Kirche: reich und geldgierig!

Bild: tilly
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Das Kölner Erzbistum legt sein Milliardenvermögen offen. Indessen wirft der Humanistische Verband dem Kirchensteuersystem vor, dass es verfassungswidrig sei und dokumentiert dessen Ungerechtigkeit am exemplarischen Fall eines Atheisten


Von Thomas Pany|TELEPOLIS

Die Offenlegung der Finanzen des Erzbistums Köln bestätigt, was Frieder Otto Wolf von einem „riesigen Vermögen der Kirche“ sprechen läßt. Der Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands (HVD) fordert die Abschaffung des Kirchensteuersystems.

Im Finanzbericht 2013 des Kölner Erzbistums sind Aktiva in Höhe von 3, 35 Milliarden Euro ausgewiesen. Den Löwenanteil der Aktiva stellen Finanzanlagen mit 2,4 Milliarden Euro. Zum allergrößten Teil sind das Wertpapiere, die mit 2,3 Milliarden verbucht werden. Grundstücke werden mit 612 Millionen veranschlagt und stellen den zweitgrößten Aktiva-Posten. Kunstschätze und der Dom sind nicht oder wie im Fall des Kölner Doms mit 25 Euro nur symbolisch erfasst.

Aber Köln gilt auch als eines der reichsten Bistümer weltweit. Inwieweit sich die Ausnahme Köln von anderen Bistümern in Deutschland abhebt, wird sich erst zeigen. Angeblich wollen andere Bistümer der Transparenz-Initiative folgen. Das würde dann einen etwas genaueren Eimblick in das „riesige Vermögen der Kirche“ (Wolf) liefern. Der Finanzdirektor des Kölner Bistums, Hermann Josef Schon, wird damit zitiert, dass das Vermögen „zweckgebunden“ sei. Verwiesen wird auf hohe Summen, die zum Erhalt von „mehr als 600 denkmalgeschützten Kirchen“ und für die Pensionen der Bistumsbeschäftigten zur Verfügung gestellt werden müssen.

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2015 Could be Bad Year for Coral Reefs

Photo: Ellmax Photos
It looks like 2015 is shaping up to be a bad year for coral reefs.
The National Oceanic and Atmospheric Administration warned this week that warm waters in the tropical Pacific and Indian Oceans spark widespread coral bleaching across the world this year – making it the third time in less than a decade that this has occurred.


By Michael Casey|CBSNews/The Daily Catch

Reefs are one of the world’s most important ecosystems, supporting more species than any other marine environment including 4,000 fish species. They are also a crucial to sustaining many coastal communities that thrive on the $375 billion a year reaped through diving, fishing and tourism.

Bleaching is akin to coral cancer. It occurs when corals are stressed by changes in conditions such as temperature, light or nutrients. They respond by expelling the symbiotic algae living in their tissues, causing them to turn white. Without the algae, the coral loses its major source of food and often can’t survive.

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Zwei Mitglieder der „Zwölf Stämme“ wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt

zwoelf_staemme_klosterzimmernDas Amtsgericht Nördlingen in Bayern verurteilte am 20. Januar 2015 eine der Glaubensgemeinschaft „Zwölf Stämme“ angehörende Frau wegen gefährlicher Körperverletzung zu neun Monaten Haft auf Bewährung und 180 Sozialstunden (Akt.: 2 Cs 101 Js 136 898/13 jug).


Von Dr. Ronald Scholz|Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen

Anlass des Strafverfahrens waren Stockhiebe der Mütter, die der RTL-Journalist Wolfram Kuhnigk heimlich mit versteckter Kamera aufgezeichnet hatte. Die Aufnahmen zeigten die Frauen, wie sie mit einer Weidenrute ihre eigenen Söhne auf den Po schlugen. Richter Gerhard Schamann musste abwägen, ob die Videoaufnahmen vor Gericht verwertet werden können oder aber einem Beweisverwertungsverbot unterliegen, weil sie heimlich und ohne Zustimmung der betroffenen Personen (Recht am eigenen Bild) aufgezeichnet wurden. Im Rahmen der Abwägung entschied der Richter, dass der Verdacht der gefährlichen Körperverletzung (gefährliche Körperverletzung, weil die Weidenrute im Sinne von § 224 Abs. 1 Nr. 2 ein gefährliches Werkzeug darstellt) schwerer wiege als das Recht am eigenen Bild.

