Koalitionsstreit um das Deutsche Institut für Menschenrechte

Plakat des Instituts für Menschenrechte, Bild: heise.de
In der Großen Koalition gibt es Streit über die Zukunft des Deutschen Instituts für Menschenrechte (DIMR). Das oftmals regierungskritische Institut benötigt dringend eine gesetzliche Grundlage – und die CDU will diese Gelegenheit offenbar nutzen, um dem Institut einen Maulkorb bei den Vereinten Nationen zu verpassen.


Von Silvio Duwe|TELEPOLIS

Das Deutsche Institut für Menschenrechte ist eine unangenehme Institution. Immer wieder nimmt es Stellung zu tagespolitischen und allgemeinen Problemen im Bereich der Menschenrechte – nicht zur Lage im Ausland, sondern zu der in der Bundesrepublik. Zuletzt kritisierte das DIMR deutlich Pläne aus der Union, weitere Balkanländer zu so genannten „sichere Drittstaaten“ zu erklären, um Flüchtlinge aus Osteuropa schneller abschieben zu können.

Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Stephan Mayer (CSU) hatte gefordert, Albanien, Kosovo und Montenegro zu sicheren Herkunftsstaaten zu erklären. Bei Flüchtlingen aus diesen Ländern wird angenommen, dass sie nicht verfolgt werden – ihre Anträge können daher vergleichsweise schnell als unbegründet abgewiesen werden. Gegen die Ablehnung kann aufgrund verkürzter Fristen nur schwer Widerspruch eingelegt werden.

Das DIMR wies in der Folge darauf hin, dass sich die Gefährdungssituation für Minderheiten in allen Ländern auch „versteckt und schleichend“ entwickeln könne, so dass in jedem Einzelfall geprüft werden müsse, ob ein Flüchtling schutzbedürftig sei oder nicht. Eine Garantie dafür, dass ein Staat sicher sei, könne es nicht geben. Zudem werde in Deutschland zu wenig berücksichtigt, dass auch eine Vielzahl minder schwerer Menschenrechtsverletzungen gegen eine Einzelperson zu einer existenziellen Bedrohungssituation für diese führen könne.

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Heiliges Land und säkularer Staat

In Israel findet sich sehr viel mehr Frömmigkeit als in Deutschland. (imago / upi-Foto)
Hierzulande spielt Religion meist eine untergeordnete Rolle, in weiten Teilen gar keine mehr. Ganz anders in Israel. Zwar beobachtet man auch dort eine Säkularisierung, im heiligen Land sind die Menschen aber deutlich frommer.


Von Stefanie Oswalt|Deutschlandradio Kultur

Ein Bild von Israel: Die Altstadt von Jerusalem. Im Schatten von Klagemauer, Felsendom und Grabeskirche wetteifern orthodoxe Juden mit Schläfenlocken und schwarzen Hüten, christliche Mönche und Priester unterschiedlichster Konfessionen und Muslime in ihrer Frömmigkeit.

Ein anderes Bild: Auch am Shabbat räkeln sich Bikini-Schönheiten am Strand von Tel-Aviv. In den Strandbars genießen Touristen wie Einheimische gleichermaßen Schinken und Shrimps – nach den traditionellen jüdischen Speisegesetzen unkoshere Lebensmittel. Zwischen diesen Polen bewege sich das religiöse Leben in Israel, schreibt der Historiker Michael Brenner von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Der Spezialist für jüdisches Leben im 20. Jahrhundert hat eine neue Studie über die Rolle der Religion in Israel geschrieben und ihr den Titel „eine gespaltene Gesellschaft“ gegeben.

