamentalisten?


Von Tobias Becker|SpON

SPIEGEL ONLINE: Frau Rützler, Sie sind Ernährungswissenschaftlerin und Gesundheitspsychologin. Sündigt jemand wie Sie beim Essen schon mal?

Hanni Rützler: Ich erinnere mich, dass ich nur mit viel Schokolade und Kannen voll Kaffee durchs Studium gekommen bin. Da habe ich mich schon gefragt: Wie geht das zusammen, gesunde Ernährung zu pauken und sich so zu ernähren? Inzwischen ist aus mir eine Gemüseliebhaberin geworden.

SPIEGEL ONLINE: Sie essen kein Fleisch?

Rützler: Doch, durchaus. Ich bin Flexitarierin: Ich brauche nicht unbedingt Fleisch, aber manchmal schmeckt es mir. Fisch mag ich auch sehr gerne.

weiterlesen

Kirchen unterlaufen das Asylrecht sehr erfolgreich

Quelle: DIE WELT
Innenminister de Maizière vergleicht das Kirchenasyl mit der Scharia. Dafür nennt ihn Göring-Eckardt „Elefant im Porzellanladen“. Doch warum macht die Kirche die Arbeit der Härtefallkommissionen?


Von Kristian Frigelj, Julian Gutberlet, Matthias Kamann|DIE WELT

Abid floh 2012 aus Afghanistan. Auf das Haus seiner Familie waren Bombenanschläge verübt worden. Nach seiner Flucht gelangte Abid nach Schweden. Doch dort, so erzählt der heute 21-Jährige, habe ihm die Abschiebung gedroht. „Als ich eines Tages meine Wohnung betrat, lag dort ein Brief, in dem stand, ich solle wieder zurück nach Hause.“

2014 sei es ihm gelungen, nach Deutschland zu fahren. Über Hamburg kam er nach Berlin, wo er jetzt seit vier Wochen Kirchenasyl in der evangelischen Paulusgemeinde Lichterfelde hat. Die Gemeinde bezahlt ihm die Verpflegung, das Nahverkehrsticket und die Unterkunft. Eine ehrenamtliche Lehrerin erteilt ihm drei Mal pro Woche Deutschunterricht. „Er engagiert sich bei uns sehr gut“, sagt Abids Lehrerin.

Am Dienstag bekam Abid politischen Besuch. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt machte sich in der Paulusgemeinde ein Bild von jenem Kirchenasyl, über das nach öffentlicher Kritik durch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) eine heftige Diskussion entbrannt ist.

weiterlesen

Kampf der Religionen: Unsere Hassprediger

Facebook-Seite der Kampagne/BB
Facebook-Seite der Kampagne/BB
Der Papst rechtfertigt die körperliche Züchtigung, in Bremen erregt man sich über einen evangelischen Pastor, weil er zum Glaubenskrieg aufgerufen haben soll. Müssen wir nach dem Islam auch das Christentum fürchten?


Von Jan Fleischhauer|SpON

Auch Bremen hat jetzt seinen Hassprediger. Der Mann heißt nicht Abdul, sondern Olaf. Er ist kein Imam in einer örtlichen Moschee, sondern ordentlich bestellter Pfarrer in einer Gemeinde in der Innenstadt. Mitte Januar hat Pastor Olaf Latzel dort eine Predigt gehalten, die Bremen über die Glaubenswelt hinaus so nachhaltig erschüttert, dass sich vom Bürgermeister abwärts alle relevanten Vertreter des politischen Lebens eingeschaltet haben.

Latzel hat seine Gemeinde ermahnt, dass es für einen Christenmenschen nur einen Gott geben könne. Also keine Buddha-Statuen mehr auf der Kommode, kein Yoga-Retreat, in dem man im Einklang mit Shiva zu atmen lernt, und auch kein muslimisches Zuckerfest, um seine Verbundenheit mit dem Islam zu demonstrieren. „Wenn ich Christ werde, dann muss Schluss sein mit dem Götzendienst“, donnerte er den armen Sünderlein von der Kanzel entgegen. Das reicht in der EKD, um als jemand zu gelten, den man als Seelsorger besser aus dem Verkehr zieht.