Bereits im September 2013 hatten mehr als 100 Polizisten und Sozialarbeiter 41 Jungen und Mädchen im Alter zwischen 18 Monaten und 17 Jahren wegen Gefahr für das Kindeswohl vom Anwesen der Gemeinschaft in Klosterzimmern geholt und in Obhut genommen. Aktuell befinden sich noch 16 Kinder in der Obhut des Jugendamtes.

Die Glaubensgemeinschaft beansprucht für die Eltern innerhalb der Gemeinschaft ein körperliches Züchtigungsrecht gegenüber den eigenen Kindern. Es herrscht die Auffassung, dass das Züchtigungsrecht Ausdruck biblisch abgeleiteter elterlicher Autorität ist. Dabei beruft man sich u. a. auf Sprüche 13,24: „Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber lieb hat, der züchtigt ihn beizeiten.“

Das deutsche Recht sieht in § 1631 BGB ein Verbot körperlicher Bestrafungen bei der Ausübung der Personensorge vor. Demnach haben Kinder ein Recht auf „gewaltfreie Erziehung“, und „körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig“. Eine Beschränkung der Strafbarkeit der Eltern nach Ausübung des Züchtigungsrechts knüpft an das Kriterium der „Erheblichkeit“ der körperlichen Beeinträchtigung an. Das Gericht sah in diesem Zusammenhang – Schlagen mit einer Weidenrute auf den Po – die Erheblichkeit als gegeben an. Es handele sich hier um eine gefährliche Körperverletzung.

Auch wenn eine unreflektierte und fundamentalistische Bibelauslegung vom Recht der Religionsfreiheit umfasst wird und Art. 4 Grundgesetz (GG) ein vorbehaltlos gewährtes Grundrecht ist, gelten die verfassungsimmanenten Schranken. Hierunter fallen die Grundrechte Dritter und somit auch die der Kinder, die in der Gemeinschaft der Zwölf Stämme leben. Die Kinder und Jugendlichen haben ein verfassungsrechtlich gewährtes Recht auf körperliche Unversehrtheit, Art. 2 Abs. 2 GG. Eine Nichtbeachtung elementarer Menschen- und Grundrechte ist auch mit Verweis auf die Religionsfreiheit unzulässig. – Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Frau des Papstes

Nancy Brilli (1988), Bild. wikimedia.org/CC BY-SA 3.0
Blondierte Locken, ein mädchenhafter Pony und aufgespritzte Lippen: So kennt das italienische Publikum die Schauspielerin Nancy Brilli aus zahlreichen Kino- und Fernsehkomödien. Eher unscheinbar dagegen wirkte ihr Auftritt in einem Werbevideo des Vatikans. Mit einer seriösen Lesebrille vor ihrer gestrafften Augenpartie lud sie im Namen des päpstlichen Kulturrats die Zuschauerinnen ein, über sich, ihren Körper, ihr Frausein und ihre Spiritualität nachzudenken.


Von Catrin Dingler|Jungle World

Den weiblichen Blick auf die Welt sollten die mit sanfter Stimme Umworbenen in einem Selfie festhalten und unter dem Hashtag #lifeofwomen mit anderen Frauen und dem Heiligen Stuhl teilen. Die auf dem Twitter-Account gesammelten Erfahrungen wollte der Präsident des Kulturrats, Kardinal Gianfranco Ravasi, auf einer Vollversammlung des Gremiums mit dem Titel »Weibliche Kulturen – Zwischen Gleichheit und Differenz« vom 3. bis 7. Februar in Rom diskutieren.