„Etwa 75 Prozent der israelischen Bevölkerung sind Juden. Gut die Hälfte von ihnen bezeichnet sich als säkular, ein knappes Viertel als traditionell, und ein weiteres Viertel als orthodox bis ultra-orthodox, von superzionistisch bis antizionistisch, von orientalisch bis europäisch geprägt aufgesplittert. Die arabische Bevölkerung macht ein knappes Viertel der Gesamtbevölkerung des Staates Israel aus. Etwa 84 Prozent von ihnen sind Muslime, darunter auch verschiedene Beduinengruppen, jeweils 8 Prozent der nichtjüdischen Bevölkerung sind Drusen oder Christen. Letztere gehören unter anderem den griechisch orthodoxen, syrisch orthodoxen, römisch-katholischen, protestantischen, melkitischen, armenischen, koptischen  und abessinischen Kirchen an.“

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US-Heimatschutzminister spricht von neuer Phase terroristischer Bedrohung

Image: trunewsusa.
  • Al-Shabaab, die radikal-islamische Miliz aus Somalia, ruft ihre Anhänger im Ausland zu Anschlägen auf Einkaufszentren auf.
  • Als mögliche Anschlagsziele werden die „Mall of America“ im US-amerikanischen Minnesota und die „West Edmonton Mall“ in Kanada genannt.
  • US-Heimatschutzminister Jeh Johnson spricht von einer neuen Phase der globalen terroristischen Bedrohung.


Süddeutsche.de

USA nehmen Aufruf zu Anschlägen ernst

Die US-Regierung hat sich besorgt über einen mutmaßlichen Aufruf somalischer Islamisten zu Anschlägen auf Einkaufszentren im Westen geäußert. Jeder Aufruf einer terroristischen Organisation zu einem Angriff auf einen konkreten Ort müsse ernst genommen werden, sagte Heimatschutzminister Jeh Johnson dem Sender CNN.

Er reagierte damit auf ein Video, das der radikal-islamischen Al-Shabaab-Miliz zugeschrieben wird. Darin werden Anhänger im Ausland aufgefordert, Anschläge auf Einkaufszentren wie die Mall of America im US-Bundesstaat Minnesota und die West Edmonton Mall in Kanada zu verüben. Genannt werden auch die Oxford Street in London und Standorte in Paris.

2013 hatte Al-Shabaab die Verantwortung für einen Angriff auf ein Luxus-Einkaufszentrum in Nairobi übernommen. Damals wurden 67 Menschen getötet.

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Die Krise des Zionismus und die Ein-Staat-Lösung

Die Geschichte der Lösungsversuche der Palästina-Frage läuft auf die Minimierung der Rechte der Palästinenser hinaus. An der Frage des Rechtes auf Rückkehr und des Rechtes auf Selbstbestimmung wird dies besonders deutlich.


Von Ludwig Watzal|BETWEEN THE LINES

Seit den Verträgen von Oslo, die den so genannten Friedensprozess in Gang gesetzt haben, sind auch diese Rechte perdu. Die von der internationalen Staatengemeinschaft favorisierte Zwei-Staaten-Lösung an der Seite Israels ist ein Wunschtraum geblieben. „Alles deutet darauf hin, dass es überhaupt keine Lösung der Palästina-Frage geben wird, solange der Zionismus weiter besteht“, schreibt Petra Wild. In der Tat bildet diese Ideologie das zentrale Hindernis für eine Lösung des Nahostkonflikts zusammen mit der noch bedingungslosen Unterstützung des kolonialen zionistischen Siedlungsprojektes durch die USA und einige Staaten der Europäischen Union. Der Expansionismus bilde einen wesentlichen Teil der „Staatsräson“ des Zionismus.
Das Buch besteht aus zwei Teilen. Im ersten werden Themen wie der Oslo-Prozess, der zionistische Siedlerkolonialismus, die Risse im zionistischen Konsens infolge der zweiten Intifada, der Libanonkrieg und die Gaza-Massaker, die zum Verlust des Mythos der Unbesiegbarkeit beigetragen haben, die demographische Krise und der Verlust einer israelisch-jüdischen Mehrheit auf dem Gebiet des historischen Palästina sowie die allmähliche Abkehr der US-amerikanischen und der europäischen Judenheit von Israel behandelt.

