Bedroht oder bedrohlich? Atheisten in der Türkei


Dass Menschen einen anderen Gott haben, können viele Türken verstehen. Atheisten jedoch stossen auf Unverständnis. Keystone
Als «Terroristen und Atheisten» bezeichnete der türkische Präsident Erdogan regierungskritische Demonstranten. Eine vielsagende Wortwahl, die zeigt: Ungläubige haben es schwer in der Türkei. Ein Atheisten-Verband will das ändern – und wird bedroht. Nun liess ein Gericht sgoar ihre Website sperren.


Von Luise Sammann|SRF

Für viele Türken grenzte es an Gotteslästerung, als die türkische Schauspielerin und Buchautorin Pelin Batu im vergangenen Jahr das islamische Opferfest kritisierte. «Ich wünschte, es wäre verboten», sagte die bekennende Tierfreundin vor laufenden Fernsehkameras. «Mir tut es weh, dass all diese Schafe geschlachtet werden.»

Die Reaktionen liessen nicht lange auf sich warten. Vor allem im türkischen Internet schlugen Pelin Batus Worte hohe Wellen. Erst recht, als sie in einem weiteren Interview offen zugab, sie halte nicht nur nichts vom Opferfest, sondern glaube auch an keinen Gott: Sie sei Atheistin.

Glaubensfreiheit – nur auf dem Papier?

Christen, Juden, Buddhisten: Auf dem Papier herrscht in der türkischen Republik Glaubensfreiheit. Dass Menschen anderen Religionen angehören, können weite Kreise der türkischen Gesellschaft akzeptieren. Jemand aber, der an gar nichts glaubt, stösst meist auf völliges Unverständnis. Atheismus – das ist ein Tabu am Bosporus.

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