Vor der Veranstaltung sorgte die englischsprachige Version des Web-Videos bereits für Aufregung. Nach heftiger Kritik wurde zumindest die englischsprachige Version zurückgezogen. Im anglophonen Ausland störten sich die Gläubigen an dem offensichtlichen Widerspruch, dass die viertägige Konferenz von eben jenem Frauentyp beworben wurde, der dort kritisiert werden sollte. In Italien bedurfte es dagegen einer kleinen inszenierten Provokation auf der Pressekonferenz von Kardinal Ravasi und seiner Hauptdarstellerin, um zwei Tage vor Veranstaltungsbeginn überhaupt erst die gewünschte mediale Aufmerksamkeit zu erzeugen. »Der Vatikan bezeichnet Schönheitsoperationen als ›Burka aus Fleisch‹«, lautete die Schlagzeile, die danach auch über einige deutsche Nachrichtenticker lief. Wer Ravasi genauer zugehört oder das Arbeitsprogramm für die Konferenz gelesen hatte, wusste, dass er mit dem »treffenden, wenngleich scharfen« Vergleich bewusst provozieren wollte. Die Formulierung war aber keine Erfindung des Kirchenmannes, sondern ein Zitat der italienischen Journalistin und Schriftstellerin Barbara Alberti.

In ihrem im Frühjahr 2010 erschienen Buch hatte sie gefordert, Frauen sollten zu ihrem Gesicht stehen: »Riprendetevi la faccia!« Den sozialen Zwang, dem Frauen heute ausgesetzt seien, ihr wahres Alter durch chirurgische Eingriffe zu verschleiern, vergleicht sie mit dem religiösen Zwang zur Verschleierung des Körpers durch das Tragen einer Burka. Albertis Formulierung wurde damals wie heute weniger als Kritik an einer islamischen Kleiderordnung, sondern als Zurückweisung eines medialen Schönheitsideals verstanden. Nur wenige Monate vor der Publikation von Albertis Pamphlet hatte die Soziologin Lorella Zanardo in dem Dokumentarfilm »Der Körper der Frauen« die pornographische Darstellung von Frauen im italienischen Fernsehen und ihre Degradierung zum dekorativen Lustobjekt angeklagt. Etwa zur selben Zeit löste die »Ruby-Affäre« des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi Empörung aus. Unter dem Slogan »Wann, wenn nicht jetzt« formierte sich eine Protestbewegung zur »Verteidigung der Würde der Frauen«. Die neue Frauenbewegung betrachtete die jungen Sexarbeiterinnen einerseits als Opfer. Andererseits distanzierte sie sich vehement von jenen Frauen, die ihre Teilnahme an Berlusconis »Bunga-Bunga-Partys« als selbstbestimmten Entschluss und Investition in die eigene Karriere betrachteten, von der sie sich eine Fernsehrolle oder den Einstieg in eine politische Position versprachen. Der vornehmlich von gutsituierten bürgerlichen Frauen initiierte moralische »neue Feminismus« propagiert letztlich ein Bild von der »wahren«, »normalen« Frau, Ehegattin, Mutter und Tochter, das vom Frauentyp der konservativen, katholischen Moral kaum noch zu unterscheiden ist. Unter diesen Vorzeichen ist die vom Vatikan organisierte Konferenz über die »weiblichen Kulturen« als Annäherung an dieses Frauenbild zu verstehen.

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Dedes zweite Chance im Kirchenasyl

Ein Kirchenturm © H. Füller @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Das Kirchenasyl steht in der Kritik des Bundesinnenministers. Er wirft den den Kirchen vor, sich über bestehende Gesetze hinwegzusetzen. Die Kirchen wehren sich. Ein Besuch bei einer Berliner Gemeinde, die dem Nigerianer Osobie Kirchenasyl gewährt hat.


Von Corinna Buschow|MiGAZIN

Wenn es das Kirchenasyl für ihn nicht gegeben hätte, wäre Chinedu Osobie vielleicht schon tot. “Oder ich wäre Amok gelaufen”, sagt der Nigerianer. “Egal wie: Sie hätten mich nur in einem Sack aus Deutschland bekommen.” Der 45-Jährige lebt seit 1993 in Deutschland. Geflohen war er vor dem Bürgerkrieg in Sierra Leone, in den ihn sein Bruder zwang. Er hat in Deutschland geheiratet. Die Ehe ging schief. 2003 kam die Scheidung. “Ich kam nicht mehr klar, habe Fehler gemacht”, sagt Osobie. Er nahm Drogen, verkaufte sie auch, wurde erwischt und kam ins Gefängnis. Es folgten die Abschiebedrohung und mehrere Selbstmordversuche, erzählt Osobie.