Die Autorin weist auf die Unvereinbarkeit zwischen Liberalismus und Zionismus hin. „Beautiful Israel“ war immer eine Fata Morgana und hat sich zum „Albtraum“ entwickelt. Der liberale Zionismus sei dem Untergang geweiht, da seine Vertreter sich entscheiden müssen zwischen zionistischen und liberalen Positionen. „Beides geht – trotz aller Verdrängungs- und Rationalisierungsversuche – nicht mehr zusammen. Heute kann kaum übersehen werden, dass das israelische Herrschaftssystem den Kriterien der Apartheid entspricht und für viele liberale Juden ist die Unterstützung eines solchen Systems der reinste Horror.“ Diese „liberalen“ Zionisten haben nur zwei Möglichkeiten, so Wild, entweder sie hören auf, liberal zu sein und bekennen sich offen zu Apartheid und ethnischer Säuberung, wie Benny Morris und Avi Shavit, oder sie hören auf, Zionisten zu sein. Das die Probleme erst mit der Restbesetzung Palästinas im Jahr 1967 begonnen hätten, sei ein Mythos und die Lebenslüge der so genannten liberalen Zionisten.

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Bernd Lucke hetzt gegen Bildungspläne

Beim Aschermittwoch unterhielt Bernd Lucke sein Publikum mit Sprüchen über „Sadismus und Sodomie“, die nun angeblich Unterrichtsthema würden. Bild: QUEER.DE
Homophobie im Doppelpack: In einer Rede und auf Facebook kritisiert der AfD-Vorsitzende, dass LGBT-Themen auch außerhalb des Bio-Unterrichts angesprochen werden sollen.


Von Norbert Blech|QUEER.DE

AfD-Chef Bernd Lucke hat in den letzten Tagen gleich zweifach Stimmung gegen Schulaufklärung über sexuelle Vielfalt gemacht. So schrieb er am Sonntag in seinem viel beachteten Facebook-Profil, dass es „im Prinzip“ richtig sei, dass „Kinder im Rahmen der schulischen Bildung über sexuelle Vielfalt und beispielsweise Homosexualität aufgeklärt werden“. Dann schränkte er aber ein, das müsse „mit Maß und im richtigen Alter geschehen“.

Danach folgte reinster Populismus mit Falschdarstellungen: „Die sexualpädagogischen Neuerungen jedoch, die zurzeit in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Niedersachsen eingeführt werden, gehen zum Teil in erschreckender Weise darüber hinaus. Da sollen Kinder mit 12 oder 13 Jahren Stellungen ausprobieren (‚Sagt mir mal, was eure Lieblingsstellung bei Sex ist‘), da werden Massagen im Unterricht erprobt, die Kinder sollen dünne Kleidung tragen und sich gegenseitig massieren. Solcherlei wird von den Pädagogen ernsthaft vorgeschlagen und auch in Schulversuchen umgesetzt.“

Diese vermeintlichen Pläne, gegen die sich die AfD ausspreche, überschritten „jede vernünftige Grenze“ und seien „verstörend“, so Lucke. Er könne sich nicht vorstellen, dass Eltern „dies für ihre Kinder akzeptieren würden“, sagte er und rief diese Eltern quasi zum Widerstand auf: „Ich würde dagegen auf die Barrikaden gehen, wenn ich schulpflichtige Kinder hätte!“

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Durch die rosarote Datenbrille

Bas Kast wagt in seinem neuen Buch eine leichtfüßige Annäherung an die Kreativitätsforschung


Von Tanja Traxler|derStandard.at

Im sogenannten Virtual-Reality-Labor der Universität Nimwegen nahm alles seinen Anfang. Der Autor Bas Kast nimmt an einem Versuch teil, in dem er durch eine Datenbrille in eine völlig neue Welt katapultiert wird.

Wie diese Virtual Reality beschaffen ist, soll hier nicht weiter interessieren, Kast hat sie jedenfalls sehr gut gefallen und sogar zu einem „Klick“ verholfen, und er beschloss, die nächsten Monate der Erforschung eben jener Klick-Momente zu widmen. Sein nun erschienenes Buch „Und plötzlich macht es klick!“ liest sich wie ein Reiseführer durch die Kreativitätsforschung.

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Verschwörungstheorien: Die Mondlüge und Hitlers Unterkiefer

Die Mondlandung – nur inszeniert? (Imago Stock & People)
Hinter den Anschlägen von Paris stecken in Wirklichkeit die Amerikaner – oder: Der französische Staat wusste Bescheid und hat weggesehen. Die meisten Verschwörungstheorien gehen davon aus, dass eine Weltmacht hinter dem jeweiligen Unheil steckt.


