Moral als Handlungsmaßstab gefährlich

Der erhobene Zeigefinger – schlecht für die Kommunikation zwischen Konfliktparteien (dpa / Tim Brakemeier)
Auf die Moral zu pochen, verbaue Kompromisse zwischen Konfliktparteien, legt Thilo Hagendorff in „Sozialkritik und soziale Steuerung“ dar. Der Soziologe empfiehlt stattdessen, sich konkrete Handlungsstrategien zu überlegen, um tatsächlich etwas zu verändern.


Von Florian Felix Weyh|Deutschlandradio Kultur

Es findet sich kaum ein Satz bei Adorno, welcher nicht eindeutig moralisch codiert wäre da werden selbst die Pantoffeln, in welche man schlupfen kann, zum Denkmal des Hasses gegen das sich Bücken oder der Fund eines Dinosaurierskeletts zur Kollektivprojektion des totalitären Staates.“

Starke Worte eines jungen Rebellen. Starke Worte? Ja. Aber rebellisch ist der junge Mann irgendwie nicht so richtig:

O-Ton: „Ich meine, dass man nicht davon ausgehen kann, man könne Gesellschaften oder große Systeme im Ganzen irgendwie revolutionieren und diese komplett auf andere Füße stellen.“

Das aber meinten die Altvorderen durchaus noch. Die Soziologie und die in der Philosophie angesiedelte Frankfurter Schule fungierten nachgerade als universitäre Heimathäfen für Veränderungswünsche aller Couleur. An den Lehrstühlen und in den Seminaren wurde Gesellschafts- und Sozialkritik vorgedacht, die dann irgendwie und von irgendjemandem im politischen Raum verwirklicht werden sollte. Als das nach den rauschhaften Revoluzzer-Jahren von 1968 nicht mehr so recht klappte, schlugen die beteiligten Akademiker nach Beobachtung des Tübinger Nachwuchssoziologen Thilo Hagendorff eine ziemlich bequeme Richtung ein, die der Selbstreferenzialität nämlich.

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Woelki ruft Christen zum Kampf gegen Antisemitismus auf

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki. dpa/Oliver Berg
Der Kölner Kardinal Rainer Woelki hat alle Christen zum Kampf gegen Antisemitismus aufgerufen.


FOCUS ONLINE

Auch in Köln verzichteten jüdische Eltern lieber darauf, ihren Kindern eine Kippa aufzusetzen, weil sie fürchten müssten, dass die Kinder sonst auf offener Straße diskriminiert würden, sagte der Erzbischof am Sonntag in einem Beitrag für das Domradio. „Gerade wir Christen dürfen hier nicht wegsehen, wenn es heute wieder an der Tagesordnung ist, dass Juden beschimpft oder bedroht werden“, betonte er. Juden müssten in Deutschland wieder eine echte Heimat haben. Woelki fragte: „Wer von uns hat schon mal jüdische Bekannte oder Freunde zum Kaffee oder Gespräch eingeladen? Die jetzt beginnende Woche der Brüderlichkeit ist da ein guter Anlass, denn es stimmt doch: Jesus, seine Jünger, seine engsten Freunde und seine Begleiter, das waren alles Juden.“ Es sei deshalb erste Christenpflicht, immer für die jüdischen Schwestern und Brüder da zu sein, sagte Woelki, der dem größten katholischen Bistum in Deutschland vorsteht.

Den leeren Kirchen zum Trotz

Von Generation zu Generation verliert die Kirche an Bedeutung – der Glaube sucht sich neue Felder. (imago/epd)
Um den Glauben geht es in dieser Woche in der „Echtzeit“. Über schwindelerregende Meditation, Design für die Ewigkeit, Atheisten im Sog des Glaubens und Essen als Ersatzreligion


Deutschlandradio Kultur

Die Kirchen sind leer, den Glauben ficht das kaum an. Er überlebt, wandelt sich und bleibt mitten unter uns: Sufi-Mönche zeigen jungen Westlern den Dreh fürs Leben, der Kreis der Lebensmitteljünger wächst ständig und auch in minimalistischem Design steckt viel Religiöses.

