Der Tanz nach dem Terror


Das Charlie-Hebdo-Attentat zwingt uns, uns der Basis der liberalen Demokratie zu vergewissern, picture alliance
In den Nachwehen der Terroranschläge von Paris zeigt sich das schwierige Verhältnis der Deutschen gegenüber dem Liberalismus: Statt die Freiheit offensiv zu verteidigen, mahnt man in Deutschland zur nationalen Einheit. Waren wir nicht schon einmal fortschrittlicher?


Von Ulrike Ackermann|Cicero

Nach dem grauenhaften islamistischen Anschlag auf die Redaktion der Zeitschrift „Charlie Hebdo“ und ein jüdisches Geschäft im Herzen von Paris sind am 11. Januar dieses Jahres über vier Millionen französischer Bürger samt ihrer politischen Klasse und ausländischen Staatsgästen auf die Straße gegangen. Nach diesem terroristischen Angriff auf die offene Gesellschaft demonstrierten sie mutig für die Freiheit.

Zwei Tage später fand neben anderen Solidaritätsbekundungen in ganz Deutschland eine Mahnwache in Berlin statt, an der sich die gesamte politische Elite und die Verbandsvertreter der drei großen Religionsgemeinschaften beteiligten und das Wort ergriffen für ein friedliches Zusammenleben von Juden, Christen und Muslimen. Anders als in Paris stand also weniger die Freiheit im Zentrum dieser Demonstration, sondern die Gleichheit, Brüderlichkeit und Glaubensfreiheit.Das liegt zum einen daran, dass unsere französischen Nachbarn vehement ihren Laizismus, also die Trennung von Staat und Religion verteidigen.  Zum anderen zeigt es jedoch auch das schwierige Verhältnis der Deutschen gegenüber dem Liberalismus. Nationale Einheit und Gleichheit waren bei uns schon immer höherwertiger als die Freiheit.

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