Wenn sich die Erde um den Mond dreht


Nur mit Popcorn, Bild. heise.de
Gibt es sowas wie eine amerikanische Ideologie im amerikanischen Film? Am Besten, dachte ich, frage ich mal die amerikanischen Filmemacher direkt.


Von Tom Appleton|TELEPOLIS

Gewiss, jeden einzelnen persönlich zu fragen – das wäre etwas aufwändig gewesen. Aber ich habe hier ein Buch. „Amerikanische Filmemacher reden über ihre Lieblingsfilme.“ Auf Englisch klingt der Titel noch eine Spur – äh – großspuriger? Aber warum nicht? Es sind schließlich amerikanische Filmemacher.

Watching Movies – The Biggest Names in Cinema Talk About the Films That Matter Most. Von Rick Lyman

Das erste, was mir bei diesem Titel auffiel, war, dass sich gleich zu Beginn, bereits am Titel, eine ideologische Aufspaltung einstellt. „Movies“ ist das übliche Wort, das Amerikaner im Zusammenhang mit dem Spielfilm verwenden. Wörter wie „Cinema“ und „Film“ bezeichnen dagegen cineastische Allüren, den Kunstfilm, den schwierigen Kintopp, den man nur mit Untertiteln konsumieren kann, statt mit Popcorn.

Tatsächlich geht es in dem Buch aber nur um „Movies“ – die 21 Regisseure benennen durch die Bank nur amerikanische Filme als jene „Filme, die wirklich zählen.“ Einzige Ausnahme: der britische Film eines amerikanischen Regisseurs, gedreht mit amerikanischen Schauspielern, der zuguterletzt auch ein halbes Dutzend Oscars und eine Millionen-Dollar-Flut einspielte. Das war Fred Zinnemanns „A Man for All Seasons.“ Zinnemann ist auch noch mit einem weiteren Film dabei, mit „High Noon“, nominiert vom deutschen Regisseur Wolfgang Petersen.

Man fragt sich, welchen Abgrund von Landesverrat wohl in diesem Aufmarsch nationalistischer Fanfaren ein Woody Allen zu gewärtigen gehabt hätte, wenn er hier sein bekanntes Idol Ingmar Bergmann oder einen Film wie „Das Schweigen“ in den Herrgottswinkel postiert hätte. Man könnte sich fragen, ob es wohl eine ironische Geste war, dass Allen an dieser Stelle die Western-Schmonzette „Shane“ (deutsch: Mein großer Freund Shane ) als sein wichtigstes Film-Erlebnis bezeichnet. Kurioserweise bemüht sich der Filmemacher aber redlich, jeden Anflug von Ironie zu vermeiden. Was ich vermutlich auch getan hätte, wenn mich ein Jay Leno zehn Jahre lang jeden Abend im Fernsehen über die heißen Kohlen gezogen hätte.

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