Seit Mai vergangenen Jahres gewährt ihm eine Kirchengemeinde in Berlin-Mitte Asyl. In direkter Nachbarschaft der Sophienkirche hat er derzeit eine Ein-Zimmer-Wohnung. Nur wenige Gehminuten entfernt liegt der Hackesche Markt, auch zum Alexanderplatz ist es nicht weit. Vom lebendigen Trubel der Hauptstadt hat Osobie in den vergangenen acht Monaten trotzdem wenig mitbekommen. Er durfte das Kirchengrundstück nicht verlassen, um sich nicht zu gefährden. Nur hier war er wirklich vor der Polizei sicher. So lautete seine Regel im Kirchenasyl.

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Segens-Gottesdienst für Paare ohne Trauschein? Die Frage ist schon weltfremd

Themenbild.
Themenbild.
Innerevangelischer Streit in württembergischer Landeskirche – Kirchenrat Zeeb warnt vor Verwechslungsgefahr mit Amtshandlung. „Offizielle Segensfeiern“ für Paare gebe es nur anlässlich einer standesamtlichen Eheschließung eines Mannes mit einer Frau


kath.net

„Junge und alte, verheiratete und unverheiratete, fromme und weniger fromme Paare“ waren am Valentinstag (14. Februar) zu einem Segens-Gottesdienst in Eningen bei Reutlingen eingeladen. Im Internet und in einer Anzeige wandte sich Pfarrer Johannes Eißler ausdrücklich an Paare, „für die es keine offizielle kirchliche Segenshandlung gibt“: „Gottes Haus steht am Valentinstag offen.“ Rund 20 Paare nahmen das Angebot an. Homosexuelle Lebensgemeinschaften waren nicht darunter. Eißler zufolge können Menschen durch den persönlich zugesprochenen Segen offen für Glaubensfragen werden. Der Theologe ist Mitglied der württembergischen Landessynode und gehört zur Gruppe „Evangelium und Kirche“. Bis 2012 war er Vorsitzender der Deutschen Evangelistenkonferenz.

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Vatikan fordert Lockerung des Patentschutzes für Medikamente

Dr. House und Medikamente
Dr. House und Medikamente
Viele Medikamente für arme Staaten wegen „unrealistischer Profitziele“ unleistbar – Kritik an fehlender Forschung zu Aids, Ebola, Malaria und Tuberkulose


kathweb

Der Vatikan fordert eine Lockerung des Patentschutzes für Arzneimittel, um die medizinische Versorgung in Entwicklungsländern zu gewährleisten. Der Umgang mit geistigem Eigentum, wie er gegenwärtig in vielen Teilen der Welt gehandhabt werde, „läuft dem Recht auf Gesundheit zuwider“, sagte der vatikanische Vertreter bei den Vereinten Nationen in Genf, Erzbischof Silvano Tomasi, bei einer vom UN-Menschenrechtsrat organisierten Tagung in der Schweizer Stadt. Nötig sei daher eine „kreative und innovative Herangehensweise“. Tomasi sprach am Mittwoch auf dem jährlichen Sozialforum des UN-Menschenrechtsrats.

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Vandalismus in Friedrichshafener Kirche

Graz: Marienstatue – Eisernes Tor, Bild: wikimedia.org/CC-Attribution 3.0 Unported license.
Kopf einer Heiligenfigur und Hand einer Mariendarstellung wurden abgeschlagen – Diakon Rzesny: „Für gläubige Christen ist es ein Sakrileg, wenn man eine geweihte Statue zerstört“, als Motiv könne er sich nur eine große Wut auf die Kirche vorstellen.


kath.net

Die Kirchengemeinde ist fassungslos: Am Rosenmontag wurden in der St.-Petrus-Canisius-Kirche in Friedrichshafen (Diözese Rottenburg-Stuttgart) zwei Heiligenfiguren schwer beschädigt. Darüber berichtete der „Südkurier“. Der Figur des hl. Judas Thaddäus wurde der Kopf abgeschlagen und der Mantel beschädigt. Einer Marienfigur fehlte eine Hand, an der anderen Hand fehlte ein Finger, der nicht einmal mehr auffindbar war. Die Polizei ermittelt. Nach Angaben von Markus Emele, dem stellvertretenden Revierleiter, könnten die Beamten in diesem konkreten Fall allerdings nicht viel tun, man sei darauf angewiesen, dass sich Zeugen melden.

