Heiliges Land und säkularer Staat


In Israel findet sich sehr viel mehr Frömmigkeit als in Deutschland. (imago / upi-Foto)
Hierzulande spielt Religion meist eine untergeordnete Rolle, in weiten Teilen gar keine mehr. Ganz anders in Israel. Zwar beobachtet man auch dort eine Säkularisierung, im heiligen Land sind die Menschen aber deutlich frommer.


Von Stefanie Oswalt|Deutschlandradio Kultur

Ein Bild von Israel: Die Altstadt von Jerusalem. Im Schatten von Klagemauer, Felsendom und Grabeskirche wetteifern orthodoxe Juden mit Schläfenlocken und schwarzen Hüten, christliche Mönche und Priester unterschiedlichster Konfessionen und Muslime in ihrer Frömmigkeit.

Ein anderes Bild: Auch am Shabbat räkeln sich Bikini-Schönheiten am Strand von Tel-Aviv. In den Strandbars genießen Touristen wie Einheimische gleichermaßen Schinken und Shrimps – nach den traditionellen jüdischen Speisegesetzen unkoshere Lebensmittel. Zwischen diesen Polen bewege sich das religiöse Leben in Israel, schreibt der Historiker Michael Brenner von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Der Spezialist für jüdisches Leben im 20. Jahrhundert hat eine neue Studie über die Rolle der Religion in Israel geschrieben und ihr den Titel „eine gespaltene Gesellschaft“ gegeben.

„Etwa 75 Prozent der israelischen Bevölkerung sind Juden. Gut die Hälfte von ihnen bezeichnet sich als säkular, ein knappes Viertel als traditionell, und ein weiteres Viertel als orthodox bis ultra-orthodox, von superzionistisch bis antizionistisch, von orientalisch bis europäisch geprägt aufgesplittert. Die arabische Bevölkerung macht ein knappes Viertel der Gesamtbevölkerung des Staates Israel aus. Etwa 84 Prozent von ihnen sind Muslime, darunter auch verschiedene Beduinengruppen, jeweils 8 Prozent der nichtjüdischen Bevölkerung sind Drusen oder Christen. Letztere gehören unter anderem den griechisch orthodoxen, syrisch orthodoxen, römisch-katholischen, protestantischen, melkitischen, armenischen, koptischen  und abessinischen Kirchen an.“

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