Warum es viele französische Juden nach Israel zieht


Bild:  phhesse/flickr
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Die Welle französischer Einwanderer stellt Israels Behörden vor Herausforderungen. Die neuen Bürger aus Europa bringen komplette Existenzen mit, die integriert werden wollen. Und der Strom hält an.


Von Gil Yaron|DIE WELT

Brigitte Khalifa kann sich genau erinnern, wann sie beschloss, ihr ganzes Leben umzukrempeln und Paris mit ihren fünf Kindern zu verlassen: „Es war vergangenen Juli, während des Kriegs rund um Gaza“, sagt die 54 Jahre alte Frau der „Welt“. „Ich schaute aus meinem Wohnzimmerfenster und sah Tausende Muslime bei einer Demonstration auf der Straße. Sie trugen Äxte, Baseballschläger und Hämmer, nahmen die Bürgersteige auseinander, um sich mit Pflastersteinen zu bewaffnen, und skandierten: „Tod den Juden!“

Khalifa war schockiert. Monatelang traute sie sich nicht mehr aus ihrer Wohnung: „Auf den Straßen wurde man tagtäglich angefeindet. Jedes Mal, wenn meine Kinder das Haus verließen, bin ich vor Angst fast gestorben“, sagt sie. Vor zwei Monaten landete Khalifa in Tel Aviv, wurde Teil der beständig wachsenden Welle jüdischer Migranten aus Europa, die hier Zuflucht suchen. Insgesamt 26.500 Juden wanderten 2014 nach Israel aus, so viele wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr. Und 2015 rechnen die Behörden mit einem neuen Einwandererrekord.

In den Ulpanim – so heißen die Hebräischschulen, die das Einwanderungsministerium und das Bildungsministerium gemeinsam für Neueinwanderer betreiben – merkt man diesen Trend seit Monaten: „Vor drei Jahren hatten wir neun Klassen, die halb leer waren“, sagt Hedva Chavisky, Direktorin des Ulpan Sharett im Tel Aviver Vorort Bat Yam. Inzwischen sind 15 Klassen bis auf den letzten Platz gefüllt. Im Flur stapeln sich Stühle und Bänke, die die Stadtverwaltung für sie aufgetrieben hat, um eine weitere Klasse zu eröffnen. „In den vergangenen 18 Monaten musste ich 40 neue Lehrer einstellen“, sagt Chavisky.

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