„Edathy soll brennen“


justiz_grossSebastian Edathy ist unschuldig, sein Verfahren eingestellt. Und das ist gut so. Der eigentliche Skandal ist die öffentliche Debatte über die Verhandlung und seine Person. Sie kommt einer Hexenjagd gleich.


Von Heinrich Schmitz|The European

Am Montagmorgen wurde das Verfahren gegen Sebastian Edathy eingestellt. Am Montagabend lief im ZDF „Seelen im Feuer“ über die Bamberger Hexenverfolgung im frühen 17. Jahrhundert. Wer die Diskussionsbeiträge und Pressekommentare zum Edathy-Verfahren tagsüber verfolgt hatte, wunderte sich abends wenig über eine begeisterte Menge, die der ersten Hexenverbrennung beiwohnte. „Sie sollen brennen“, schrie das Volk in heiligem Zorn. Man muss ja schließlich dem Teufel die Stirn bieten.

Da hat Edathy aber noch mal Schwein gehabt, dachte ich. Vielleicht aber auch nicht. Eine der Hexerei verdächtige Person, der es damals irgendwie gelang, aus Bamberg zu fliehen, hätte irgendwo anders in deutschen Landen ein normales Leben führen können. Da gab’s noch kein Internet. Das kann Edathy auf ewig vergessen. Dessen bürgerliche Existenz ist dauerhaft vernichtet, obwohl er nicht verurteilt wurde und deshalb juristisch unschuldig ist. In Deutschland ist der Mann erledigt.

Aber selbst das reicht wohl den modernen Hexenjägern nicht. Auch die wollen ihn „brennen“ sehen und erregen sich über den aus ihrer Sicht skandalösen Ausgang des Verfahrens.

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