Nach Latzel-Predigt: Kirche in der Krise


Edda Bosse redet nichts schön. Die Kirche, sagt die Präsidentin, steckt in der Krise. Und schuld daran ist eine Predigt. Gegen Pastor Olaf Latzel, der sie gehalten hat, will die Kirche dennoch nicht vorgehen. So hat es jetzt ein Ausschuss entschieden. Keine disziplinarischen Schritte, keine Änderung der Verfassung, um einen Pastor suspendieren zu können. Dafür gibt es aber vielleicht eine Debatte in der Bürgerschaft: Die Linken fordern ein politisches Bekenntnis gegen Hetze von der Kanzel.


Von Christian Weth|Weser Kurier

Lange hat der Kirchenausschuss getagt. Fünf Stunden. Die Hälfte der Zeit haben die Mitglieder allein über dieses Thema diskutiert: Pastor Olaf Latzel und seine umstrittene Predigt vom 18. Januar – und wie die Bremische Evangelische Kirche mit ihm und ihr umgehen will. Herausgekommen ist ein Papier, das beidseitig bedruckt ist und sieben Punkte enthält. Einer davon stellt klar, dass die Landeskirche nicht mehr nur einzelne Passagen der Predigt kritisiert wie bisher, sondern den gesamten Duktus.

Konsequenzen der Kirche braucht der Pastor der St.-Martini-Gemeinde in der Innenstadt trotzdem nicht zu fürchten. Das machen andere Punkte deutlich: zu disziplinarischen Schritten und zu einer Änderung der Kirchenverfassung, um einen Pastor kündigen zu können. Beides verwirft der Ausschuss, weil beides nicht notwendig sei, zumindest aus derzeitiger Sicht. Sollte die Staatsanwaltschaft zu dem Schluss kommen, dass sich Latzel der Volksverhetzung strafbar gemacht hat, dann will die Kirche reagieren. Laut Staatsanwalt Frank Passade wird die Predigt noch ausgewertet.

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