Holocaust als karmischer Ausgleich


SS führt Juden ab. Bild: grossmanproject.net
Die Reinkarnationsvorstellung, oft gekoppelt an die Karmatheorie, hat ihre Wurzeln primär in den fernöstlichen Glaubensvorstellungen. Diese religiöse Idee, vor allem im Hinduismus und Buddhismus zu finden, ist sehr alt, hat eine fatalistische Komponente und passt schlecht in ein modernes Weltbild.


Von Hugo Stamm|Tages Anzeiger

Heute bauen wir das Zusammenleben, die gesellschaftlichen Ordnungen und Gesetze darauf auf, dass der Einzelne ein autonomes Wesen ist, das für sein Tun die Verantwortung trägt.

Das Konzept von der Wiedergeburt geht hingegen davon aus, dass Menschen Einflüssen ausgesetzt sind, die angeblich mit früheren Leben zu tun haben oder auf kommende ausstrahlen. Zwei Beispiele: Gute Taten im aktuellen Leben können zu einer Belohnung im nächsten führen. Fromme Hindus denken dabei gern an einen Aufstieg im Kastensystem. Oder: Wer in einem früheren Leben jemanden umgebracht hat, muss damit rechnen, dass er später selbst Opfer eines Verbrechens wird, auch wenn er ein vorbildliches Leben führt. Ein solch fatalistisches Weltbild lässt sich schlecht mit modernen psychologischen, sozialen oder pädagogischen Erkenntnissen oder Grundsätzen vereinbaren.

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1 Comment

  1. so auch bei UL >> „Wir ernten in diesem Leben, was wir in einem vorigen gesät haben! Wie wäre es sonst anders zu erklären, wenn einen schon in jungen Jahren ein schwerer Schicksalsschlag trifft? Wie wäre es zu erklären (wenn man den Zufall und eine Ungerechtigkeit Gottes ausschließt), wenn nicht durch das Verursacherprinzip?“ heißt es unter der Überschrift „Gottes Gerechtigkeit. ‚Was Du säst, wirst Du ernten'“ im Christusstaat Nr. 9, 1988. Und die Saat, die der Christusstaat da säte, ging in UL-Anhänger Klaus Meurer noch im selben Leben auf und konnte in einem Vortrag, den er hielt, geerntet werden, wo er sinngemäß äußerte: „Die Juden im Dritten Reich seien wahrscheinlich reinkarnierte Seelen von Sklavenhändlern im Alten Rom gewesen. Nach ‚Göttlichem Gesetz‘ seien sie unter Hitler eben ‚dran gewesen‘.“ („Universelles Leben: Die Prophetin und ihr Management“, Hans-Walter Jungen, Pattloch Verlag, 1996). Zwar klagte Meurer auf Schwärzung der Passage in diesem Buch, das Gericht hielt jedoch „die Erklärungen der Zeugen und des Antragsgegners [Jungen] für glaubhaft und ist von ihrer Richtigkeit überzeugt […] Es erscheint nicht vorstellbar, daß die behauptete Äußerung des Antragstellers ihrer Phantasie entsprungen ist. Andererseits ist diese Erklärung dem Antragsteller durchaus zuzutrauen. Dieser hat nach seiner eigenen Darstellung […] u.a. folgendes geäußert: ‚Sie spekulieren darüber, was diese Menschen, die in den Konzentrationslagern umkamen, nun ihrerseits für Belastungen hatten. Das will ich nicht tun, weil ich davon ausgehe: Das Gesetz arbeitet präzise. Die Nazis, die Gestapoleute sind sicherlich, deskriptiv gesehen, Vollstrecker des Schicksals… Obwohl es für den, der ermordet wird, karmisch dran ist, um es salopp zu sagen, belastet sich der, der es tut und muß gewärtigen, daß er gleiches oder ähnliches erleben muß; es sei denn er bereut und anerkennt und tut Buße… Sie wissen ja nicht, wer in diesen Juden inkarniert war. … Das müssen nicht schon die Juden vom alten Israel gewesen sein. Sondern das sind Menschen, die sich inkarniert haben und zu deren Schicksal es offensichtlich gehörte, einen solchen Tod als Ausgleich selbstbewirkter Schuld zu erleiden.‘ Dies sind Äußerungen, die sich im Detail von derjenigen unterscheiden, welche Gegenstand des vorliegenden Rechtsstreits ist, sich jedoch in offensichtlicher geistiger Nähe zu dieser befinden.“ (Urteil des Hanseatischen Oberlandesgerichts, Az. 7U 98/96 – 324 O 56/96, verkündet am 10. September 1996).