weiterlesen

Proteste gegen Erotikfilm ‚Shades of Grey‘

fifty-shades-of-grey-fan-art-movie-poster-fifty-shades-trilogy-32062470-480-720

Christen warnen vor Glorifizierung von Sado-Maso-Praktiken – Proteste kommen von Muslimen, Christen und Frauenrechtlerinnen – Erotik beute die Sehnsüchte von Frauen aus, befriedige sie aber nicht


kath.net

Gegen den Erotikfilm „Shades of Grey“ (Greys dunkle Seiten), der am 11. Februar in Berlin bei den Filmfestspielen „Berlinale“ Premiere feiert und danach in die Kinos kommt, erheben sich Proteste von Muslimen, Christen und Frauenrechtlerinnen. Der Spielfilm basiert auf der Romantrilogie „Fifty Shades of Grey“ der britischen Autorin E. L. James. Sie schildert die sexuelle Beziehung zwischen der unschuldigen 21-jährigen Studentin Anastasia Steele und dem sechs Jahre älteren Unternehmer und Milliardär Christian Grey. Er führt sie in Sado-Maso-Praktiken ein. Weltweit wurden mehr als 70 Millionen Buchexemplare der Trilogie verkauft; sie soll besonders die geheimen Sex-Wünsche von Frauen ansprechen. Der Kinostart ist am 12. Februar, zwei Tage vor dem Valentinstag.

weiterlesen

Latzel-Predigt: Evangelische Allianz positioniert sich

In der St.-Martini-Kirche in Bremen hat Pastor Olaf Latzel seine umstrittene Predigt gehalten Foto: Jürgen Howaldt / Wikipedia | CC BY-SA 2.0
Zur umstrittenen Predigt des Bremer Pastors Olaf Latzel meldet sich jetzt die Evangelische Allianz Bremen in einer ausführlichen Stellungnahme zu Wort. Der Bremer Pfarrer der St.-Martini-Gemeinde hatte für seine Auslegung am 18. Januar harte Kritik eingesteckt, weil er die religiösen Gefühle anderer verletzt haben soll.


pro Medienmagazin

Die Gründe für die Empörung über die Predigt seien vielschichtig: Zur „spürbaren Anspannung in unserer Gesellschaft“, auch durch die Pegida-Demonstrationen, komme, dass der Bremer Pfarrer in der Vergangenheit häufig mit seinen Aussagen polarisiert habe. Teils überzogene Reaktionen hätten eine sachliche Auseinandersetzung erschwert, schreibt der Allianz-Vorsitzende Pastor Andreas Schröder. Latzel sei von vielen zum Feindbild stilisiert worden.

Deutliche Unterschiede aushalten können

Die lokale Evangelische Allianz Bremen distanziert sich von der Wortwahl und dem Stil der Predigt. Pfarrer und Kirchenvorstand hätten sich darüber hinaus für verletzende Formulierungen entschuldigt. Das Leitungsgremium der Gemeinde stellte sich jedoch zugleich hinter die „klare, bibelorientierte Wortverkündigung“ ihres Pastors.

weiterlesen

Entsetzen über Anschlag auf geplante Asylunterkunft in Escheburg

escheburg

Schleswig Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hat sich entsetzt über den Brandanschlag auf eine geplante Asylunterkunft in Escheburg (Schleswig-Holstein) geäußert.


evangelisch.de

Er kündigte den noch unbekannten Tätern am Dienstag konsequente Strafverfolgung: „Wir werden Euch jagen, wir werden Euch kriegen, wir werden Euch verurteilen.“ Der Flüchtlingsbeauftragte des Landes, Stefan Schmidt, erklärte: „Wer mit solch unfassbarer Gewalt die Aufnahme von schutzsuchenden Flüchtlingen verhindern will, zeigt seine menschenverachtende Gesinnung.“

Unbekannte hatten am Montag einen brennenden Benzinkanister in das hölzerne Zweifamilienhaus geworfen, in das sechs Flüchtlinge aus dem Irak einziehen sollten. Das Gebäude in dem schleswig-holsteinischen Ort ist nun unbewohnbar. Die Staatsanwaltschaft geht von einem fremdenfeindlichen Hintergrund aus. Innenminister Stefan Studt (SPD) versicherte, dass die Polizei derzeit mit Hochdruck ermittele.

