Hände weg vom Kirchenasyl!


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Immer mehr Menschen erhalten Kirchenasyl, obwohl Behörden sie abschieben würden. Das Bundesamt für Migration und de Maizière kritisieren die Kirchen. Steht das Gewissen über dem Gesetz?


Von Frank Ochmann|stern.de

Mehr als vierhundert Menschen, 125 davon Kinder, leben bei uns derzeit unter dem besonderen Schutz einer evangelischen oder katholischen Kirche. So die Schätzung der ökumenischen Arbeitsgemeinschaft „Asyl in der Kirche“. Und all diesen als „Notfall“ eingestuften Menschen droht die Abschiebung in ihr Herkunftsland oder aber in jenes Land der Europäischen Union, dazu das Gebiet von Norwegen, Island, Schweiz und Liechtenstein, in dem sie zuerst als Flüchtlinge angekommen sind. Wie dramatisch sich die Lage derzeit entwickelt, zeigt der Vergleich mit dem Vorjahr: Anfang 2014 gab es gerade einmal 62 Fälle von „Kirchenasyl“.

Etwa versiebenfacht hat sich also die Zahl der Betroffenen in nur zwölf Monaten. Es war Bundesinnenminister Thomas de Maizière, der vor einigen Wochen im Gespräch mit Vertretern der katholischen Bischofskonferenz scharf kritisierte, dass Asylsuchende bei uns noch immer in Kirchen Zuflucht suchen könnten, wenn ihnen staatliche Behörden den Aufenthalt nicht länger gestatten wollten. So begann eine alte Debatte aufs Neue und will seitdem nicht verstummen. Vielleicht ist das auch gut so, denn am Beispiel des Kirchenasyls könnte sich auch das Verhältnis von Staat und Kirche erneuern. Allzu viel Nähe, so zeigt die Geschichte, hat gewöhnlich beiden geschadet.

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