    Sind dies etwa Einzelmeinungen, peinliche Ausrutscher? Keineswegs, es ist nicht nur konform mit der Lehre des UL (und gilt übrigens nicht nur für Menschen: „Wenn z. B. ein Übernächster
    Übernächste: In der Sprache des UL werden zunächst einmal nichtmenschliche Tiere als „Übernächste“ (im Gegensatz zu den Nächsten, den Menschen) bezeichnet („Der Mensch und der Übernächste, das Tier“ heißt es beispielsweise in „Das Leben mit unseren Tiergeschwistern“), es scheinen auch andere Organismen sowie anorganische Stoffe einbezogen zu sein: „Was du nicht willst, daß man dir tu, das füge auch keinem anderen zu. Der ‚andere‘ ist auch der Übernächste. Auch Pflanzen und Steine leben. Auch Pflanzen und Steine empfinden.“ (a. a. O)
    in einer Vorinkarnation zum Jagdhund erzogen wurde […] dann trägt auch das Teilseelchen noch das Schnupperbild des Leides […] in sich“, „Das Verlangen nach Fleisch – Eine Programmierung aus Vorinkarnation“ aus „Das Leben mit unseren Tiergeschwistern. Du, das Tier – Du, der Mensch. Wer hat höhere Werte?“).