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Street-Art: Ägypten beschlagnahmt deutschen Bildband über Arabischen Frühling Graffiti-Kunst: Die Freiheit, für die ich sprühe

Ägypten-Street-Art
Die ägyptische Regierung hat einen in Deutschland verlegten Bildband konfisziert. Er zeigt regierungskritische Graffiti aus der Zeit der Revolution von 2011.


SpON

Ägyptens Behörden haben in Alexandria 400 Ausgaben eines Bildbandes konfisziert, der im Zusammenhang mit der Revolution von 2011 entstandene Graffitikunst zeigt. In dem von einem Berliner Verlag herausgegebenen Band „Walls of Freedom“ (Mauern der Freiheit) seien Bilder, die „Hinweise zum Aufstand gegen Polizei und Militär“ liefern, zitierte die ägyptische Nachrichtenseite „Al-Masry al-Youm“ einen Sprecher des ägyptischen Finanzministeriums. Die Exemplare seien bei der Einfuhr aus Deutschland beschlagnahmt worden.

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Ultra-orthodoxer Aufklärungsfilm: „Heiliges Sperma“

Es ist ein Ringen mit dem eigenen Körper, ein Kampf gegen das Verlangen. Ein Teenager sitzt auf einer Bank, neben ihm sein Religionslehrer. Er habe gesündigt, sagt der Junge. Er fühle sich schuldig.


Von Alexandra Rojkov|stern.de

Der junge Mann hat nichts verbrochen, niemandem Schaden zugefügt. Sein Vergehen, das er dem Religionslehrer mit zittriger Stimme beichtet, besteht darin, dass er sich selbst berührt hat. Der Teenager gehört – ebenso wie sein Lehrer – dem ultra-orthodoxen Judentum an. In dieser religiösen Strömung ist Masturbation eine Sünde, sind unkeusche Blicke und Gedanken ein kaum verzeihlicher Fehltritt. Doch was tun, wenn man erwachsen wird und der Körper plötzlich das Verbotene begehrt?

Die Szene entstammt einer Dokumentation, die derzeit in Israel eine Debatte befeuert. In „Sacred Sperm“ begleitet die Kamera den ultra-orthodoxen Vater Ori Gruder, der seinen zehnjährigen Sohn über Sexualität aufklären will. Dafür spricht er zum Beispiel mit einer Wissenschaftlerin, einem Rabbi und einem gläubigen Juden, der bald heiraten und zum ersten Mal mit einer Frau schlafen soll. Der Filmemacher will wissen: Was genau ist im Judentum verboten? Was erlaubt? Und wie widersteht man der Versuchung? Dass er diese Fragen öffentlich stellt, bricht ein Tabu – und könnte die Welt der Religiösen prägen.

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Fürstlicher Blödsinn zum Aschermittwoch

Gebhard Fürst 2008, Bild: wikimedia.org/CC BY 3.0
Bischof Fürst fragt am Aschermittwoch der Künstler: Hat der „mainstream der alles beherrschenden political correctness nicht bereits unwiederbringlich das Interesse an den letzten Fragen verloren“?


kath.net

Kunst kann nach Überzeugung von Bischof Gebhard Fürst bei der Antwort auf „die letzten Fragen“ als Brücke dienen. „Kunst kann Gott hörbar, sichtbar und berührbar machen – vorausgesetzt, Künstler und Betrachter geben ihm Raum und öffnen sich für diese Fragen“, sagte er in seiner Predigt zum traditionellen Aschermittwoch der Künstler in Stuttgart-Hohenheim. Damit sei Kunst die Brücke zwischen den Wirklichkeiten und Wahrheiten, ebenso, wie die Menschen selbst.

Mit Blick auf die Folgen der im französischen Satiremagazin Charlie Hebdo veröffentlichten Karikaturen müsse man sich allerdings neu mit der Frage auseinandersetzen, was Kunst auslösen könne. „Zugleich konfrontieren uns jene schrecklichen Taten mit den letzten Fragen. Nach dem, was im Menschen ist, angesichts des Bösen, das aus ihm heraus bricht“, sagte Bischof Fürst.