Sei ein Kreisel!
Ordensbrüder und Schwestern, die sich wie Brummkreisel drehen, das ist Sema, der Tanz der Derwische. Praktiziert wird er traditionell von den Anhängern des Sufismus, einer mystischen Glaubensrichtung im Islam. Jetzt entdecket die westliche Esoterikszene die schwindelerregende Meditation im Herzrhythmus.
Von Jürgen Stratmann

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Auf der Suche nach der journalistischen Substanz

Bild: wikimedia.org/CC-2.5/MarkusAngermeier
Bild: wikimedia.org/CC-2.5/MarkusAngermeier
Es kreucht, krautet und fleucht im journalistischen Unterholz. Manche Internet-Portale wie „dieredaktion“ (von der Deutschen Post) geben sang- und klanglos ihren Geist auf, andere wie die Krautreporter gehen an den Start. Die Branche ist aufgescheucht und während die Alten dreimal am Tag ein Vaterunser beten, dass sie noch einen tariflichen Arbeitsvertrag in der Tasche haben, stürmen die Jungen über den Ruinen der gedruckten Presse in das Internet und suchen nach dem heiligen Gral, also wie sich vom digitalen Schreiben leben lässt. Mit im Sturmgepäck haben sie dabei allerlei Mythen über den (Internet)Journalismus.


Von Rudolf Stumberger|TELEPOLIS

Eine davon nährt sich von der Annahme, dass es so etwas wie eine journalistische Essenz gebe. Dass wenn man sie nur schreiben ließe, sich das Schöne und Wahrhaftige entfalten könne. Das wäre dann so wie die Möbel bei Manufaktum: Mit fein gedrechselten Sätzen, aufpolierten Vergleichen, eleganten Wendungen und solide gezimmerten Schlüssen – Journalismus als „Werther’s Echte“. Und das Internet sei dafür genau der richtige Platz – ohne Platzprobleme, und vor allem frei.

Freilich auch weitgehend frei vom (bisherigen, herkömmlichen) Kontext. Und dann ist man schnell bei der Frage, die sich die sogenannten Medium-Theoretiker stellen: Wie wird die Botschaft vom Medium beeinflusst? Ist es das Gleiche, wenn ich einen Kommentar von „Zeit“-Herausgeber Josef Joffe über die Folterpraxis der USA („Der Teufelspakt“, Zeit 52/2014) in der gedruckten „Zeit“ oder auf einem E-Reader lese?

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Terror-Freunde gründen Facebook-Kopie – 5elafabook.com

Image. Twitter
Image. Twitter
  • Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staats werben im Internet für ihre Ziele. Westliche Dienste wie Facebook und Twitter sperren immer wieder Konten der Propagandisten.
  • Nun haben wohl Sympathisanten des IS einen Facebook-Konkurrenten gegründet – und setzen dabei auf westliche Technik.


Von Johannes Boie|Süddeutsche.de

Allein in den vergangenen Tagen hat Twitter circa 40 000 Accounts gelöscht, die offenbar Terroristen des „Islamischen Staats“ (IS) gehörten. Für die selbsternannten Gotteskämpfer ist das ein Problem, denn so sehr sie das westliche Leben verachten, so sehr sind sie auf die sozialen Medien der Erzfeinde angewiesen. Sie rekrutieren über die Plattformen Kämpfer für ihren Krieg, Frauen fürs Leben unter der Burka, sie verbreiten Schrecken mit Videos von Hinrichtungen ebenso wie Propaganda und Haushaltstipps für auswärtige Bombenbastler. Und natürlich kommunizieren auch Terroristen untereinander über Facebook, Twitter und Youtube.

Ein Mann, der Abu Musab heißt oder sich vielleicht auch nur bei der Wahl seines Pseudonyms vom 2006 liquidierten Terroristen Abu Musab al-Zarqawi inspirieren ließ, versucht jetzt, den digitalen Teil des IS aus der Kontrolle amerikanischer Konzerne zu lösen. Der Mann hat eine Art Facebook für das Terrorregime gegründet. Es ist im Netz unter 5elafabook.com zu erreichen. „5elafa“ ist eine Abwandlung des Wortes Khalifa – beziehungsweise Kalifat – und bezieht sich in dem Fall auf den IS, den Chef-Terrorist Abu Bakr al-Baghdadi als Kalifat ausgerufen hat. (Die Ziffer „5“ steht für ein „K“, entsprechende Schreibweisen werden im Netz gerne verwendet.)

