Auf der Suche nach der journalistischen Substanz


Bild: wikimedia.org/CC-2.5/MarkusAngermeier
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Es kreucht, krautet und fleucht im journalistischen Unterholz. Manche Internet-Portale wie „dieredaktion“ (von der Deutschen Post) geben sang- und klanglos ihren Geist auf, andere wie die Krautreporter gehen an den Start. Die Branche ist aufgescheucht und während die Alten dreimal am Tag ein Vaterunser beten, dass sie noch einen tariflichen Arbeitsvertrag in der Tasche haben, stürmen die Jungen über den Ruinen der gedruckten Presse in das Internet und suchen nach dem heiligen Gral, also wie sich vom digitalen Schreiben leben lässt. Mit im Sturmgepäck haben sie dabei allerlei Mythen über den (Internet)Journalismus.


Von Rudolf Stumberger|TELEPOLIS

Eine davon nährt sich von der Annahme, dass es so etwas wie eine journalistische Essenz gebe. Dass wenn man sie nur schreiben ließe, sich das Schöne und Wahrhaftige entfalten könne. Das wäre dann so wie die Möbel bei Manufaktum: Mit fein gedrechselten Sätzen, aufpolierten Vergleichen, eleganten Wendungen und solide gezimmerten Schlüssen – Journalismus als „Werther’s Echte“. Und das Internet sei dafür genau der richtige Platz – ohne Platzprobleme, und vor allem frei.

Freilich auch weitgehend frei vom (bisherigen, herkömmlichen) Kontext. Und dann ist man schnell bei der Frage, die sich die sogenannten Medium-Theoretiker stellen: Wie wird die Botschaft vom Medium beeinflusst? Ist es das Gleiche, wenn ich einen Kommentar von „Zeit“-Herausgeber Josef Joffe über die Folterpraxis der USA („Der Teufelspakt“, Zeit 52/2014) in der gedruckten „Zeit“ oder auf einem E-Reader lese?

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