Von Ulrich Gineiger|Deutschlandfunk

Je größer eine Lüge ist, desto leichter wird sie geglaubt – befand bereits Adolf Hitler, um den sich ebenfalls Verschwörungstheorien ranken. Er soll noch vor wenigen Jahren in einem U-Boot vor Südamerika gelebt haben. Wenn das stimmt (so erklärt uns der Rechtsmediziner Mark Bennecke), dann lief Hitler in seinem U-Boot ohne Unterkiefer herum. Den hat Bennecke persönlich in Moskau identifiziert – und die Verschwörungstheorie widerlegt.

Wir reden mit einem Professor, der sich seit Jahren mit diesen Theorien befasst, erfahren im Kölner Stadtteil Deutz, warum die Kondensstreifen der Flugzeuge angeblich dazu da sind, das Wetter zu manipulieren. Ein Filmemacher befasst sich mit Lichteffekten auf den Fotos der Mondlandung und widerlegt die Gemeinde derer, welche die Mondlandung für gefälscht hält. Ein Buchautor hat die gewagtesten Ursprünge der Verschwörungstheorien aufgelistet und sie erklärt.

Und schließlich gibt es eine Reportage aus Bielefeld, wo sich vor 20 Jahren Studenten einen Scherz erlaubten, indem sie Verschwörungstheoretiker auf den Arm nahmen: Bielefeld, erklärten sie, gebe es in Wirklichkeit nicht. Ihre Rechnung ging auf: Bis heute gibt es eine wachsende Gruppe von Zeitgenossen, die immer mehr „Beweise“ konstruieren, nach denen Bielefeld eine reine Kulissenstadt ist.

Die dänische Gesellschaft und ihre Verwerfungen

Nach den Anschlägen gingen in Kopenhagen rund 30.000 Menschen gegen den Terror auf die Straße. (picture alliance/dpa/Britta Pedersen)
Nach den Attentaten in Kopenhagen diskutiert die dänische Gesellschaft, wie es so weit kommen konnte. Knud Romer ist ein intensiver Beobachter von Fremdenfeindlichkeit im eigenen Land. Ein Gespräch über den Einzeltäter von Kopenhagen und die historischen Hintergründe von Antisemitismus und Islamophobie in Dänemark.


Knud Romer im Gespräch mit Karin Fischer|Deutschlandfunk

Nach den Attentaten in Kopenhagen, bei dem ein Filmemacher und der Wachmann einer Synagoge erschossen wurden, diskutiert die dänische Gesellschaft, wie es so weit kommen konnte. Die Analysen reichen von der Selbstbezichtigung, das Land sei islam- und fremdenfeindlich gesinnt, über die üblichen Appelle, die eigenen freiheitlichen Werte nicht aufzugeben, bis zur Diskussionen um den Wert von Meinungsfreiheit, wenn man sich damit zur Zielscheibe von Extremisten macht. Die will die dänische Regierung mit einem millionenschweren Programm bekämpfen.

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Peinliches Hakenkreuz-Graffiti an Hindu-Tempel: Ausländerhasser blamieren sich

Bild: youtube
Für ihre Intelligenz waren randalierende Nazis ja noch nie bekannt. Auch nicht für einen vorbildlichen Umgang mit Grammatik und Rechtschreibung. Diesmal haben sich Ausländerhasser in Washington aber einen so dämlichen Fehler geleistet, dass er schon fast wieder lustig ist.


Von Sabrina Hoffmann|Huffington Post

„Moslems raus“, schrieben sie an die Fassade eines Hindu-Tempels in der Stadt Bothell. Neben den Spruch sprühten sie ein großes Hakenkreuz.

