Wie viele Menschen wurden in Afghanistan durch deutsche Soldaten getötet?


Panzerhaubitze 2000 in Kunduz im scharfen Schuss. Bild: Bundeswehr/CC-BY-SA-2.0
Zur Kriegspropaganda zählt, was man derzeit etwa in der Ukraine oder in Syrien/Irak beobachten kann, mit den Zahlen der angeblich getöteten Gegner und der der eigenen Opfer zu spielen. Die eigenen Verluste werden gemeinhin eher klein gehalten, die Verlust der Gegner eher übertrieben. Eine besondere Variante der Propaganda kommt bei asymmetrischen Konflikten oder bei militärischen Friedens- oder Stabilisierungsmissionen ins Spiel.


Von Florian Rötzer|TELEPOLIS

In asymmetrischen Konflikten versucht die überlegene Partei vor allem zu vermeiden, dass sich Meldungen über Opfer unter Zivilisten kursieren. Vorgezogen wird, dass bei Kämpfen oder durch Luftschläge Getötete erst einmal als Angehörige der Aufständischen bezeichnet werden oder als bedauernswerte Kollateralschäden gelten. Die Zahl der getöteten und verletzten Zivilisten werden nicht aufgelistet oder der Body Count wird nicht veröffentlicht, wohl aber die Verluste der eigenen Soldaten. Man vermeidet zudem in der Regel, dass Bilder von getöteten oder verletzten Gegnern in Umlauf kommen, während die Opfer, für die der Gegner verantwortlich sind, zumindest von den Medien publiziert werden. Die unterlegene Seite übertreibt hingegen die Verluste der Gegner und schweigt sich über getötete Zivilisten und eigene Verluste aus. Vor allem seit dem Aufkommen des islamistischen Terrorismus werden Anschläge und Opfer oft auch fotografiert und gefilmt, um die „Leistung“ zu dokumentieren und mit ihr zu werben oder Angst einzuflößen.

In Afghanistan versucht etwa die UNAMA, die Afghanistan-Mission der Vereinten Nationen, die Zahl der zivilen Opfer des Konflikts und die Täter zu erfassen. Im ersten Halbjahr 2014, so der letzten Bericht, stieg die Zahl der getöteten Zivilisten auf 1.564 und damit um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr an, 3.289 wurden verletzt, 28 Prozent mehr als im Vorjahr. 74 Prozent aller zivilen Opfer gehen zu Lasten der Aufständischen, für 8 Prozent sind die afghanischen Sicherheitskräfte verantwortlich, für 1 Prozent die Isaf-Truppen. 12 Prozent sind bei Kämpfen zwischen Aufständischen und Pro-Regierungstruppen verletzt oder getötet worden, wobei unklar sei, wer dafür verantwortlich ist. Je nachdem, wer wie zählt, unterscheidet sich die Zahl der Opfer, die von insgesamt mehr als 21.000 getöteten Zivilisten seit 2001 bis zu 100.000-170.000.

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