weiterlesen

Valls will strenger gegen Muslimbrüder und Salafisten in Frankreich vorgehen

Manuel Valls (2012), Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0
Ende Januar, knapp zwei Wochen nach dem Charlie-Hebdo-Attentat, stellte Premierminister Valls seinem Land eine kantige Diagnose aus: In Frankreich gebe es eine „territoriale, soziale und ethnische Apartheit“. Die Übel der Gesellschaft müssten bekämpft werden, kündigte er an, ähnlich vage, wie man das von Wahlkampfauftritten kennt. Es geht um die Ansage, weniger um konkrete Maßnahmen. Gestern kam er noch einmal auf seine „Apartheits“-Diagnose zurück.


Von Thomas Pany|TELEPOLIS

Vor Schülern erklärte er, dass er mit dem Ausdruck Apartheit nicht etwa Frankreich mit dem vergleichen wollte, was in Südafrika passiert ist, sondern wiedergeben wollte, was die Bewohner der problematischen Viertel fühlen. Man müsse alles unternehmen, um diese Ghettos aufzubrechen, „sonst wird alles in die Luft gehen“, warnte Valls dringend und deutete, noch immer in einer ausholenden, generellen Beschreibungsgeste, aber ein bisschen konkreter, an, wo er einen Ansatzpunkt sieht:

Es geht darum, gegen Prozesse zu kämpfen, die immer die gleichen Personen mit der gleichen Herkunft in die gleichen Viertel schickt, damit sie sich vollkommen isoliert fühlen.

Sein Versprechen, so Valls, sei nun, erbarmungslos gegen alle Diskriminierungen, die im Grunde rassistisch sind, vorzugehen. Das zeigt eine hehre Absicht, ähnlich wie beim Schulreformprogrammpunkt, der vorsieht, bei der Zusammensetzung der Klassen auf einen größeren sozialen Mix zu achten: Der republikanische Geist soll erneuert werden, so steht das auf dem politischen Programmzettel.

Wie das praktisch umgesetzt werden soll, darüber sind leider noch keine Vorschläge laut geworden. Kinder der städtischen Mittelschichtviertel – die in Frankreich wie in den USA eine Tendenz zur homogen Zusammensetzung haben (Der Aufstieg der kreativen Klasse verändert die Städte) – einer anderen als der Sprengelschule zuweisen? Kinder aus den Banlieues, wo es notorisch schlechte Verkehrverbindungen gibt, in die „besseren Viertel“ zur Schule schicken? Bezahlbare Mietwohnungen in den bürgerlichen Viertel bauen? Man wäre in anderen europäischen Ländern neugierig, was sich die Sozialdemokraten im Labor Frankreich einfallen lassen.

weiterlesen

Vatikan will gegen langweilige Predigten vorgehen

B16-Ratze erklärt II. Vatikanisches Konzil, schlimmer geht nimmer!

Der Vatikan will gegen „langweilige Predigten“ vorgehen. Dazu veröffentlichte er am Dienstag einen Leitfaden für Priester, der Vorgaben und Ratschläge für ihre Vorbereitung und Gestaltung in Gottesdiensten enthält.


kathweb

Für viele Gläubige entscheide heute eine interessante oder langweilige Predigt über die Qualität des gesamten Gottesdienstes, sagte Kurienkardinal Robert Sarah zur Vorstellung des sogenannten „homiletischen Direktoriums“. Der Leitfaden habe das Ziel, die Predigten zu verbessern, so der Präfekt der vatikanischen Gottesdienst-Kongregation.

Ein ideale Länge für Predigten gibt es nach Ansicht Sarahs nicht. Sie hänge vom jeweiligen Kulturkreis ab, sagte der aus dem westafrikanischen Guinea stammende Kardinal. „In westlichen Ländern sind 20 Minuten zu viel. In Afrika hingegen reichen sie nicht aus“, erklärte Sarah. Weil die Gläubigen dort oft von weit her zu den Gottesdiensten kämen, könne die Predigt nicht nur 10 oder 15 Minuten dauern.

weiterlesen