Morgens Jesus preisen, mittags Sonne anbeten und abends Buddhist sein


Haupteingang zum shintoistischen Heian-Schrein in Kyoto (picture alliance / dpa / ZB / Peter Jähnel)
Kaum sonstwo auf der Welt sind die Götter toleranter als in Japan: Jede Religion wird akzeptiert, ein Gläubiger kann sogar mehreren Religionen gleichzeitig anhängen. Geboren im Shinto-Ritus, christlich geheiratet und beerdigt als Buddhist – alles kein Problem in Japan.


Von Jürgen Hanefeld|Deutschlandradio Kultur

Dreimal im Jahr schlingen starke Männer armdicke Seile aus Reisstroh um zwei Felsen im Meer. Izanagi und Izanami heißen die beiden Brocken, die in der japanischen Mythologie die Eltern, nein, nicht aller Japaner, sondern aller Inseln darstellen, aus denen Japan besteht.

„Das Lied, das wir dazu singen, ist sehr alt. Wie alt, weiß keiner. Es gehört dazu, wenn wir diese Reinigungszeremonie vollziehen. Wir beruhigen das Meer und begrüßen die Sonne.“

Die Sonne ist Schöpfungsgöttin und Symbol Japans. Das ist leicht zu verstehen. Vom Strand aus gen Osten sah man nur das endlose Meer und – daraus aufsteigend – die Sonne. Nihon, das eigentliche Wort für Japan, bedeutet „Ursprung der Sonne“. Sie ist auch der Quell der ursprünglichen Religion Japans, des Shinto.

„Die meisten Japaner verstehen Shinto gar nicht als Religion. Für sie ist es eine Lebensweise, das Einhalten von Sitten und Gebräuchen. Dass man zum Beispiel am Neujahrstag den Schrein besucht oder Kinder mit drei, fünf und sieben Jahren vom Priester segnen lässt.“

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