Dodo im Luther-Wahn


Margot-Kässmann

Lutherbotschafterin Margot Käßmann reist derzeit durch die USA, um für das Reformationsjubiläum zu werben. Neben der Freude amerikanischer Christen über das anstehende Fest trifft sie auch auf Sorge über eine Islamisierung Westeuropas.


pro Medienmagazin

pro: Frau Käßmann, Sie führen bei Ihrer USA-Reise Gespräche mit Vertretern der Kirchen, aber auch jüdischer Einrichtungen. Derzeit protestieren wöchentlich Tausende auf deutschen Straßen gegen eine Islamisierung Europas. Teilen Juden und Christen in den USA die Sorgen von Pegida mit Blick auf Europa?

Margot Käßmann: Ich war in San Francisco zu einer Veranstaltung zu diesem Thema in einer Synagoge eingeladen. Das Interesse war sehr groß. Mich hat allerdings erschreckt, wie wenig differenziert das Bild vom Zusammenleben der Religionen in Europa ist. Viele meinen, es gebe tatsächlich eine Art Islamisierung in Westeuropa und Juden täten gut daran, nach Israel auswandern. Im Gespräch mit Rabbiner Brad Artson an der American Jewish University in Los Angeles zeigte sich allerdings ein wesentlich differenzierteres Bild der Lage. Und er hat großes Interesse an einem Dialog über die „Judenschriften“ Martin Luthers.

pro:Gibt es auch eine Sorge vor einer wachsenden Islamisierung in den USA und wenn ja, wie gehen die Kirchen damit um?

Margot Käßmann:Diese Sorge habe ich nicht angetroffen. Aber die Kirchen und auch die theologischen Fakultäten, mit denen ich im Gespräch war, setzen intensiv auf interreligiösen Dialog. Das erscheint manchen wesentlich wichtiger als innerchristliche ökumenische Diskussionen.

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