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Frauen im 21. Jahrhundert: Ins Patriarchat gebombt

Am 11. September 2001 waren in New York viele Polizistinnen und Feuerwehrfrauen im Einsatz. Als Helden gefeiert wurden ihre männlichen Kollegen. Foto: REUTERS
Das 21. Jahrhundert gehört nicht den Frauen. Letztlich steht einem „Megatrend Frau“ das gleiche System wie eh und je im Weg: das Patriarchat.


Von Katrin Gottschalk|Frankfurter Rundschau

Kaum hatte das neue Jahrhundert begonnen, verkündete das Zukunftsinstitut den „Megatrend Frau“, den „Female Shift“. Die Gründe erscheinen einleuchtend. Immer mehr Frauen weltweit haben Zugang zu Bildung, sind finanziell unabhängig, besetzen immer machtvollere Positionen. Vor 15 Jahren schien es noch, als sei Gleichberechtigung die einzige Antwort, die ein neues Jahrhundert auf die vielen feministischen Kämpfe des vorherigen haben könnte. Dann veränderte der 11. September 2001 die Welt.

Viel wird über sie geschrieben, die Frauen in diesen Zeiten des Terrors. Doch sind sie entweder schutzloses Opfer der Terroristen, wie die jesidischen Frauen, oder werden als attraktive Amazone stilisiert, wie die kurdischen Widerstandskämpferinnen im Norden Iraks. Für die vielen Wahrheiten dazwischen gibt es wenig Platz.

Kriegszeiten sind keine guten Zeiten für Frauen. Als Opfer von Vergewaltigungen sind sie schon lange integraler Bestandteil kriegerischer Auseinandersetzungen. Auf beiden Seiten.

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Die Fusion der Terrorpartner

Bei dem Doppel-Anschlag in Jos wurden über 200 Menschen getötet. Foto: afp
In schwierigen wie in guten Zeiten wollen die Terrororganisationen IS und Boko Haram zusammenstehen. Das klingt kitschig, dahinter aber verbirgt sich eine moderne strategische Partnerschaft des Schreckens.


Von Harry Nutt|Berliner Zeitung

Die Bilder, die die zugleich blindwütige wie gezielte Zerstörung vorislamischer Kulturgüter in Irak zeigen, tragen unten rechts eine kleine Signatur. „IS Video“ steht da, als gelte es, das Copyright zu schützen. Die Terrororganisation Islamischer Staat achtet auf Markenidentität. Der Terror kommt nicht nur als größtmöglicher Schrecken daher, sondern beansprucht Produkt-Authentizität. Der religiöse Fundamentalismus des IS präsentiert sich so im Gewand eines räuberischen Kapitalismus, der ausdrücklich darauf Wert legt, modern zu sein.

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Beschwerden gegen anstößige Werbung sind häufig erfolgreich

screenshot:bb
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2014: In 111 Fällen teilt der Deutsche Werberat die Kritik – 14 „rote Karten“ – Keine Kritik an Fußball spielender Christus-Statue


kath.net

Beschwerden gegen anstößige Werbung haben häufig Erfolg. Das zeigt der Jahresbericht des Deutschen Werberates (Berlin). Aus der Bevölkerung kamen im vergangenen mehr als 1.000 Beschwerden. Das Gremium entschied nach eigenen Angaben über 387 Werbemaßnahmen. 179 Kampagnen seien nicht in den eigenen Zuständigkeitsbereich gefallen und an andere Institutionen weitergeleitet worden. In 111 Fällen (29 Prozent) schloss sich der Werberat der Kritik aus der Bevölkerung an; bei 88 erreichte er, dass Unternehmen ihre Werbung einstellten. In neun weiteren Fällen änderten sie ihre Motive oder Werbespots. 14 Firmen erhielten eine „rote Karte“, das heißt, sie wurden öffentlich gerügt, weil ihre Werbung Frauen herabwürdigte oder diskriminierte. Auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea teilte die Geschäftsführerin des Werberates, Julia Busse, mit, dass Bürger bei zehn Werbemaßnahmen ihre religiösen Gefühle verletzt sahen. In zwei Fällen habe das Gremium die Kritik geteilt. Daraufhin hätten die Unternehmen die Werbung zurückgezogen.