Blöd, dass die unbekannten Täter eines nicht bedacht hatten: Das Hakenkreuz ist im Hinduismus ein religiöses Symbol, das für Frieden und Glück steht. Viele Hindu-Tempel sind mit einer Swastika verziert. Ein Twitter-Nutzer brachte die Ironie auf den Punkt:

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Baden-Württemberg: CDU-Spitzenkandidat Wolf für Burka-Verbot

Guido Wolf (2013), Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0 de/SvenTeschke
Der CDU-Spitzenkandidat für die baden-württembergische Landtagswahl im Frühjahr 2016, Guido Wolf unterstützt die Forderung der stellvertretenden CDU-Bundesvorsitzenden Julia Klöckner, die Burka in Deutschland zu verbieten. Eine solche Vollverschleierung widerspreche seinem Verständnis von menschlicher Begegnung und Kommunikation. „Ich fühle mich von einer Frau, die sich mit einer Burka verhüllt, bewusst ausgestoßen“, sagte Wolf in einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt (Ausgabe 21. Februar).


kath.net

Er hätte großes Verständnis für ein Burka-Verbot, so der Politiker, wenn es verfassungsrechtlich vertretbar sei.

Zur Frage, ob der Islam zu Baden-Württemberg gehört, sagte er: „Diese Aussage ist mir zu pauschal. Ich orientiere mich sehr stark an den Menschen.“

Das islamische Religionsgesetz, die Scharia, und Islamismus gehörten nicht zu Deutschland, wohl aber Muslime, „die sich an unsere Rechtsordnung halten“. Der Jurist Wolf – er ist römisch-katholisch – amtiert seit Oktober 2011 als Präsident des baden-württembergischen Landtags.

Gott ist (k)eine Option

Die Kirchen verlieren ihre Mitglieder, aber ihre Botschaft ist nach wie vor wichtig für die Gesellschaft Foto: Flickr/Trachtenland Hessen | CC BY-NC 2.0
Ohne Gott ist alles sinnlos. Das könnte die zentrale Botschaft der Kirchen in der Zukunft sein, stellt die Welt am Sonntag fest. Denn wenn Religion beliebig wählbar ist, wächst auch die Angst vor Fehlentscheidungen.


pro Medienmagazin

Die Katholische Kirche verliert ebenso wie die Evangelische immer mehr ihrer Mitglieder. Nicht einmal mehr die Hälfte der deutschen Bevölkerung gehört einer der beiden Großkirchen an, über 200.000 Menschen haben im vergangenen Jahr die Evangelische Kirche verlassen. Gleichzeitig „wird das Angebot der Freikirchen und Sekten, der Yogagurus und ‚Biodanza‘-Lehrer immer bunter“, schreibt die Wochenzeitung Welt am Sonntag.

Schmerzlich sei für die Volkskirchen die „Stabilität besonders glaubensfester christlicher Gruppen“. Zwar versammelten sich in den sechs größten Freikirchen insgesamt nur etwa 600.000 Gläubige – im Gegensatz zu 24,2 Millionen in der Katholischen und 23,4 Millionen in der Evangelischen Kirche. Doch die „Selbstgewissheit und Dynamik“ der Freikirchen beunruhige die großen kirchlichen Instititionen ebenso wie das „Selbstbewusstsein der Deutschen Evangelischen Allianz“. Zu diesem Netzwerk zählten sich rund 1,3 Millionen Christen, die einen bibeltreuen Protestantismus und politisch konservative Positionen verträten – jedoch mit variierender Radikalität.

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Religionen bewerten Religionen: Hilfe in der Szene der Sinnangebote

Vielfalt der Religionen (picture alliance / dpa / Collage Deutschlandradio)
Sekten- oder Weltanschauungsbeauftragte der christlichen Kirchen geben regelmäßig Expertisen über andere Glaubensgemeinschaften und religiöse Splittergruppen. Aber ist das objektiv und neutral, kann man den christlichen Einschätzungen trauen? Darüber debattierten in Berlin evangelische Theologen, ein Mormone und eine Buddhistin.


Von Thomas Klatt|Deutschlandfunk

„Der Begriff Apologetik ist aus der Mode gekommen, ganz klar, die Sache aber nicht. Es geht darum, auch unterscheidungsfähig zu bleiben, auskunftsfähig im Gegenüber zu anderen religiösen Bewegungen und Weltanschauungen. Und ich denke, in einer Zeit, in der der weltanschaulich-religiöse Pluralismus zunimmt, ist es notwendig auch ein eigenes Profil zu entwickeln und vor allem natürlich auch Unterschiede zu benennen.“

Der evangelische Theologe Matthias Pöhlmann. Er ist Ansprechpartner für Sekten, Psychogruppen, Neureligionen und Weltanschauungen bei der bayrischen Landeskirche. Er hält seine Aufgabe nicht für überholt. Einerseits könne sich im Internetzeitalter zwar jeder rund um die Uhr über Glauben in all seinen Facetten kundig machen. Andererseits gebe es mehr als nur die großen Kirchen und Weltreligionen. Die Szene der Sinnangebote werde immer unübersichtlicher. Da brauche es professionelle theologische Hilfe, wie sie etwa die Kirchen anbieten.

