Erleben wir eine neue Welle des Antisemitismus?


Rolf Verleger: Eine Vergleichsstudie der Uni Konstanz zeigt, dass Deutsche, die die Politik Israels kritisieren, meist diejenigen sind, die gegenüber Juden die wenigsten Vorurteile haben. Foto: Heike Lachmann
In Deutschland hat die Zahl der Übergriffe auf Muslime, Ausländer und Flüchtlinge zugenommen. Auch in den jüdischen Gemeinden geht die Angst um. Erleben wir eine neue Welle des Antisemitismus und wenn ja, was sind die Ursachen?


Von Joachim Zinsen|Aachener Nachrichten

Ein Gespräch mit Rolf Verleger, einem ehemaligen Mitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland. Der Psychologie-Professor aus Lübeck hat eine großangelegte Studie über Antisemitismus wissenschaftlich begleitet.

Herr Verleger, mussten Sie persönlich in jüngerer Vergangenheit die Erfahrung machen, dass der Antisemitismus in Deutschland zunimmt?

Verleger: Nein. Ich persönlich fühle mich in keiner Weise ähnlich bedroht wie in den 90er Jahren. Damals schwappte eine Welle von Gewalt und Fremdenfeindlichkeit über Deutschland hinweg. In Mölln und Solingen starben mehrere Menschen bei Brandanschlägen auf Häuser von türkischen Einwanderern. In meiner Heimatstadt Lübeck gab es einen Brandanschlag auf unsere Synagoge. Damals hatte ich Angst.

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