Geheimdienstakten zum Oktoberfestattentat bleiben geheim


Neues Denkmal am Ort des Anschlags, eingeweiht im September 2008, Bild: wikimedia.org/PD
Am 26. September 1980 sprengte eine Bombe auf dem Oktoberfest in München 13 Menschen in den Tod und verletzte weitere 211 teilweise so schwer, dass sie ihr restliches Leben lang litten oder noch leiden. Damals kam die Polizei recht schnell zum Ergebnis, dass die Bombe von einem Einzeltäter namens Gundolf Köhler gezündet wurde, der dabei selbst sein Leben verlor. Im Laufe der letzten fast 35 Jahre kamen jedoch immer mehr Merkwürdigkeiten ans Tageslicht, die Zweifel an dieser Einzeltätertheorie wachrufen.


Von Peter Mühlbauer|TELEPOLIS

So meldete sich beispielsweise eine Krankenschwester aus Hannover, die unmittelbar nach dem Attentat einen jungen Mann mit abgerissener Hand behandelte, der sich ausgesprochen merkwürdig benahm und die Klinik vorzeitig verließ. Er könnte möglicherweise ein Mittäter gewesen sein, dessen Hand damals unter den verstreuten Leichenteilen gefunden und nicht eindeutig zugeordnet werden konnte. Weil sich zur Hand passende Fingerabdrücke zwar nicht in Gundolf Köhlers Auto, aber in dessen Unterlagen fanden, verbuchten die Ermittlungsbehörden das Körperteil schließlich als Überbleibsel des Täters und ließen sie 1997 ohne vorherigen Gentest vernichten.

Weil viele der Merkwürdigkeiten auf die Wehrsportgruppe Hoffmann verweisen, forderte die Linkspartei in einer kleinen Anfrage, dass die Bundesregierung die im Zusammenhang mit dem Oktoberfestattentat angelegten Geheimdienstakten dem Bundestag zugänglich macht. Das lehnte das Bundesinnenministerium jetzt ab. Als Grund gibt Ministeriumsvertreter Günter Krings an, die Informationen seien „so sensibel, dass selbst ein geringfügiges Risiko des Bekanntwerdens unter keinen Umständen hingenommen werden kann“.

Vorher wird in dem Antwortschreiben, das Telepolis vorliegt, unter anderem erklärt, dass die Aufdeckung der Identität von Quellen, die sich in einem „extremistischen und gewaltbereiten Umfeld bewegen“, dazu führen könnte, „dass das Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit der jeweiligen Personen gefährdet wäre“. Dazu, warum der Schutz von Informanten nicht einfach (wie in anderen Fällen üblich) durch Schwärzung von Namen und anderen Erkennbarkeitsdaten gewährleistet werden kann, macht Krings keine Angaben.

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