Sehnsucht nach spirituellen Meistern und Lehrerinnen

„Ich denke, wir können beobachten, dass die Zeit der großen Gruppen und Organisationen eher zurückgeht. Was wir beobachten können, das sind Kleinstgruppen, es sind Wohnzimmergurus wenn man so will. Dass sich im Bereich der Konfessionslosen auch Verbände gebildet haben, die den Anspruch haben, die ganzen Konfessionslosen zu vertreten. Dass es eher unorganisierte Formen gibt, also denken Sie an den Bereich der so genannten Esoterik-Szene, wo es eine sehr starke Fluktuation gibt. Und natürlich ungebrochen ist auch die Sehnsucht nach spirituellen Meistern und Lehrerinnen, die einem dann den wahren Weg zeigen.“

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IS: Leichenhandel aus Geldnot?

Bild: nationalreview.com
Bild: nationalreview.com
Der IS suche wegen sinkender Einnahmen aus dem Öl- und Antiquitätenschmuggel nach neuen Geldquellen.


kath.net

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) handelt einem Zeitungsbericht zufolge mit den Leichen getöteter kurdischer Kämpfer. Für ihre Herausgabe verlange der IS zwischen 10.000 und 20.000 Dollar (8.800 bis 17.600 Euro), berichtet die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» unter Berufung auf Sicherheitskreise.

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Zentralrat der Juden spricht Deutschland „hohes Vertrauen“ aus

Bild: brightsblog
Bild: brightsblog
Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat „nach wie vor ein hohes Vertrauen“ in die Bundesrepublik.


evangelisch.de

„Wir sind angekommen, wir bleiben. Wir leben hier unser jüdisches Leben“, sagte Zentralratschef Josef Schuster am Sonntag bei der Eröffnung der vierten Jüdischen Kulturtage im Rheinland in Düsseldorf. Unter dem Motto „angekommen – jüdisches (er)leben“ präsentiert sich die Vielfalt der jüdischen Kultur bis zum 22. März unter anderem mit Ausstellungen, Filmen, Lesungen und Musik.

Die Kulturtage zeugten von einer „Einzigartigkeit, wie sie gerade entsteht, wenn sich über Jahrhunderte Kulturen immer wieder neu vermischt haben – ohne die eigene Tradition, die eigene Religion zu verlieren“, erklärte Schuster.

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Sonnensturm trifft irdischen Strahlengürtel

Der Van Allen Gürtel der Erde – eine Hülle aus geladenen Teilchen © NASA
Dramatischer Treffer: Was passiert, wenn der Schutzschild der Erde von einem Sonnensturm getroffen wird, haben Forscher nun erstmals live beobachtet. Wie sich zeigte, reißt die gewaltige Energie der geladenen Wolke langsame Elektronen aus den Strahlengürteln der Erde mit und beschleunigt sie in nur 60 Sekunden auf nahezu Lichtgeschwindigkeit. Dadurch entstehen die gefährlichen ultraschnellen Teilchen, die Satelliten und Raumschiffe schädigen können.


scinexx

Unser Planet ist von einem doughnutförmigen Ring aus energiereichen geladenen Teilchen umgeben. Dieser Van-Allen-Gürtel enthält unter anderem eine Schicht, die wie ein Plasmaschild wirkt und energiereiche Teilchen von der Erde fernhält. 2012 enthüllten die seit 2012 im Strahlengürtel kreisenden NASA Zwillingssonden zudem, dass die normalerweise zweiteilige Hülle zeitweilig sogar eine dritte Schicht bekommt. Diese besteht aus extrem stark beschleunigten, sogenannten ultrarelativistischen Elektronen.