Gebhard Fürst formulierte die Sorge, ob der „mainstream der alles beherrschenden political correctness nicht bereits unwiederbringlich das Interesse an den letzten Fragen verloren hat“ und stellte die Frage, ob Kunst oder Religion hier wachrütteln könnten.

Obama: Religion nicht verantwortlich für Terrorismus

Hope Gone? (CC-by-nc-nd/3.0/us by Shepard Fairey)
Hope Gone? (CC-by-nc-nd/3.0/us by Shepard Fairey)
Der amerikanische Präsident Barack Obama hat Religionen von der Verantwortung für Terrorismus freigesprochen. Vielmehr seien Menschen für ihre Taten verantwortlich. Die Vereinigten Staaten kämpften auch nicht gegen den Islam, sondern nur gegen eine pervertierte Auslegung.


Frankfurter Allgemeine

Der Islam darf nach den Worten des amerikanischen Präsidenten Barack Obama nicht als Quelle für Extremismus diffamiert werden. „Keine Religion ist verantwortlich für Terrorismus. Menschen sind verantwortlich für Gewalt und Terrorismus“, sagte Obama am Mittwoch in Washington.

Er forderte auch muslimische Führer auf, ihren Gemeinden klarzumachen, dass der Westen nicht versuche, den Islam zu unterdrücken. „Wenn Extremisten mit der Lüge hausieren gehen, dass unsere Länder feindselig gegen Muslime sind, dann müssen wir zeigen, dass wir Menschen aller Religionen willkommen heißen.“

Die Strippenzieher in Organisationen wie der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) seien keine religiösen Anführer, sagte Obama mit Blick auf den laufenden Militäreinsatz im Irak und in Syrien. „Wir sind nicht im Krieg mit dem Islam. Wir sind im Krieg mit Menschen, die den Islam pervertiert haben.“

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Epigenom: „Zweiter Code“ des Lebens kartiert

Eine Anlagerung von Methylgruppen blockiert das Ablesen eines Gens – solche Modifikationen bezeichnet man als Epigenom © Christoph Bock, MPI für Informatik / CC-by-sa 3.0
Im Epigenom liegt das Geheimnis der Vielfalt: Erst diese Modifikation der DNA lässt die vielen verschiedenen Zelltypen oder Gewebe in unserm Körper entstehen – und macht aus unseren Genbuchstaben sinnvolle Sätze. Diesen „zweiten Code“ hat nun erstmals ein internationales Konsortium kartiert. In gleich 20 Veröffentlichungen liefern sie wertvolle neue Erkenntnisse, die die Funktionsweise unseres Erbguts und auch die Entstehung einiger Krankheiten erhellen.


scinexx

Alle unsere Zellen tragen das gleiche Erbgut, aber je nach Gewebe und Zelltyp ist jeweils ein anderer Teil davon aktiv und wird abgelesen. Reguliert wird dies über das sogenannte Epigenom – Modifikationen der DNA, die an bestimmten Stellen das Ablesen blockieren. Dies kann durch Anlagerungen von Methylgruppen geschehen, aber auch durch die Faltung der DNA und die Verpackung des Erbguts mit Hilfe von Hüllproteinen.

Stammbaum der Zelltypen

Was jedoch bisher fehlte, war eine umfassende Kartierung, die zeigt, welche epigenetischen Modifikationen für welche Gewebe und Zelltypen typisch sind. Diese Referenz hat das internationale Roadmap Epigenomics Consortium nun geliefert. Für das Projekt analysierten die Forscher das Epigenom von 111 verschiedenen Zelltypen und Geweben. Darunter waren sowohl Zellen aus dem erwachsenen menschlichen Körper als auch unreifes Gewebe aus Embryonen und Stammzellen aus befruchteten Eizellen.

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CDU-Politiker wollen Moscheeverein Al-Nur verbieten

Umstritten. Die Al-Nur-Moschee in Neukölln steht in der Kritik. – Foto: picture alliance / dpa
Aus für die Al-Nur-Moschee? Die CDU versucht, den Trägerverein per Antrag im Bezirksparlament verbieten zu lassen.


Von Fatina Keilani|DER TAGESSPIEGEL

Die jüngste Rede eines weiteren Hetzpredigers brachte das Fass zum Überlaufen: Neuköllns CDU will jetzt den Trägerverein der Al-Nur-Moschee verbieten lassen. Per Antrag soll zunächst erreicht werden, dass die Bezirksverordnetenversammlung einen entsprechenden Beschluss fasst. Danach wäre die Innenverwaltung dran. Sie soll den Verein „bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen“ verbieten, heißt es im Antrag.

