„Islamischer Staat“: Beginnend mit Worten, endend mit Blut


Bild: nationalreview.com
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Extremisten konkurrieren um die Jugend des Westens. Warum wird gerade der IS zur neuen Heimat der Enttäuschten? 15 Anmerkungen zu europäischen Dschihadisten.


Von Georg Seeßlen|ZEIT ONLINE

I. Verlorene Söhne

Irgendwo, dort im Osten in einer zerfallenden, gewalttätigen Welt, so verstehen wir aus unseren Bilder- und Erzählmaschinen, hausen schlimme Horden schwarzgekleideter bärtiger Männer, die schreien, schießen und anderen Menschen den Kopf abschlagen. Sie berufen sich auf den Islam und wollen ein Kalifat errichten, einen Staat, mehr noch vielleicht: ein Imperium. Es gab Al-Kaida und den schrecklichen Anschlag auf die Twin Towers, es gibt die furchtbare Boko Haram, aber dies, der IS, der „islamische Staat“ ist noch etwas anderes. Es ist nicht nur Terror, der Chaos anrichtet, es ist Terror, der, schlimmer, auch schon wieder eine Ordnung errichtet. Eine Terror-Ordnung, um genau zu sein.

Kalif? Das erinnert an Tausend und eine Nacht, an Karl May, an Harun al-Poussah im Comic. Das Kalifat ist eine Herrschaftsform der sunnitisch-osmanischen Einheit von Religion und Macht, ein Traum von einer direkten Nachfolge des Propheten, von einer universalen Einheit: Alles wird stimmen in Raum und Zeit, in Geist und Gesetz. Kemal Atatürk beendete den Traum im Jahr 1928, so lässt sich’s ergooglen. Um moderne Nationen an seine Stelle zu setzen. Und nun ist der Traum wieder da. Als Albtraum für den Westen und was aus ihm geworden ist, nach dem Scheitern der nationalen Demokratien und des sozial gezähmten Kapitalismus.

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