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„Edathy soll brennen“

justiz_grossSebastian Edathy ist unschuldig, sein Verfahren eingestellt. Und das ist gut so. Der eigentliche Skandal ist die öffentliche Debatte über die Verhandlung und seine Person. Sie kommt einer Hexenjagd gleich.


Von Heinrich Schmitz|The European

Am Montagmorgen wurde das Verfahren gegen Sebastian Edathy eingestellt. Am Montagabend lief im ZDF „Seelen im Feuer“ über die Bamberger Hexenverfolgung im frühen 17. Jahrhundert. Wer die Diskussionsbeiträge und Pressekommentare zum Edathy-Verfahren tagsüber verfolgt hatte, wunderte sich abends wenig über eine begeisterte Menge, die der ersten Hexenverbrennung beiwohnte. „Sie sollen brennen“, schrie das Volk in heiligem Zorn. Man muss ja schließlich dem Teufel die Stirn bieten.

Da hat Edathy aber noch mal Schwein gehabt, dachte ich. Vielleicht aber auch nicht. Eine der Hexerei verdächtige Person, der es damals irgendwie gelang, aus Bamberg zu fliehen, hätte irgendwo anders in deutschen Landen ein normales Leben führen können. Da gab’s noch kein Internet. Das kann Edathy auf ewig vergessen. Dessen bürgerliche Existenz ist dauerhaft vernichtet, obwohl er nicht verurteilt wurde und deshalb juristisch unschuldig ist. In Deutschland ist der Mann erledigt.

Aber selbst das reicht wohl den modernen Hexenjägern nicht. Auch die wollen ihn „brennen“ sehen und erregen sich über den aus ihrer Sicht skandalösen Ausgang des Verfahrens.

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Carolin Kebekus: Wie extremistisch sind eigentlich Helene-Fischer-Fans?

Bild:kebekus.youtube
Bild:kebekus.youtube
2013 sind Carolin Kebekus und der WDR aneinandergeraten. Nun haben sie sich wieder zusammengerauft – Kebekus bekommt eine neue Show. Ein Gespräch über Frauen im TV und rasende Helene-Fischer-Fans.


Von Sebastian Dalkowski|DIE WELT

Am 4. Juni 2013 waren Carolin Kebekus und der WDR so weit voneinander entfernt wie die Tierschutzpartei von der Kanzlerschaft. In der Show ihres Kollegen Stefan Raab kritisierte die Komikerin die Zensur des Senders. Der WDR hatte sich geweigert, ein kirchenkritisches Video in Kebekus‘ Premierenshow auf EinsFestival zu zeigen. Darin leckte Kebekus unter anderem an einem Kruzifix. „Ich möchte mich von der Sendung distanzieren“, sagte sie damals. Damit war die Zusammenarbeit beendet. Vorerst. Nun versuchen es beide Seiten noch einmal miteinander. Ab 21. März bekommt sie ihre eigene Show im WDR. „PussyTerror TV“ läuft einmal im Monat samstags ab 21.45 Uhr.

Welt am Sonntag: Wie hat der WDR versucht, Sie wieder rumzukriegen?

Carolin Kebekus: Als ich 2013 gesagt habe: „Das war’s für mich“, hat der WDR sehr schnell wieder das Gespräch gesucht. Wir hätten auch am liebsten sofort einen neuen Versuch gestartet. Aber ich brauchte einfach etwas Zeit.

Welt am Sonntag: Wie das eben so ist nach einem Beziehungskrach.

Kebekus: Als ich dann selbst wieder Lust hatte, Fernsehen zu machen, haben wir uns schnell zusammengesetzt. Nun wissen wir ja, worauf wir uns einlassen. Kein Sender kennt mich so gut wie der WDR. Ein öffentlich-rechtlicher Sender gibt mir sowieso ein gutes Gefühl.

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London: Christliche Erzieherin wegen Homophobie entlassen?