Wenn es für ein Verbot nicht reiche, solle wenigstens versucht werden, dem Verein die Gemeinnützigkeit abzuerkennen, sagt Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU).

Niemand konnte die Frage beantworten, warum dies nicht schon längst geschehen ist. Liecke ist derzeit kommissarisch Bürgermeister von Neukölln, da Heinz Buschkowsky (SPD) bereits weg und seine Nachfolgerin Franziska Giffey (SPD) noch nicht im Amt ist. Es könnte daher ihm zufallen, Innensenator Frank Henkel (CDU) zu aktivieren.

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Bremische Bürgerschaft verurteilt beleidigende Predigt

Tiere urban
urbaner Mythos Tier (CC-by-sa/3.0 by Magnus Manske)
Die Bremische Bürgerschaft hat die umstrittene Predigt des Bremer Pastors Olaf Latzel (47) scharf verurteilt, in der er andere Religionen beleidigt.


evangelisch.de

Die Bürgerschaft distanziere sich von allen Versuchen, unter dem Deckmantel von Predigt und Schriftauslegung Hass gegen Anders- und Nichtgläubige zu verbreiten, heißt es in einer Entschließung, die am Mittwoch parteiübergreifend verabschiedet wurde. „Das ist nicht unser Bremen“, sagte Bremens Bürgermeister und Kirchensenator Jens Böhrnsen (SPD) nach der Debatte im Landtag.

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Erdogan: Feministinnen sind unislamisch – er hat Angst vor ihnen

erdogan-sultanErdogan beklagte, er sei von Feministinnen attackiert worden, weil er gesagt habe, Frauen seien dem Schutz des Mannes anvertraut worden. Er konterte damit, die Frauenbewegung habe «nichts mit unserem Glauben und unserer Kultur zu schaffen».


kath.net

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Position der Frauenbewegung in der Frage der Gleichstellung der Geschlechter als unislamisch kritisiert. Zugleich verteidigte er in einer Rede seine eigene Auffassung von der Rolle der Frau, die von Gott zur Schutzbefohlenen erklärt worden sei, wie die türkische Presse am Mittwoch meldete.

Erdogan beklagte, er sei von Feministinnen attackiert worden, weil er gesagt habe, Frauen seien dem Schutz des Mannes anvertraut worden. Er konterte damit, die Frauenbewegung habe «nichts mit unserem Glauben und unserer Kultur zu schaffen».

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Salomos Tempel in São Paulo

Größer als die Kathedrale von São Paulo: der 55 Meter hohe Tempel, Bild: Jüdische Allgemeine
Evangelikale Christen haben das Jerusalemer Heiligtum nachgebaut


Von Klaus Hart|Jüdische Allgemeine

In Lateinamerikas Wirtschaftshauptstadt São Paulo hat die evangelikale »Universalkirche vom Reich Gottes« für umgerechnet mehr als 100 Millionen Euro eine beeindruckende Nachbildung des Jerusalemer Tempels von König Salomo errichtet. Zur Einweihung im Herbst kamen neben Staatschefin Dilma Rousseff die gesamte politische Führungsriege und die wichtigsten Repräsentanten der jüdischen Gemeinde des Tropenlandes.

Für die jüdische Gemeinde gibt es gewichtige Gründe, die für ein pragmatisch gutes Verhältnis zu den Evangelikalen sprechen. Claudio Lottenberg, Präsident der Israelitischen Konföderation Brasiliens (CONIB), macht aus seiner Bewunderung für den 55 Meter hohen Tempel – er ist deutlich größer als die Kathedrale von São Paulo – keinen Hehl. Der Gemeindechef nennt ihn »einzigartig und prachtvoll«, »einen Markstein für die Welt«. Der Universalkirche und ihrem religiösen Führer, Bischof Edir Macedo, sei ein großes Werk gelungen.

