Nigerianischer Musiker: Boko Haram ist Reaktion auf die Eliten


boko_haram

Nach Einschätzung des nigerianischen Musikers Keziah Jones ist sein Heimatland „kaum gefährlicher als New York, wenn man weiß, was man tun und lassen sollte“. Die Terrororganisation Boko Haram sei „eine Reaktion auf die Eliten an der Macht“, sagte Jones der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstag). Die Miliz sei zunächst ein lokales Problem gewesen und habe sich erst durch das brutale Vorgehen der nigerianischen Armee radikalisiert.


kathweb

Ein weiteres Problem sei die Ungleichheit zwischen Norden und Süden im Land. Der Norden, wo Boko Haram die Zivilbevölkerung terrorisiert, sei arm, im Süden hätten sich dagegen Wohlstand, freie Presse und Meinungsfreiheit etabliert, so der Künstler. Viele Menschen hätten jedoch ein einseitiges Bild von einem ländlichen, gefährlichen Leben in Nigeria. „Aber das stimmt nicht. Nigeria ist städtisch geprägt, ein riesiges Land und sehr jung“, sagte Jones.

Von der Präsidentschaftswahlen am 28. März erhoffe er sich keine Veränderung, sagte der Musiker weiter. „Ich glaube nicht an nigerianische Parteien.“ Er hoffe aber, dass die Zivilgesellschaft stärker werden und gegen Strukturprobleme vorgehen werde.

Zuletzt waren bei Bombenanschlägen im Norden Nigerias in der vergangenen Woche 27 Menschen gestorben. Seit 2009 terrorisiert die Gruppe den Nordosten Nigerias. Sie will dort und in angrenzenden Gebieten der Nachbarländer einen sogenannten Gottesstaat mit strenger Auslegung des islamischen Rechts gründen. Ihrem Terrorfeldzug sind laut Schätzungen schon mehr als 13.000 Menschen zum Opfer gefallen, rund 1,5 Millionen sind geflohen.

weiterlesen