Ratzinger_HomoIn London hat eine christliche Erzieherin ihre Arbeitsstelle verloren, weil sie mit einer Kollegin über die biblische Sicht von Homosexualität gesprochen hat.


kath.net

Sie wehrt sich jetzt vor einem Arbeitsgericht gegen die „ungerechtfertigte Entlassung“, berichtet die Zeitung „The Times“. Sara Mbuyi arbeitete in einer Kindertagesstätte im Londoner Stadtteil Shepherd’s Bush. Nach ihrer Darstellung hat ein Gespräch mit einer lesbischen Kollegin den Ausschlag für ihre Entlassung geben. Diese habe sie gefragt, was die Bibel über Homosexualität lehre, weil ihre Kirchengemeinde sie nicht ihre Partnerin heiraten lassen wollte. Mbuyi sagte, zwar billige Gott homosexuelle Praktiken nicht, aber er liebe die Menschen. Sie könne zu Gott kommen so wie sie sei. Daraufhin habe die Kollegin den Vorfall ihrer Vorgesetzten gemeldet. Nach einem Disziplinargespräch entließ die Direktorin Mbuyi wegen „groben Fehlverhaltens“. Sie habe gegen das Antidiskriminierungsgesetz verstoßen.

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Italien und Vatikan einigen sich auf Steuerabkommen

Headquarter des Konzerns.
Headquarter des Konzerns.
Der Vatikan und Italien nähern sich an: Der Stadtstaat in der italienischen Hauptstadt hat mit Italien ein Steuerabkommen geschlossen. Davon versprechen sich alle Beteiligten eine „komplette Transparenz“.


Handelsblatt.com

Italien und der Vatikan wollen einem Medienbericht zufolge bis Ende März ein Steuerabkommen unterzeichnen und in Zukunft Finanzdaten austauschen. Es liefen Gespräche zwischen den Staaten, um eine „komplette Transparenz und den Austausch von Informationen zu finanziellen Zwecken“ zu erreichen, berichtete „La Repubblica“ am Samstag unter Berufung auf Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Das Abkommen, das auch das Ende des Bankgeheimnisses in dem Kirchenstaat bedeuten würde, soll bis Ende März unterschrieben werden.

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Thailands korrupte Mönche werden zur Glaubensfrage

Auch vor dem Mönchswesen macht die Korruption in Thailand nicht halt. (Quelle: dpa)
Unterschlagung, Diebstahl, Drogenhandel: So stellt man sich Mönche nicht vor. In Thailand aber benehmen sich einige buddhistische Mönche daneben. Können die Verantwortlichen das Vertrauen der Gläubigen wieder festigen?


Von Cod Satrusayang|T-Online

Chalita Chinwanno geht mindestens zweimal im Monat zum Beten und Meditieren in den Tempel. Es helfe ihr, mit dem Stress des täglichen Lebens in der Millionenmetropole Bangkok klarzukommen, sagt die 30-jährige Thailänderin. Doch selbst eine gläubige Buddhistin wie Chalita ist verunsichert: In den vergangenen Monaten häuften sich Berichte über Korruptionsskandale in Thailands Klöstern.

So musste etwa im Januar der Abt von Wat Saket, einem bedeutenden Tempel in Bangkok, sein Amt abgeben. Ihm wird vorgeworfen, umgerechnet etwa 55.000 Euro unterschlagen zu haben. Das Geld war für die Bestattung seines Vorgängers vorgesehen. Ein anderer Abt hatte mit einer knappen Million Euro an Spendengeldern an der Börse spekuliert. Zudem wurden Mönche mit Zehntausenden Methamphetamin-Tabletten erwischt, oder auch betrunken am Steuer. Ein Mönch setzte sich ab, nachdem ihm Schmuggel von Wildtieren vorgeworfen wurde.

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Von irgendwoher nach irgendwohin

John Gray Raubtier Mensch Aus dem Englischen von Hans Freundl Verlag: Klett-Cotta, Stuttgart 2015 ISBN: 9783608948844 19,95 €
John Gray
Raubtier Mensch
Aus dem Englischen von Hans Freundl
Verlag: Klett-Cotta, Stuttgart 2015
ISBN: 9783608948844
19,95 €
Das Buch wirkt auf den ersten Blick sehr interessant. „Raubtier Mensch“ lautet der Titel, und der Untertitel „Die Illusion des Fortschritts“. Im Umschlagtext ist die Rede vom Menschen „als Ausbeuter der Natur, als Homo rapiens“.


