Dedes zweite Chance im Kirchenasyl


Ein Kirchenturm © H. Füller @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Das Kirchenasyl steht in der Kritik des Bundesinnenministers. Er wirft den den Kirchen vor, sich über bestehende Gesetze hinwegzusetzen. Die Kirchen wehren sich. Ein Besuch bei einer Berliner Gemeinde, die dem Nigerianer Osobie Kirchenasyl gewährt hat.


Von Corinna Buschow|MiGAZIN

Wenn es das Kirchenasyl für ihn nicht gegeben hätte, wäre Chinedu Osobie vielleicht schon tot. “Oder ich wäre Amok gelaufen”, sagt der Nigerianer. “Egal wie: Sie hätten mich nur in einem Sack aus Deutschland bekommen.” Der 45-Jährige lebt seit 1993 in Deutschland. Geflohen war er vor dem Bürgerkrieg in Sierra Leone, in den ihn sein Bruder zwang. Er hat in Deutschland geheiratet. Die Ehe ging schief. 2003 kam die Scheidung. “Ich kam nicht mehr klar, habe Fehler gemacht”, sagt Osobie. Er nahm Drogen, verkaufte sie auch, wurde erwischt und kam ins Gefängnis. Es folgten die Abschiebedrohung und mehrere Selbstmordversuche, erzählt Osobie.

Seit Mai vergangenen Jahres gewährt ihm eine Kirchengemeinde in Berlin-Mitte Asyl. In direkter Nachbarschaft der Sophienkirche hat er derzeit eine Ein-Zimmer-Wohnung. Nur wenige Gehminuten entfernt liegt der Hackesche Markt, auch zum Alexanderplatz ist es nicht weit. Vom lebendigen Trubel der Hauptstadt hat Osobie in den vergangenen acht Monaten trotzdem wenig mitbekommen. Er durfte das Kirchengrundstück nicht verlassen, um sich nicht zu gefährden. Nur hier war er wirklich vor der Polizei sicher. So lautete seine Regel im Kirchenasyl.

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