Nida-Rümelin: „Man will den kritischen Geist aus den Unis rausbekommen“


foto: standard/corn Der Philosoph Julian Nida-Rümelin ermutigt zu Entspannung und Vielfalt bei den individuellen Bildungsentscheidungen.
Julian Nida-Rümelin hat eine Debatte über die Steigerung der Akademikerquote angestoßen


Von Tanja Traxler|derStandard.at

STANDARD: Sie haben – auch mit Ihrem aktuellen Buch – eine Diskussion um eine Entwicklung im Bildungsbereich angestoßen, die Sie „Akademisierungswahn“ nennen. Was verstehen Sie darunter?

Julian Nida-Rümelin: Zentral ist dabei die These, dass Matura und Studium als der normale Bildungsverlauf angesehen werden und andere Ausbildungen wie die Lehre als zwar unumgänglich, aber zweitrangig. Damit geht die Auffassung einher, dass der Anteil von Akademikern das wesentliche Qualitätsmerkmal von Bildungssystemen ist und eine Steigerung der Akademikerquote, wie es von der OECD gefordert wird, unbegrenzt wünschenswert ist.

STANDARD: Was spricht dagegen?

Nida-Rümelin: Es kommt zu einer Abwertung von nichtakademischen Bildungswegen. Über mehrere Jahrzehnte hatten wir in Deutschland und Österreich zum Ärger der OECD zwei Drittel eines Jahrgangs in der beruflichen Bildung. Darin gab es ein breites Spektrum von Begabungen und Interessen. Wenn das auf einmal auf 30 Prozent wie derzeit zurückgeht, ist das System nicht zukunftsfähig.

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