Abgeprallt und umgeleitet

Woher diese Elektronen kommen und wie sie so stark beschleunigt werden, war bisher aber nur in Teilen klar. Jetzt ist John Foster vom Haystack Observatory des MIT und seinen Kollegen hier ein echter Durchbruch gelungen. Denn dank der beiden Van Allen Probes der NASA konnten sie erstmals live beobachten, was geschieht, wenn ein Sonnensturm auf den Van Allen Gürtel trifft.

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Rund 400 Flüchtlinge im Kirchenasyl

justiz_grossUngeachtet der deutlichen Kritik durch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ist die Zahl der Kirchenasyle in den vergangenen Wochen weiter gestiegen.


evangelisch.de

Derzeit gibt es 226 Kirchenasyle mit mindestens 411 Flüchtlingen, wie die Zeitung „Die Welt“ (Montagsausgabe) unter Berufung auf die Ökumenische Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche berichtet. Im Vergleich zum Vormonat bedeutet dies ein Plus von 13 Prozent. Anfang 2014 hatte die Bundesarbeitgemeinschaft lediglich 34 Kirchenasyle gezählt.

Beim Kirchenasyl handelt es sich um eine befristete Aufnahme von Flüchtlingen ohne legalen Aufenthaltsstatus. De Maizière hatte vor einem Missbrauch des Kirchenasyls gewarnt. Der Parlamentarische Staatssekretär im Innenministerium, Ole Schröder (CDU), bekräftigte die Kritik am Handeln der Kirchen: „Ich finde es grundsätzlich problematisch, wenn Gruppen in einem demokratischen Rechtsstaat meinen, sich über das geltende Recht stellen zu können.“ Das gelte auch für Kirchen und andere Religionsgemeinschaften, sagte Schröder der „Welt“.

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Erste Experimente mit „schmelzsicherem“ Atomreaktor

Bild: heise.de
Die junge Kernkraftfirma Transatomic Power hat einen kostengünstigen und kompakten Reaktor entwickelt, der deutlich sicherer sein soll als die bislang verwendete Technik. Nun beginnen erstmals ernsthafte Tests.


Von Kevin Bullis|Technology Review

Hat Atomkraft noch eine Zukunft? Das amerikanische Start-up Transatomic Power glaubt fest daran – und hat einen neuartigen Schmelzsalzreaktor entwickelt, der traditionelle Kerntechnik übertrumpfen soll.

Nun hat die Firma aus Massachusetts mit einer Reihe von Experimenten begonnen, die das vorgesehene Design verifizieren soll. Es ist ein „Make or Break“-Moment für Transatomic Power: Gehen die Tests daneben, geht es zurück ans Reißbrett. Die Experimente sind nur möglich, weil der Founders Fund, die Risikokapitalfirma des bekannten IT-Investors Peter Thiel (PayPal, Facebook), zusammen mit zwei Familienfonds insgesamt weitere 2,5 Millionen US-Dollar in das Start-up steckt.

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„Die türkische Flagge in Syrien weht jetzt an einem anderen Ort“

Screenshot von der Ansprache Davutoğlus Bild: heise.de
Mit einem ansehnlich großen Militärkonvoi, der gestern Nacht in syrisches Territorium eindrang, veranschaulichte die Türkei wie beweglich die Grenzen gegenwärtig im Kerngebiet des Nahen Ostens sind. „Bevor die türkische Flagge an dem einen Ort niedergeholt wurde, wehte sie schon andernorts in Syrien“, erklärte Premierminister Davutoğlu dem türkischen TV-Publikum. Es ging um den Umzug eines Mausoleums, für den laut Nachrichtenagenturen 572 Elitesoldaten, etwa 40 Panzer und Dutzende weitere gepanzerte Fahrzeuge eingesetzt wurden.


Von Thomas Pany|TELEPOLIS

Ein großer Aufwand für ein Symbol: Ziel der Militäroperation in Syrien war das Mausoleum von Suleiman Shah, der als Großvater des Gründers Osmans des gleichnamigen Reiches gilt. Er soll Anfang des 13.Jahrhunderts im Euphrat, in Nordsyrien, etwa 30 Kilometer von der türkischen Grenzen entfernt, ertrunken sein. Die Grabstätte Suleiman Shahs, die bereits schon einmal, infolge des Bau der Tabqa-Talsperre im Jahr 1974, verlegt wurde, hat bedeutenden Wert für die Türkei. Der derzeitige Präsident Erdoğan ist bekannt dafür, dass er den Glanz der großen Vergangenheit des Osmanischen Reiches besonders schätzt.