Von Frank Schubert|Spektrum.de

Wer das Werk gelesen hat, stellt ernüchtert fest: Der Umschlagtext führt grob in die Irre, denn um die Ausbeutung der Natur geht es in keiner Weise. Auch der (deutsche) Buchtitel ist verfehlt. Dass der Mensch ein Raubtier sei, wird allenfalls ganz am Rande thematisiert (der Originaltitel lautet „The Silence of Animals“). Einzig der Untertitel kommt dem Inhalt einigermaßen nahe. John Gray, ehemaliger Professor für europäische Ideengeschichte an der London School of Economics, befasst sich in dem Werk mit Fragen der Selbstfindung: Wer sind wir? Welche Rolle spielen Mythen und Religion für uns? Gibt es eine Entrückung? 2002 hatte Gray das vielbeachtete Werk „Straw Dogs“ veröffentlicht, in dem er sich gegen den Humanismus wendete. Im vorliegenden Buch postuliert er: Die Menschheit glaube an ihren Fortschritt und erliege damit einer Fantasie.

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Saudis reagieren auf Kritik: „Das Königreich duldet keine Einmischung“

a736b-saudi-arabia-jpgWährend des Besuchs von Vizekanzler Gabriel weist die Regierung Saudi-Arabiens Menschenrechtskritik empört zurück. Sie spricht im Fall des zu Peitschenhieben verurteilten Bloggers Badawi von Provokationen aus dem Ausland.


Frankfurter Allgemeine

Die saudische Regierung verurteilt im Fall Badawi die Menschenrechtskritik ausländischer Medien als Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Königreichs. Vor einem am Sonntag geplanten Treffen von Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) mit dem neuen König Salman in Riad berichteten lokale Medien unter Berufung auf offizielle Quellen im Außenministerium, Riad sei bestürzt, wie einige ausländische Medien „provokative Berichte“ in Sachen Badawi verbreiteten. „Das Königreich duldet keine Einmischung in seine inneren Angelegenheiten“, schrieb die englischsprachige Tageszeitung „Arab News“.

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Buschkowsky sorgt sich vor islamischem Fundamentalismus

In Berlin-Neukölln nimmt die Verhüllung von Muslimen überhand, findet der scheidende Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) (Symbolbild) Foto: Garry Knight | CC BY-SA 2.0
Heinz Buschkowsky (SPD), der scheidende Bürgermeister von Berlin-Neukölln, sieht islamische Fundamentalisten auf dem Vormarsch. In einigen Kindergärten in Neukölln trügen heute schon dreijährige Mädchen Kopftuch, sagte Buschkowsky der Augsburger Allgemeinen.


pro Medienmagazin

„So etwas hat es vor fünf Jahren noch nichtgegeben“, sagte Buschkowsky. Salafisten forderten Mädchen vor Schulen des Bezirks auf, Hidschab zu tragen „anstelle der sündigen Jeans“. Hidschab bedeutet Verhüllung.

Eltern würden bei Klassenreisen muslimische Betreuer verlangen und wollten dem Hausmeister das Betreten der Turnhalle verbieten, wenn ihre Töchter dort seien. „Nicht die Integration schreitet voran, sondern eine Art Landnahme durch fundamentalistische Überreligiösität“, sagte der konfliktfreudige SPD-Politiker. Er kritisierte „diese Heuchelei von der einzigartigen Erfolgsgeschichte der Integration in Deutschland“.

Neukölln wird oft als Problembezirk Berlins bezeichnet. Mehr als 320.000 Menschen leben dort. Rund 40 Prozent von ihnen haben einen Migrationshintergrund.

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Hessen will islamischen Religionsunterricht ausbauen

Gebet-islamDer bekenntnisorientierte islamische Religionsunterricht in Hessen soll weiter ausgebaut werden.


evangelisch.de

Dies kündigte Nurgül Altuntas vom Hessischen Kultusministerium am Samstag auf einer Tagung der Evangelischen Akademie Hofgeismar an. Schon jetzt könne der zum Schuljahr 2013/2014 als ordentliches Lehrfach eingeführte Unterricht als ein „historischer Erfolg“ bezeichnet werden, sagte sie. Mit diesem bundesweit einmaligen Schritt sei Schulgeschichte geschrieben worden. Der Unterricht, der sich zunächst auf Grundschulen beschränkt, sei mit insgesamt 19 Lehrkräften gestartet worden.

