Facebook: Eine Freundschaftsanfrage vom Islamischen Staat


Facebook Welt 2010
Facebook Welt 2010
Ein paar unbedachte Facebook-Likes, etwas Pech beim Algorithmus – und schon können junge Menschen in die Fänge der Terrororganisation IS geraten. Die automatischen Empfehlungsmaschinen der sozialen Medien vernetzen Nutzer mit Anwerbern des Dschihadismus


Von Cathleen Berger, Lea Gimpel|Cicero

Kurz vor Weihnachten war es soweit: Tunesien, das Land, in dem der Arabische Frühling 2010 begonnen hatte, wählte einen neuen Präsidenten. Was nach den Protesten im Iran 2009 als die nächste Twitterrevolution in den ausländischen Medien hochgejubelt wurde, fand mit der Wahl von Präsident Béji Caïd Essebsi ein gutes Ende. Damit hat Tunesien auch die letzte Stufe der Demokratisierung erfolgreich genommen, lobten Medien hierzulande.

Seitdem haben Proteste wie im Gezi Park in Istanbul oder die Regenschirm-Revolution von Hongkong das Bild der sozialen Medien gestärkt: Sie erscheinen als Treiber von Freiheit und selbstorganisierter Demokratie – auch gegen den Willen der jeweiligen Regierung.

Doch die Rolle der sozialen Medien ist widersprüchlicher denn je. Weder können sie aus sich heraus mehr Demokratie schaffen, wie begeisterte Technikenthusiasten anführen. Noch sind sie ein Spiegelbild unserer realen Welt, wie Unternehmen wie Facebook und Twitter gerne behaupten. Ganz im Gegenteil: Sie sind darauf programmiert, unsere Aufmerksamkeit nach bestimmten Mustern zu steuern. Sie führen ein verdecktes Eigenleben.

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