In einem Abkommen aus dem Jahr 1921 mit Frankreich wurde der Türkei die staatliche Hoheit über die Grabstätte zugestanden: das Recht, dort die türkische Flagge zu hissen und Wachsoldaten aufzustellen. Bis der sogenannte „Islamische Staat“ die Wiederherstellung eines Kalifats mit militärischen Mitteln bekundete und sein Herrschaftsgebiet in Nordsyrien ausdehnte, interessierte diese Sonderregelung aus fernen Zeiten nur einen beschränkten Kreis. Erst im Frühjahr 2014 wurde eine größere Öffentlichkeit darauf aufmerksam, als „radikale Gruppen in Syrien der Türkei mit Angriffen auf den Suleiman Shah Schrein drohten„.

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Satire: „Vater, vergib ihnen“ – heult doch

Religiöse Rituale mögen seltsam anmuten, doch für Gläubige haben sie eine große Bedeutung. Deshalb kann Satire über Religion sehr verletzend sein Foto: flickr/Lawrence OP | CC BY-NC 2.0
Wenn Satire religiöse Menschen beleidigt, ist das Meinungsfreiheit. Mit Respekt hat es oft wenig zu tun. Eine ZDF-Sendung stellt die Frage: „Kann man Gott beleidigen?“, und zeigt, wie Gläubige damit umgehen können.


Von Jonathan Steinert|pro Medienmagazin

Die Fastenzeit hat begonnen und die Evangelische Kirche hat ihre Fastenaktion dieses Jahr unter das Motto gestellt „Sieben Wochen ohne Runtermachen“. Das lässt sich auch auf den Umgang mit Menschen anderen Glaubens beziehen. Die ZDF-Sendung „sonntags TV fürs Leben“ hat das zum Anlass genommen, danach zu fragen, was eigentlich Gotteslästerung ist und ob man Gott überhaupt beleidigen kann.

Das halbstündige Magazin schlägt einen Bogen von den Anschlägen auf die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo über Religionskritik bei Karnevalsumzügen, psychlogische und rechtliche Fragen von Blasphemie bis hin zu einem christlich-islamischen Frauenkreis, in dem es um gegenseitiges Verständnis statt Verurteilung geht.

Dabei wird deutlich: Wenn Satire sich über Religion lustig macht, ist das Meinungsfreiheit. Menschen können sich davon sehr verletzt fühlen. Aber Gott kann man nicht beleidigen. Der Beitrag verdeutlicht auf differenzierte Weise die Spannung zwischen freier Meinungsäußerung und Respekt gegenüber Menschen mit anderen Moral- und Glaubensvorstellungen.

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Treffen junger CSU-Politiker: Guttenbergs Privatleben

RK-Guttenberg-Gel

  • Zu einer Gesprächsrunde in Niederbayern kommen etwa 40 CSU-Jungpolitiker. Eingeladen hat unter anderem Karl-Theodor zu Guttenberg.
  • Angeblich ging es aber nicht darum, den Weg für die Rückkehr des ehemaligen Bundesministers zu ebnen. Guttenberg selbst versicherte, er sei „privat hier“.

Von Wolfgang Wittl|Süddeutsche.de

Eine Meinungsäußerung wäre beim Politischen Aschermittwoch in der Passauer Dreiländerhalle fast untergegangen: Ein Mann marschierte mit einem großen Schild durch die Reihen der CSU-Anhänger. Darauf stand: „Welcome in Bavaria Karl-Theodor.“ Zwei Tage später ist er dann wirklich da – der Mann, der die Fantasien in der CSU immer noch zu beflügeln versteht wie kein anderer.

Der bereits als Kanzlerkandidat gehandelt wurde und dann wegen einer falschen Doktorarbeit ins politische Exil in die USA ging. Der als Wirtschaftsminister großspurig am Broadway posierte und nun klammheimlich in die niederbayerische Provinz reiste.

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