Momentan werde rund 1.150 Schülern in 61 Klassen an 36 Schulen islamischer Religionsunterricht erteilt, sagte Fuat Kurt, Landesvorsitzender der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib). Grundsätzlich stehe es auch nichtmuslimischen Kindern oder Kindern von Eltern, die nicht der Ditib angehörten, frei, an diesem Religionsunterricht teilzunehmen. Aktuell werde zudem an einem Curriculum für künftige Religionslehrer gearbeitet, die an der Goethe-Universität Frankfurt ausgebildet werden sollen.

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Israel versagt Evangelikalen staatliche Anerkennung

Bild:  phhesse/flickr
Bild: phhesse/flickr
Evangelikale gelten als „die besten Freunde Israels“. Viele, besonders in den USA, stehen standhaft zum jüdischen Staat. Aber die Freundschaft ist einseitig, beklagt der frühere Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA), der Kanadier Geoff Tunnicliffe (Vancouver).


idea.de

Zwar genössen Evangelikale in Israel grundsätzlich Religionsfreiheit, aber manche Rechte würden ihnen immer noch versagt, schreibt er in der Internetzeitung Christian Post. Obwohl Evangelikale seit vielen Jahren in Israel heimisch seien, seien ihre Gemeinden immer noch nicht staatlich anerkannt. Es sei höchste Zeit, dass diese Ungerechtigkeit beseitigt werde. Im Unterschied zu traditionellen Kirchen werde evangelikalen Gemeinden Grundrechte bei Eheschließung, Bestattungen und anderen religiösen Handlungen vorenthalten.

US-Polizist erschießt 19-jährigen Afroamerikaner

waffe,-projektilWährend in Selma des „Blutigen Sonntags“ vor 50 Jahren gedacht wird, löst der Tod eines weiteren Afroamerikaners durch Polizeischüsse in den USA wieder Proteste aus.


derStandard.at

Nach tödlichen Schüssen auf einen jungen Mannes demonstrierten in der US-Stadt Madison (Wisconsin) Dutzende Menschen gegen Polizeigewalt. Ein Beamter habe den 19-jährigen Tony Robinson in einer Wohnung erschossen, nachdem er von ihm attackiert worden sei, zitierte der Sender CNN den örtlichen Polizeichef Mike Koval.

Den Angaben zufolge hatte die Polizei am Freitagabend einen Hinweis erhalten, nach dem sich ein der Körperverletzung verdächtigter junger Mann in einer bestimmten Wohnung aufhalte. Bereits zuvor sei ein anderer Anruf eingegangen, demzufolge dieselbe Person zwischen fahrenden Autos hin- und herlaufe. Als ein Beamter die Wohnung aufgesucht habe, sei er von dem Mann angegriffen worden und habe geschossen. Medienberichten zufolge war Tony Robinson nicht bewaffnet.

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Papst fordert Nuntius zur Aussage im Mordfall Moro auf

Aldo Moro in Gefangenschaft, Bild. wikimedia.org/PD
Papst Franziskus will die Aufklärung des Mordes am früheren italienischen Ministerpräsidenten Aldo Moro voranbringen.


kath.net

Papst Franziskus will die Aufklärung des Mordes am früheren italienischen Ministerpräsidenten Aldo Moro voranbringen. Wie italienische Medien am Samstag berichteten, hat er den Nuntius in Großbritannien, Erzbischof Antonio Mennini, angewiesen, am Montag vor der parlamentarischen Untersuchungskommission in Rom zu dem Fall auszusagen. Mennini soll 1978 als junger Priester der Diözese Rom während der Entführung Moros durch die Terrorgruppe «Rote Brigaden» Kontakt zu dem Politiker gehabt und ihn sogar besucht haben. Abgehörte Telefonate und aufgefundene Briefe Moros legen nahe, dass er als Kontaktmann des Opfers fungierte.

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