Moscheebauer Erdoğan


erdogan-sultanDie Staatsführung in Ankara lässt von Kasachstan bis Kuba Gotteshäuser errichten. Die Projekte dienen der Inszenierung der Türkei als selbstbewusste Regionalmacht und „einzige Hoffnung der Muslime in der Welt“.


Von Susanna Güsten|Die Presse

Die kleine Gemeinde der rund 3500 Muslime auf Kuba muss bisher ohne eigene Moschee auskommen. Recep Tayyip Erdoğan will das ändern. Bei einem Besuch auf der Karibikinsel trug der türkische Präsident vor einigen Tagen der kubanischen Regierung den Plan Ankaras vor, in Havanna die erste Moschee des Landes zu errichten – als Vorbild dient ein bekanntes Gotteshaus im Istanbuler Stadtteil Ortaköy am Bosporus. Er habe der kubanischen Regierung den Plan unterbreitet, sagte Erdoğan in Havanna.

Doch auch die Saudis wollen den Kubanern eine Moschee spendieren. Falls Kuba das Gotteshaus schon den Saudis versprochen habe, wolle die Türkei eben in einer anderen Stadt die Kopie der Ortaköy-Moschee hinstellen, sagte Erdoğan. Dem staatlichen türkischen Religionsamt zufolge ist ohnehin geplant, in Santiago an der Südküste eine Moschee zu errichten.

Nun könnte man fragen, ob die Türkei keine anderen Sorgen hat, als in fernen Ländern mit winzigen muslimischen Gemeinden Moscheen zu bauen. Doch für Erdoğan, der seine „neue Türkei“ als selbstbewusste Regionalmacht präsentieren will, gehören die Gotteshausprojekte zur Außenpolitik und zum Selbstverständnis als muslimische Führungsnation.

weiterlesen