Gesellschaftskonformes Sterben – alles andere ist asozial


Foto: Getty Images/Rubberball Das deutsche Recht hat kein Verständnis für Menschen, die ihre Angehörigen aus Mitleid aus einem würdelosen Dasein ohne Bewusstsein befreien.
Ein junger Mann tötet seine Mutter. Sieben Jahre lang lebte sie im Koma – ohne Chance, je ins Leben zurückzukehren. Die Tat, die aus Liebe geschah, brachte den Sohn ins Gefängnis.


Von Martina Rosenberg|DIE WELT

Erst wenn sich eine Tür geschlossen hat, öffnet sich die nächste. Der Weg zum Besucherraum führt durch mehrere Schleusen. Uniformierte Wachleuten beobachten jeden Schritt. Ich befinde mich in einem hochmodernen Gefängnis mit Schwerstkriminellen im Norden Deutschlands. Es ist beklemmender, als ich dachte.

Ich besuche einen jungen Mann, 26 Jahre alt, der im Juni 2012 zu drei Jahren Haft verurteilt wurde. Er hat seine Mutter getötet, und ich will wissen, wie es dazu kam.

Nun sitzt er vor mir. Eine Frage, geht mir seit Monaten durch den Kopf: Was muss passieren, dass ein Sohn seine Mutter tötet, die er liebt? Wer war noch daran beteiligt? Oder ist er für die Tat allein verantwortlich?

Ja, es gäbe da etwas, was er bereue, etwas, was er in all den Jahren nicht getan habe: Viel zu lange hätte er mit seinem Entschluss gewartet. Mehr sagt er zunächst nicht. Distanziert und zurückhaltend sitzt Jan mir gegenüber.

Wie viele Jahre waren es denn?, will ich wissen. Sieben!

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