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Kardinal Kasper sieht Parallelen zwischen Martin Luther und Papst Franziskus

ekd_reformation_magazin300Papst Franziskus steht mit seinem Reformprogramm nach Ansicht von Kardinal Walter Kasper in der Tradition kirchlicher Erneuerungsbewegungen.


evangelisch.de

Wie einst bei Martin Luther (1483-1546) sei für das katholische Kirchenoberhaupt dabei das Evangelium maßgeblich, schreibt der emeritierte Kurienkardinal in einem Beitrag für die Wochenzeitung „Die Zeit“. „Mit seinem evangelischen Programm greift er die ursprüngliche Botschaft der Kirche ebenso wie das Bedürfnis der Gegenwart auf und setzt zur Erneuerung an. Damit passt er weder in ein traditionalistisches noch in ein progressives Schema“, erläuterte Kasper.

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Iran: Saman Naseem soll wegen „Feindschaft zu Gott“ hängen

Foto: picture-alliance/ dpa Mitglieder von Amnesty International stehen auf dem Potsdamer Platz in Berlin hinter einem Galgen und demonstrieren mit einem Plakat gegen die Todesstrafe gegen Minderjährige im Iran
Ein junger Iraner ist zum Tode verurteilt worden, am Donnerstag soll das Urteil vollstreckt werden. Der eigentliche Skandal: Er war zum Zeitpunkt seiner „Straftaten“ minderjährig.


Von Dietrich Alexander|DIE WELT

Saman Naseem soll sterben. Am Donnerstag. Durch den Strang. Mit 21 Jahren. Sein „Vergehen“: Mitgliedschaft in der im Iran verbotenen Partei PJAK (Partei für ein Freies Leben in Kurdistan) und die Teilnahme an einer bewaffneten Auseinandersetzung mit den Revolutionsgarden in der Stadt Sardasht, Provinz West-Aserbaidschan. Das war im Juli 2011, da war Saman Naseem minderjährig, 17 Jahre alt. Im April 2013 fügten die Ankläger des Mullah-Staates noch Feindschaft zu Gott (moharebeh) und Korruption/Verdorbenheit auf Erden (ifsad fil-ard) hinzu, damit am Ende der Prozessfarce wirklich nur eins stehen konnte: ein Todesurteil.

Und so kam es: Das Todesurteil wurde im Dezember 2013 durch den Obersten Gerichtshof bestätigt und nach weiteren zehn Monaten im Orumije-Gefängnis im Westiran im September 2014 an die Vollstreckungsbehörde weitergeleitet. Naseem hatte noch 2011 im Staatsfernsehen ein Schuldgeständnis abgegeben, ein Mitglied der iranischen Eliteeinheit erschossen zu haben.

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IS-Anführer al-Bagdadi: Kopf des Kalifats

Abu Bakr al-Bagdadi: Vom Doktor der Theologie zum Terrorführer des IS Bild: süddeutsche.de
  • IS-Oberhaupt Abu Bakr al-Bagdadi gilt als gefährlichster Terrorist der Welt.
  • Ein Team von SZ und ARD hat nun bisher unbekannte Fotos und Dokumente aus der Vergangenheit des selbsternannten Kalifen gefunden.
  • Sie zeichnen das Bild eines promovierten Theologen, der früh die Macht lieben lernte. Für eine Abstammung vom Propheten Mohammed, vom IS immer wieder behauptet, finden sich hingegen keine Belege.
  • Die SZ berichtet auf der Seite Drei ihrer Donnerstagsausgabe über das Leben al-Bagdadis. Die ARD zeigt am Mittwochabend eine 15-minütige Dokumentation in der Sendung „Anne Will“.

Süddeutsche.de

Abu Bakr al-Bagdadi gilt heute als gefährlichster Terrorist der Welt, aber die Welt weiß nicht viel über ihn. Der selbsternannte Kalif des Islamischen Staates meidet die Öffentlichkeit, bisher gab es nur wenige Fotos von ihm, wesentliche Details seiner Biographie waren ungeklärt.

Einem Team von Süddeutscher Zeitung und ARD ist es nun gelungen, sechs bisher unbekannte Fotos und zahlreiche Dokumente aus seinem Leben zu finden. Darunter befinden sich Kopien seines Abitur-Zeugnisses (glänzender Mathematiker, aber sitzengeblieben), seiner Studenten-Akte der Universität Bagdad sowie seiner Staatsbürgerschaftsurkunde.

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