    Und der offen antisemitische Christusstaat Nr. 9 ist keineswegs allein in Murers Verantwortung entstanden. Im Impressum heißt es: „Der CHRISTUSSTAAT INTERNATIONAL ist das Wort der Bundgemeinde Neues Jerusalem im Universellen Leben. […] Die Texte dieser Ausgabe stammen von mehreren Gliedern der Bundgemeinde Neues Jerusalem im Universellen Leben, die nicht extra genannt sein wollen. In einer demokratischen Abstimmung beschloß die Vollversammlung der Bundgemeinde Neues Jerusalem, daß der Inhalt dieser Zeitung veröffentlicht werden soll.“ Und Andrea Wasch, 2. UL-Vorsitzende, rechtfertigt in einem Leserbrief diesen Christusstaat damit, es „[d]iese Zeitschrift […] seit Jahren nicht mehr [gibt]“ (wobei sich fragt, wie die Tatsache, daß „Christusstaat“ in „Das weiße Pferd“ umbenannt wurde, antisemitische Inhalte irgendwelcher früheren Ausgaben revidieren soll) und paraphrasiert und zitiert eben jene Murerschen Ausflüchte (MIZ, Materialien und Informationen zur Zeit, Nr.4, 2001). <>Konkret bedeutet das Aussagen über Asylsuchende wie diese (Asylanten: Warum kommen sie? in Christusstaat, Oktober 1992): „Die weltweiten Flüchtlingsströme sind nicht mehr aufzuhalten […] Sind sie bereits dabei, die ‚Festung Europa‘ zu überrollen? […] Was der Mensch sät, das muß er ernten. Die Saat der Gewalt geht nun auf. […] So findet derzeit eine Durchmischung der Menschen statt, wie wohl nie zuvor. […] Wenn ich in früheren Erdenleben in anderen Ländern inkarniert war und dort karmische Fäden ‚gewirkt‘ habe, so kann es auch durch die Fluchtbewegungen heute evt. zu einer notwendigen Begegnung kommen. […] Das heißt, man sollte nicht leichtfertig sagen: Ich verlasse jetzt meinen Heimatort und gehe an einen anderen Ort. Denn: Ich habe mich an diesem Ort auf dieser Erde inkarniert, zu solchen Menschen, mit denen ich etwas zu bereinigen oder abzutragen habe.“ Doch die Karma-Lehre ist für Revisionismus noch weit nützlicher: „Wir ernten in diesem Leben, was wir in einem vorigen gesät haben! Wie wäre es sonst anders zu erklären, wenn einen schon in jungen Jahren ein schwerer Schicksalsschlag trifft? Wie wäre es zu erklären (wenn man den Zufall und eine Ungerechtigkeit Gottes ausschließt), wenn nicht durch das Verursacherprinzip?“ heißt es unter der Überschrift „Gottes Gerechtigkeit. ‚Was Du säst, wirst Du ernten'“ im Christusstaat Nr. 9, 1988. Die Saat, die der Christusstaat da säte, ging in UL-Anhänger Klaus Meurer noch im selben Leben auf und konnte in einem von ihm gehaltenen Vortrag geerntet werden, wo er sinngemäß äußerte: „Die Juden im Dritten Reich seien wahrscheinlich reinkarnierte Seelen von Sklavenhändlern im Alten Rom gewesen. Nach ‚Göttlichem Gesetz‘ seien sie unter Hitler eben ‚dran gewesen‘.“ (Universelles Leben: Die Prophetin und ihr Management, Hans-Walter Jungen, Pattloch Verlag, 1996). Bei seiner vergeblichen Klage auf Schwärzung der Passage äußerte er zudem: „Sie spekulieren darüber, was diese Menschen, die in den Konzentrationslagern umkamen, nun ihrerseits für Belastungen hatten. Das will ich nicht tun, weil ich davon ausgehe: Das Gesetz arbeitet präzise. Die Nazis, die Gestapoleute sind sicherlich, deskriptiv gesehen, Vollstrecker des Schicksals… Obwohl es für den, der ermordet wird, karmisch dran ist, um es salopp zu sagen, belastet sich der, der es tut und muß gewärtigen, daß er gleiches oder ähnliches erleben muß; es sei denn er bereut und anerkennt und tut Buße… Sie wissen ja nicht, wer in diesen Juden inkarniert war. … Das müssen nicht schon die Juden vom alten Israel gewesen sein. Sondern das sind Menschen, die sich inkarniert haben und zu deren Schicksal es offensichtlich gehörte, einen solchen Tod als Ausgleich selbstbewirkter Schuld zu erleiden.“ (Urteil des Hanseatischen Oberlandesgerichts, Az. 7U 98/96 – 324 O 56/96, 10. September 1996). Dies sind keineswegs, wie gern behauptet, Einzelmeinungen oder „Ausrutscher“. Eine ganze Ausgabe der Zeitschrift Christusstaat (Nr. 9, 1991) war antisemitischer Hetzpropaganda gewidmet: abstruse Verschwörungstheorien über die „Weltherrschaft der Illuminaten“, die „Protokolle der Weisen von Zion“
    UL-Antisemitismus
    Antisemitische Propaganda im Christusstaat Nr. 9, 1991
    und das „Weltjudentum“. Die Ausgabe – der verantwortliche Redakteur, German Murer, ist heute Herausgeber des Brennglas-Verlags – basiert nahezu ausschließlich auf Werken einschlägiger antisemitischer Autoren (dazu u.a. diversen UL-Schriften sowie Bibelzitaten). Im Impressum heißt es: „Der CHRISTUSSTAAT INTERNATIONAL ist das Wort der Bundgemeinde Neues Jerusalem im Universellen Leben. […] Die Texte dieser Ausgabe stammen von mehreren Gliedern der Bundgemeinde Neues Jerusalem im Universellen Leben, die nicht extra genannt sein wollen. In einer demokratischen Abstimmung beschloß die Vollversammlung der Bundgemeinde Neues Jerusalem, daß der Inhalt dieser Zeitung veröffentlicht werden soll.“ Auch Andrea Wasch, 2. Vorsitzende des Universellen Lebens, rechtfertigt diesen Christusstaat damit, daß es „[d]iese Zeitschrift […] seit Jahren nicht mehr [gibt]“ (MIZ, Nr. 4, 2001), wobei sich fragt, wie die Tatsache, daß Christusstaat in Das weiße Pferd umbenannt wurde, antisemitische Inhalte irgendwelcher früheren Ausgaben revidieren soll. Und paraphrasiert und zitiert Murersche Ausflüchte (Main-Post, 7. Februar 1995), die nichts als eine Schuldumkehr sind: die unmißverständlich antisemitische Propaganda seiner Artikel sei falsch verstanden worden. Wem das immer noch nicht genügt: Wittek selbst schreibt in ihrem Hauptwerk Das ist Mein Wort: „Ich, Christus, erkläre, berichtige und vertiefe das Wort: […] Prüft euch und euer Leben, ob ihr nicht in kleinen und in großen Dingen ähnlich denkt, redet und handelt wie die Juden der damaligen Zeit. Auf diese Weise werden viele zum Judas. Sie werden dafür zu tragen haben – wenn nicht mehr in dieser Einverleibung, dann in den Seelenreichen oder in einer der nächsten Fleischwerdungen; denn was der Mensch sät, das wird er ernten. Seit nahezu 2000 Jahren ernten die Juden von einer Fleischwerdung zur anderen, was sie damals und auch in ihren weiteren Einverleibungen gesät haben [meine Hervorhebung] – bis sie ihren Erlöser an- und aufnehmen und das bereuen, was sie verursacht haben.“ Es ist also Gabriele Wittek, die mit der Karma-Lehre die Massenmorde der Christen und Nazis an Juden relativiert (bzw. nach UL-Ansicht Jesus selbst).<< http://antispe.de/txt/ul.html

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