Hofberichterstattung im Deutschlandfunk – Führungsanspruch als Zitat


Klaus Remme – früher Korrespondent des Deutschlandfunks in Washington, heute für den Sender v.a. in Sachen Außen- und Sicherheitspolitik zuständig – hat einen guten Draht ins Außenministerium und zu den wichtigsten außenpolitischen Think-Tanks. Er ist damit ein gutes Beispiel für die immer häufiger kritisierte Verquickung zwischen Medien und Politik und die daraus resultierende unkritische Berichterstattung.


Von Christoph Marischka|TELEPOLIS

Als Beispiel und konkreter Ort (für diese Verquickung wird immer wieder die Münchner Sicherheitskonferenz genannt (Journalisten als politische Lobbyisten?) und tatsächlich scheinen auch die Verbindungen zwischen Remme und Konferenzleiter Ischinger gut zu sein. Jedenfalls zitiert ersterer gerne letzteren. Kurz vor der diesjährigen Sicherheitskonferenz etwa am 18. Januar mit der Einschätzung, wonach es „ein Wunder oder jedenfalls viel Glück“ wäre, wenn Deutschland vor terroristischen Anschlägen verschont bliebe, um anschließend über neue Vorstöße zur Einführung der Vorratsdatenspeicherung zu berichten. Wenige Tage später berichtete Remme dann „mit einem Blick hinter die Kulissen“ über die Sicherheitskonferenz selbst. Auch hier kommt Ischinger zu Wort und wird ihm sogar das letzte Wort überlassen, in dem er diejenigen, die draußen demonstrieren, als „ewig Gestrige“ bezeichnet, „die sich an ihrem Feindbild von vorgestern erfreuen“.

Wenn Remme hier außerdem berichtet, dass sich auf der Konferenz „in den unteren Fluren … Akteure und Beobachter“ mischen, dann liefert er damit eigentlich eine ganz gute Beschreibung seiner Arbeit in der Diskursmaschine. Ein weiteres Beispiel liefert sein Beitrag für die Sendung „Hintergrund“ vom 24. Februar 2015 im Deutschlandfunk. Hier berichtet er knapp 20 Minuten über den vermeintlich „selbstkritischen Überprüfungsprozess des Auswärtigen Amts“ unter dem Titel „Review 2020 – Außenpolitik weiter denken“ – einen Tag, bevor dessen Ergebnisse von der Regierung vorgestellt wurden. Dargestellt wird das Projekt als „öffentliche[r] Diskussionsprozess“, als Austausch mit der Öffentlichkeit. Zu Wort kommen hier aber – abgesehen von einem „vornehmlich junge[m] Publikum“ bei einem „Facebook-Talk in Berlin“ mit anbiedernden Fragen à la „Telefondiplomatie, wie geht das eigentlich?“ – auch nur der Außenminister, der Chef seines Planungsstabes und Vertreter der beteiligten Think-Tanks, darunter Christoph Bertram als ehemaliger Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik, Constanze Stelzenmüller als ehemalige Mitarbeiterin des German Marshall Fund und Thomas Paulsen von der Körber-Stiftung.

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